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Remagen: Andreas Müller begeistert 800 Zuschauer mit Kabarett

Andreas Müller : Kabarett über Promis, Parodie und Panikmache in Remagen

Parodist Andreas Müller macht in der Remagener Rheinhalle 800 Zuschauern gute Laune in „disruptiven Zeiten“. Seitenhiebe auf Bundespolitiker und das aktuelle „Virus-Geschehen“ sorgten für Lacher.

Das Setup auf der Bühne ließ an ein Gruppenkonzert denken. Auf den drei Gitarren, elektronischem Schlagzeug und Keyboard spielte aber nur einer, der zudem eher für das bekannt ist, was er mit der Stimme macht. Am besten war Andreas Müller bei seinem Gastspiel vor rund 800 Zuschauern in der Remagener Rheinhalle denn auch als Parodist und Stimmenimitator.

Zuerst aber kam der Mitbegründer und Macher der SWR3 Gagtory und Comedychef des Radiosenders nicht um Corona herum: „Die Hysterie ist schlimmer als die Pandemie. Wir müssen ein bisschen gelassener damit umgehen, erklärt er. Und hatte auch ein Medikament parat. „Schmalspur-Antiidiotikum gegen Panikmache und Hamsterkäufe“ stand auf der Packung, die auf der Leinwand hinter ihm erschien. Diese war sein dauernder Bühnenpartner, wenn er nicht gerade in Zwiegespräche mit seinen Alter Egos verfiel. Es war ein Kaleidoskop von Promifotos, Videoeinspielungen und Schlagzeilen als Stichwortgebern.

Von Sahra Wagenknecht bis Thomas Cook

Gute Laune wollte Müller machen, wie er zum Auftakt verkündete. Auch wenn man in „disruptiven Zeiten“ lebe: „Es gibt viele Leute, die einfach hinwerfen in dieser immer irrer werdenden Welt.“ Beispiele reichten von Sahra Wagenknecht bis Jean-Claude Juncker und Thomas Cook (“die mittlerweile klimaneutralste Airline der Welt“) und von Dirk Nowitzkis Rücktritt bis zum Fahrrad-Rücktritt. Hoppla. Wer nicht aufpasste, verpasste was, denn Müller parlierte in hohem Tempo und wechselte von den Aufgebern zu den Trennungspaaren wie den Wulffs und Gottschalks.

Nur Horst Seehofer wolle sich nicht trennen, sprich abtreten: „Bayern gehen nicht freiwillig. Bis auf einen.“ Weltweit der einzige Bayer, der „seinerzeit aus freien Stücken vorzeitig aufgehört hat“, sei Papst Benedikt gewesen. Auch Joseph Ratzingers Zungenschlag erfüllte auf Stichwort die Halle. Bevor indes die Parodiendichte zunahm, flocht Müller einmal auch Lokalkolorit ein. Die „eigenartigen Forderungen“ Peter Altmaiers wie der nach einem eigenen Weltraumbahnhof für Deutschland kommentierte er mit „Es gibt Dringenderes. Gucken sie mal: Die B9 ist nicht fertig und die Brück’ sieht aus“ und zeigte in Richtung Ruine der Ludendorff-Brücke.

Schwadronieren ohne Luft zu holen

Imitationen von Süddeutschen lagen dem Badener am besten: Jürgen Klinsmann, Seehofer und Wolfgang Schäuble und immer wieder „der Gott der Grünen“, Winfried Kretschmann, der alles andere als amtsmüde sagte: „Irgendwann wählen mich sogar die Cayenne-Fahrer.“ Aber auch seine Paraderollen als „Mutti“ alias Angela Merkel und als Gerhard Schröder oder Helmut Kohl hatte Müller noch drauf, wenn auch kaum Prominenten aus jüngerer Zeit Einzug in sein stimmliches Repertoire fanden. Dafür Udo Lindenberg und Boris Becker. Seine These: Weil Becker angeblich 5,2 Millionen Euro vor Ex-Frau Lilly versteckt habe, müssten seit Anfang des Jahres alle Bäcker Belege ausdrucken.

„Außenamtsdarsteller“ Heiko Maas sah Müller nicht zuletzt wegen dessen Initialen eher als H&M-Modell im „Maas-Anzug“, und er freute sich, dass „AKK“ nicht Friederike heißt: „sonst wäre es eine noch schlechtere Abkürzung“. Der 53-jährige Comedian hastete über die Bühne und schwadronierte beinahe ohne Luft zu holen über „digitale Demenz“ und DSGVO, E-Mobilität und allgegenwärtige Rechtschreibschwächen, SPD und AFD sowie eine fortschreitende „digitale Entmündigung“: „Früher wussten alle zehn Telefonnummern im Dorf. Heute wissen die meisten nicht mal ihre eigene Handynummer.“

Gute Laune stellte sich ein

Gelegenheit für den Multiinstrumentalisten, sich ans Keyboard zu stellen und frei zur Titelmelodie der Kinderserie „Wickie“ über die „Wickie-Pedia-Hysterie“ zu singen: „Zieh dir paar Fakten rein. Es muss nicht richtig sein“. Seine vermeintliche Hommage auf Donald Trump erfolgte zum Van-Halen-Hit „Jump“ und beim „Tauschkonzert“ sang Herbert Grönemeyer einen Max Giesinger-Song, „Calli“ Kalmund à la Kylie Minogue und Jogi Löw zum Beatles-Klassiker: „All you need ist Löw“.

Eine Art Schnelldurchlauf hob er sich wieder mal für den Schluss auf, als er den Lea-Song „Alle meine Freunde finden dass ich leiser bin“ durch mehr als ein Dutzend „seiner“ Stimmen deklinierte: mit Dieter Bohlen („Alle meine Freunde finden, dass ich scheiße kling’“), Grönemeyer („Alle meine Freunden finden, ich soll leiser singen, weil es so kreischend klingt“) und Gerhard Schröder („Alle meine Freundinnen finden, dass ich heiter bin und immer neue Weiber find’“) bis zur abschließenden Erkenntnis: „Nur wenn wir heiter sind, ist alles nicht ganz so schlimm“. Gute Laune hatte sich da im Publikum längst eingestellt, wie der Beifall bewies.