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Hochwasserschutz in Remagen-Unkelbach: Widerstand gegen Bachprojekt in Unkelbach

Hochwasserschutz in Remagen-Unkelbach : Widerstand gegen Bachprojekt in Unkelbach

Gegen die Erhöhung des Unkelbachs zum Hochwasserschutz formiert sich im Ort Unkelbach Widerstand. Jetzt informierten sich Bewohner bei einem Gang durch das Bachbett, zu dem der Ortsbeirat eingeladen hatte.

Gummistiefel waren in Unkelbach gefragt: Dort ging der Streit zwischen Verwaltung und Stadtspitze Remagens auf der einen und Bürgern samt Ortsbeirat auf der anderen Seite in die nächste Runde. Ortsvorsteher Egmond Eich (Freie Bürgerliste) hatte zur Bachbegehung eingeladen, um interessierten Bürgern den Stein des Anstoßes näher erläutern zu können.

Es geht um ein 310 Meter langes Teilstück des Unkelbachs entlang der Wohnbebauung der Straße Am Mühlenweg. Hier will die Stadtverwaltung gemäß Hochwasserschutzkonzept, das nach einem Starkregen mit schweren Schäden im Jahr 2016 erstellt worden war, Schutzmaßnahmen umsetzen. Dabei soll unter anderem das Bachbett um bis zu 1,50 Meter erhöht werden. Spätestens, seitdem das Ausmaß der Maßnahme bekannt ist, regt sich Widerstand im Ort. „Unnötig“, „ohne Wirkung“, „überdimensioniert“ oder „zu teuer“ sind dabei Argumente der Gegner, die sie auf einer Anwohnerversammlung Ende Juni in der Unkelbacher Mehrzweckhalle vehement vortrugen.

Die Stadt setzte die Umsetzung der Maßnahme daraufhin zunächst aus, um rund vier Wochen nach dem Infoabend in einer Pressemeldung die Struktur- und Genehmigungsbehörde Nord (SGD) zu zitieren, die der Stadtverwaltung „die zügige Umsetzung der vom beauftragten Büro erarbeiteten Maßnahme zur Anhebung des Bachbettes“ empfahl.

Seitens des Ortsbeirats sollte nun genauer über die geplante Maßnahme und deren Auswirkungen vor Ort informiert werden, dazu wurde das überwiegend mit Bäumen und Gestrüpp überwachsene tiefe Bachbett genauer unter die Lupe genommen. Ortsvorsteher Eich freute sich besonders, Mitglieder des Stadtrates begrüßen zu können.

Kreistagsmitglied Jochen Seifert (FWG) aus Kempenich war ebenfalls vor Ort. Er hatte einen Fachbeitrag zu den geplanten Maßnahmen erstellt und führte mehr als zwei Dutzend der Teilnehmer durch das Bachbett. Dabei wurde den Teilnehmern vermittelt, dass die Stadtverwaltung ihrer Unterhaltungspflicht offensichtlich schon lange nicht mehr nachgekommen ist.

Seifert monierte bei seinen einführenden Worten, dass es nach dem Unwetter vor vier Jahren immer noch keine hydraulischen Berechnungen zum Wasserablauf gebe. Er kritisierte ebenfalls die Ausschreibungsunterlagen des Projekts und die dort verwendeten Zahlen und Maße: „Mal wird von 1,50 Metern Bachbetterhöhung, mal von einem Meter gesprochen.“ Sein Vorschlag lautete, nach der Vegetationsperiode den angedachten Bachbereich freizuschneiden und dann gemeinsam zu schauen, welche sinnvollen Maßnahmen ergriffen werden sollten. Auch teilte er den Bürgern mit, dass er nach der Begehung noch einmal ein Gespräch mit dem zuständigen Sachbearbeiter bei der SGD Nord führen werde.

Reinhold Langen, in Remagen Betreiber eines Büros für Freiraumplanung und Landschaftsarchitektur, der eine weitere Gruppe von Bürgern auf den nördlich vom Bach gelegenen Wanderweg, der zur Baustraße umfunktioniert werden soll, führte, monierte ebenfalls fehlerhafte Unterlagen und die ausgebliebene Unterhaltung des Bachgebiets durch die Stadtverwaltung. Zudem bezeichnete er es als unverständlich, dass die Maßnahmen auf den Bereich unterhalb des Ortes reduziert und nicht im alten Ortskern durchgeführt würden. Er kündigte erneut an, bei Baubeginn der Maßnahmen einen sofortigen gerichtlichen Baustopp erwirken zu wollen.

Unterdessen nutzte ein Anwohner der Straße Am Mühlenweg den Samstagnachmittag, Bordstein und Einfahrt zu kehren und Unkraut zu jäten. „Uns hat es im Jahr 2016 heftig erwischt“, berichtete der Mann. Wasser und Schlamm seien dabei keineswegs vom Bach, sondern aus Richtung Ortskern über die Straße gekommen und hätten seine Veranda überflutet. Von den geplanten Maßnahmen am Bach hinter seinem Haus hält er nichts. Auch die genannten Erosionen am Bachufer wusste er zu bewerten: „Ich wohne seit 30 Jahren hier, da hat sich seither am Bach kaum etwas verändert.“