Ziele bis 2050 gesetzt Remagener Rat reagiert mit großem Maßnahmenpaket auf Klimawandel

Remagen · Mehr Grünflächen, Wärmeinseln und eine bessere Trinkwasserversorgung – der Remagener Rat hat ein Konzept verabschiedet, das die Stadt bis 2050 an den Klimawandel anpassen soll.

 Bei einem Hochwasser im Januar 2021 ist die Remagener Rheinpromenade überschwemmt.

Bei einem Hochwasser im Januar 2021 ist die Remagener Rheinpromenade überschwemmt.

Foto: Martin Gausmann

Bundesweit hat nicht nur der Klimaschutz, sondern vielmehr auch das sogenannte Klimaanpassungsmanagement an Bedeutung gewonnen. In Remagen wird derzeit ein Konzept erarbeitet, wie man in Zukunft klimatischen Veränderungen begegnen will und wie man die Bevölkerung besser vor Klimaveränderungen und deren Auswirkungen schützen kann. Die Konzepterarbeitung wird mit Zuschüssen des Bundesumweltministeriums gefördert. Hauptbestandteil des Konzeptes wird ein Maßnahmenkatalog sein, der nun dem Remagener Stadtrat präsentiert und mit großer Mehrheit verabschiedet wurde.

Er umfasst die Maßnahmen, die zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels kurz-, mittel- und langfristig in Remagen ergriffen werden sollen. Der Katalog wurde vom Klimaanpassungsmanagement unter Beteiligung der Stadtverwaltung, der Politik und den Bürgern von Remagen erstellt. Überprüft wurde der Entwurf zudem durch das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen Rheinland-Pfalz. Eine Priorisierung der aufgelisteten Maßnahmen gibt es noch nicht.

Doch die Zielsetzung ist grundsätzlich klar: Bis 2050 will man in Remagen zahlreiche Pakete schnüren, mit denen man Hitze, Dürre, Starkregen, Unwettern und Hochwassern begegnen will. Die Stadt will bis 2050 „klimawandelangepasst“ sein, gerne heißt es auch, die Stadt will bis dahin „klimaresilient“ sein. Es gelte, das gesellschaftliche Leben an die unausweichlichen Folgen des Klimawandels anzupassen und Risiken abzumildern. Dabei werden spezielle lokale und regionale Anpassungsmaßnahmen entwickelt, die mit Hilfe des Maßnahmenkatalogs umgesetzt werden.

■ Dazu gehören beispielsweise „naturbasierte Lösungen“ in der innerstädtischen Gestaltung. Gemeint sind Maßnahmen, die Vorteile natürlicher Prozesse und Eigenschaften von Ökosystemen nutzen, um zentrale gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Beispielsweise tragen Grünflächen in Städten durch die Kühlung der Umgebung bei und verringern gesundheitliche Belastungen, die durch das Auftreten von Hitzewellen entstehen können. Auch wird das Überschwemmungsrisiko bei Starkregenereignissen durch Grünflächen reduziert, da dort das Niederschlagswasser versickern und gespeichert werden kann. Weitere Versiegelungen seien zu vermeiden.

■ Ein Thema ist in diesem Zusammenhang auch der Umbau von Straßen und Plätzen mit Elementen des Schwammstadtprinzips. Das Schwammstadtprinzip ist ein Konzept in der Stadtplanung, dessen Ziel es ist, möglichst viel anfallendes Regen- und Oberflächenwasser vor Ort aufzunehmen und zu speichern, anstatt es zu kanalisieren und abzuleiten. Auch hier gilt als Ziel, Überflutungen bei Starkregenereignissen zu vermeiden, das Stadtklima zu verbessern und die Gesundheit von Stadtbäumen sowie die Resilienz von gesamten Stadtökosystemen zu fördern.

■ Weiterer Baustein: Die Anlage von Grünstreifen, die zur Retention von Regenwasser dienen und somit den oberflächlichen Abfluss von Regenwasser reduzieren. Die Grünrandstreifen seien sowohl auf landwirtschaftlich genutzten Flächen an abflussgefährdeten Stellen als auch entlang von Straßen, Wirtschaftswegen und privaten Grundstücken möglich.

■ Außerdem gehört zum Aufgabenkatalog die Verbesserung der Situation an den Bächen. „Im Zuge der Starkregenvorsorge und zum Schutz der an Bächen wohnenden Anlieger werden Unterhaltungsmaßnahmen an den Bachläufen durchgeführt“, heißt es im Konzept. Zukünftig sollen diese Aufgaben vom noch zu gründenden Gewässerzweckverband Ahr übernommen werden. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die überörtliche Hochwasservorsorge sowie die Gewässerunterhaltung.

■ Auch auf Probleme in der Trinkwasserversorgung will man in Remagen reagieren können und vorbereitet sein. Es sei notwendig, sorgsam mit dem Gut Trinkwasser umzugehen. Verschwendungen sollten vermieden werden. „Kleine Anpassungen im Alltag, wie die Nutzung eines wassersparenden Duschkopfs oder einer Toilettenspülung besitzen große Einsparpotentiale, sodass auch in trockenen Perioden die Wasserversorgung gewährleistet werden kann“, heißt es aus dem Rathaus. Um die Trinkwasserversorgung der Stadt in anhaltenden Dürreperioden sicherzustellen, sei eine Diversifizierung der Trinkwasserversorgung notwendig. Aktuell stammt das Trinkwasser für die Remagener Bevölkerung aus der Wahnbachtalsperre und verläuft über Bonn. „Für die Zukunft sollten Möglichkeiten eines alternativen Wasserbezuges geprüft sowie Notbrunnen ertüchtigt werden“, erklärte die Verwaltung.

■ Weitere Klimaanpassungsmaßnahmen: Wärmeinseln als Schutz vor Kälte oder auch Räume mit Abkühlungsmöglichkeiten als Schutz vor Überhitzungen. Dass Bäume beim Klimaschutz eine große Rolle spielen, ist bekannt. Nicht nur in den Innenstädten, wo sie Schatten spenden und die Aufenthaltsqualität erhöhen. Auch im Forst, wo gesunde Mischwälder klimaresiliente Bausteine darstellen. Eine Neuausrichtung im Forst ist längst im Gange. Weiterhin soll der Dialog mit der Landwirtschaft forciert werden, um auch auf diesem Terrain die Weichen für besseren Klimaschutz zu stellen.

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