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Galerie Werkhallen in Oberwinter: Tanz der Skulpturen

Galerie Werkhallen in Oberwinter : Tanz der Skulpturen

In der Galerie Werkhallen tanzt der Stahl. Christiane Obermann und Axel Burkhard haben zur Choreographie der Arbeiten einer der wichtigsten europäischen Stahlbildhauer eingeladen und mit dem Publikum fand sich Robert Schad, der Künstler, zur Vernissage in Oberwinter ein.

Innen und außen, in den beiden hohen Hallen als auch im Innenhof, sind rund 15 teils großformatige Skulpturen und Zeichnungen der vergangenen zehn Jahre zu sehen. Schads Gebilde aus massivem Vierkantstahl greifen nach Raum. Sie schließen ihn ein, bilden um ihn herum eine Klammer oder machen seine Ausdehnung bewusst durch Gliederung und Rhythmisierung. Dass die an Material schweren Werke so leichtfüßig daherkommen, veranlasste die Galeristen ihre Ausstellung „Vom Tanz der Dinge“ zu nennen.

Die „Dinge“ aber, das führte Oliver Kornhoff, Direktor des Arp Museums Bahnhof Rolandseck, erklärend aus, sind „Spannungsverhältnisse, Seinszustände und Emotionen“. Intensiv bringt sich der Künstler ein, wie sein Zitat an der Wand bezeugt: „Mit meinen physisch schweren Stahllinien denke ich meinen Körper hinein in den Raum. Sie verdichten sich zu Tänzern meiner imaginären Choreographie exemplarischer Emotionen und Erfahrungen, suchen nach Leichtigkeit und Freiheit, möchten vom Boden abheben.“

Allein in einer Halle unterschied Kornhoff drei Formen-Typen: Das stehende Gitter als Spannungsgefüge aus Horizontalen und Vertikalen, die eckige Schwere massiv gestapelten Stahls, „die jeglichen Raum geradezu aggressiv verdrängt“ und eine am Boden kurvende Liegende, die umschlossenen und umgebenden Raum in Bewegung setzt.

Betrachter wird Zeuge eines Abenteuers

Schad arbeitet mit der Linie. Sparten überwindend entlässt er sie als Zeichnung im Raum und Plastik in der Zeichnung. Seine Skulpturen bestehen aus aneinandergeschweißten Linien, nicht aus Biegungen. Das ist wesentlich für ihren unnachahmlichen Charakter.

Stets wirken sie ob der Knicke etwas verletzlich, ein wenig unbeholfen, zugleich im Begriff einem Zustand zu entfliehen. Mitunter spricht aus ihnen ein Werben für die Ästhetik der tastenden Formsuche, für Werden und Verwandlung, statt der Behauptung einer statischen Wahrheit. Sie bergen, so scheint es, die Möglichkeit zarter Entfaltung ebenso wie die des Scheiterns.

Der Betrachter wird Zeuge dieses Abenteuers, ob er sich dem hochbeinigen Gestänge „Ketmes“ nähert, dessen Aufwärtslinien einem schrägen Strang entgegenstehen, ob er die ruckelnd gerundete U-Form „Farug“ umschreitet oder der federnden Zick-Zack-Bewegung einer Linie in Lack auf Stahlblech folgt.

Etwas beharrlich Drängendes teilt sich mit, als ob einige von Robert Schads Skulpturen im Wachstum begriffen sind. Andere wiederum könnten Schriftzeichen einer noch unentdeckten Kultur sein, so bedeutungsheischend wie sie Bild- und dreidimensionalen Raum beanspruchen.

Die Werkhallen in der Hauptstraße 121 sind jederzeit nach Vereinbarung unter 01 75/4 10 66 06 geöffnet.