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Erkenntnisse über Wege- und Gedenkkreuze: Spannend für die Ortsgeschichte

Erkenntnisse über Wege- und Gedenkkreuze : Spannend für die Ortsgeschichte

Das Wissen um Glaubenszeichen im öffentlichen Raum lichtet sich. Deshalb möchte Hans Atzler festhalten, was heute noch bekannt oder zu erfahren ist.

Offensichtlich teilen viele dieses Interesse, denn es wurde voll im alten Rathaus, wo Hans Metternich, Vorsitzender des Rathausvereins, seine Ausstellung "Kreuze und christliche Symbole in Oberwinter, Birgel und Bandorf" eröffnete und dem Mitglied für seine Nachforschungen dankte.

Sie gestalteten sich im Gebiet "außerordentlich schwierig". Für acht Hochkreuze, meist aus dem 17. und 18. Jahrhundert, sind die speziellen Gründe der Aufstellung nicht überliefert. "Das ist das Übliche", so Atzler in seiner Einführung. Oft nahmen die Stifter ihr Geheimnis mit ins Grab.

Allgemein aber gelte: "Die Menschen waren gottgläubig und auch ein bisschen abergläubig". Sie errichteten die Male, um Segen anzuziehen und Unheil abzuwehren, zur Ehre Gottes und fürs eigene Seelenheil, "da gute Christenmenschen gewöhnlich innehielten zum Gebet".

Solch in Stein verewigte Frömmigkeit hatte ihren Preis. Das gefährliche Brechen des Steins, der Transport und die Bearbeitung, etwa von Trachyt vom Drachenfels oder Latit vom Stenzelberg, waren teuer. 15.000 bis 20.000 Euro würde ein Hochkreuz mit Korpus heute bei einem Remagener Steinmetz kosten, erfuhr der Referent.

Trotz dünner Faktenlage brachte er unter Einbeziehung lokaler und regionaler Zeitumstände viele Verknüpfungen mit der Ortsgeschichte zutage. Das älteste der Kreuze von 1693 bei der Sankt Laurentius Kirche geht auf die Eheleute Hattingen zurück, Besitzer eines großen Steinbruchs am Birgeler Kopf. Es könnte zusammenhängen mit dem großen Unwetter am Johannistag des Jahres, bei dem es "zwölf Stunden ohne Unterbrechung geblitzt und gedonnert hat; man dachte die Welt geht unter".

Dagegen stand das Basaltkreuz am Markt, dessen Umgebung immer wieder wechselte, einst im Zentrum konfessioneller Spannungen. Es wurde laut Inschrift 1701 dank Spendensammlung durch Pastor Rinckelbach errichtet, und zwar ursprünglich vor dem Bürgerhaus, Vorgänger des Rathauses, wo die Protestanten damals ihre Gottesdienste hielten.

Beim Kurfürsten beschwerten sie sich über die Störungen durch die Gesänge, Litaneien und Böllerschüsse der Katholiken beim Kreuz. Rinckelbach kann übrigens ohnehin nicht als Friedenstifter gelten, hatte er doch den rechtmäßigen Oberwinterer Pfarrer vertrieben, um sein Amt zu "erben". Eine Besonderheit ist das barocke "Helenenkreuz" am Rheinhöhenweg/Im Ellig-Hinterellig, das den 11. November 1775 als Sterbetag der Eheleute Johan Gofers und Sibila Meuls angibt, dazu die Kaiserin Helena zeigt und benennt.

Der Grund könnten Legenden sein, nach denen ihr Sohn Konstantin, welcher im Zeichen des Kreuzes vor Rom siegte, den Sieg in Sinzig davontrug sowie unter anderem dort und in Birgel Kirchen gestiftet haben soll. Die Rathaus-Präsentation bietet weitere spannende Einzelheiten: Fotos wechselnder Standorte, Werkzeuge zur Steinbearbeitung und ein wiedergefundenes gusseisernes Kreuz. Sie regt dazu an, auch andernorts der Geschichte der Kleindenkmäler nachzugehen.

Die Ausstellung, zu der es eine Begleitpublikation gibt, ist an den Wochenenden bis 19./20. September geöffnet: samstags von 16 bis 18 Uhr und sonntags von 11.30 bis 13 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr.