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Lange Wartezeiten und Rückstaus: Remagen hält an Kreisel auf der B9 fest

Lange Wartezeiten und Rückstaus : Remagen hält an Kreisel auf der B9 fest

Die Stadt Remagen hätte gerne einen Kreisverkehr an der neuralgischen Einmündung Bergstraße (L79) zur B9. Doch nun erfahren die Kommunalpolitiker: Für den Landesbetrieb kommt ein Kreisel erst in Frage, „wenn alle Alternativen geprüft sind“.

Drei Jahre ist es nun her, als die SPD in Remagen ein zunächst handgestricktes, dann in vielen Teilen von Verkehrsexperten übernommenes Konzept erarbeitet hat, dessen Umsetzung zu einer Beruhigung des Verkehrs auf der stark befahrenen Bundesstraße 9 in Remagen führen sollte. Insbesondere die Einmündung der Bergstraße (L79) zur die Oberzentren Bonn und Koblenz verbindenden Hauptdurchgangsstraße in Höhe des nördlichen Stadteingangs erwies sich dabei als besonders neuralgischer Punkt.

Mit einem Kreisel – so hoffte man in Remagen – könnten Gefahrenstellen beseitigt und Geschwindigkeiten gedrosselt werden. Das jedoch sieht der Landesbetrieb Mobilität (LBM) zur Überraschung der Kommunalpolitiker anders. Die Landesplaner waren nämlich mit ihrer ablehnenden Haltung von völlig anderen Voraussetzungen ausgegangen als die Gremienvertreter vor Ort. Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl sprach von einem „Kommunikationsproblem“.

Der Bau einer Kreisverkehrsanlage liegt nicht etwa in der alleinigen Planungshoheit der Stadt. Da es sich um eine Bundesstraße handelt, ist der Bund als Eigentümer auch Straßenbaulastträger. Eine Aufgabe, die er dem Landesbetrieb übertragen hat. Die Stadt hatte sich die Verkehrsflüsse, Knotenpunkte, Ein- und Abbiegesituationen auf der B9 in den vergangenen Jahren sehr genau angeschaut und ließ Gutachten fertigen. Das Koblenzer Planungsbüro „Fischer Teamplan“ präsentierte nun für den Einmündungsbereich zur L79 einen Kreisel mit einem Durchmesser von 30 Metern, der zum einen die hohen Geschwindigkeiten auf der langen Geraden der Bundesstraße drosseln und zum anderen ein Auffahren von der Landes- auf die Bundesstraße weniger gefährlich werden lassen soll.

Hohe Verkehrsdichte führt zu brenzlige Situationen

Immerhin sind es Tag für Tag nahezu 3500 Fahrzeuge, die von der Bergstraße aus kommend auf die täglich von gut und gerne 20.000 Pkw und Lkw befahrene B9 wollen und dabei in Fahrtrichtung Bonn wegen der hohen Verkehrsdichte brenzlige Situationen überstehen müssen. Weil es alles andere als einfach ist, auf die Bundesstraße zu kommen, entstehen auf der Bergstraße lange Wartezeiten und Rückstaus. Der Kreisel, so das Fachbüro, könnte hier für Abhilfe sorgen. Ungeachtet dessen würden durch die angedachten baulichen Maßnahmen erheblich mehr Stellplätze auf dem gegenüberliegenden Park and Ride-Parkplatz des benachbarten Bahnhofs entstehen. Und genau darauf legte der Landesbetrieb seinen Akzent.

Wenn die Stadt mehr Stellplätze für ihren P & R-Parkplatz wolle, sei dies in erster Linie allein Angelegenheit der Stadt Remagen, ließen Vertreter des LBM in der jüngsten Bauausschusssitzung der Römerstadt durchblicken. Die Landesbehörde favorisiere eine weitaus preisgünstigere Lösung als einen Kreisel: Wer von der Bergstraße auf die B9 wolle, so der Vorschlag, könne zunächst in Fahrtrichtung Bonn auf eine neu aufzubringende innenliegende Spur fahren, um von dort aus dann in Fahrtrichtung Norden zu starten. Die Breite der Bundesstraße lasse das zu. Dass damit die Geschwindigkeiten des fließenden Verkehrs nicht vermindert werde, räumten die LBM-Vertreter ein. Man sei allerdings auch davon ausgegangen, dass dies nicht das vordringliche Thema sei.

Die Remagener Kommunalpolitiker staunten. Wilfried Humpert (FBL): „Es geht ausschließlich um die Sicherheit und nicht um einen Parkplatzerweiterungsbau. Es gibt gute Gründe, an einem Kreisverkehr festzuhalten.“ Auch Frank Bliss (Grüne) zeigte sich ob des offenkundigen, sich über eine lange Planungsphase hin erstreckenden Missverständnisses zwischen LBM und Stadt, irritiert: „Der Verkehr auf der Bundesstraße soll verlangsamt werden. Und das geht nur mit einem Kreisel. Er durchbricht den Durchfahrtscharakter.“

„Wir haben die Geschwindigkeiten bislang außen vorgelassen“, teilte der Landesbetrieb in der Bauausschusssitzung mit. Erneut wies die Behörde allerdings darauf hin, dass ein Kreisverkehr erst dann in Frage komme, „wenn alle Alternativen abgeprüft sind“. Bürgermeister Ingendahl fasste zum allgemeinen Verständnis zusammen: „Solange keine zwingende Notwendigkeit für einen Kreisel gesehen wird, sieht der Landesbetrieb keine Veranlassung, Geld in die Hand zu nehmen.“

Nun soll es einen Neuanfang in der Planung geben. Dies unter Berücksichtigung von Verkehrsdichte, gefahrenen Geschwindigkeiten und Beseitigung von Gefahrenstellen. Möglicherweise wird dann auch geklärt, welche Folgewirkungen ein Kreisverkehr auf der B9 auf die Fließgeschwindigkeit der dort fahrenden Fahrzeuge und etwaige Staubildungen haben wird. Denn auch das war kein Thema, mit dem sich der Landesbetrieb bislang auseinandergesetzt hatte.