1. Region
  2. Ahr & Rhein
  3. Remagen

Stadt Remagen lädt Bürger zu Online-Umfrage ein: Wird ganz Remagen zur Tempo-30-Zone?

Stadt Remagen lädt Bürger zu Online-Umfrage ein : Wird ganz Remagen zur Tempo-30-Zone?

Bürgermeister Björn Ingendahl macht sich für Tempo 30 auf allen Remagener Straßen stark. Und er bezieht die Bürger in den Entscheidungsprozess ein. Diese sind eingeladen, in einer Online-Umfrage über die erlaubte Geschwindigkeit auf den innerörtlichen Straßen abzustimmen.

Björn Ingendahl, Bürgermeister der Stadt Remagen, hatte es vor Monaten bereits angekündigt: Er möchte sich für Tempo 30 auf allen Remagener Straßen starkmachen. Großflächig. So soll das übliche Tempo 50 im innerörtlichen Bereich abgelöst werden. Vorsichtshalber will Ingendahl jedoch die Bürger befragen. Dies per Online-Umfrage. Damit hat man in der Römerstadt bereits Erfahrungen. Auch zum Bau einer Rad- und Fußgängerbrücke quer über den Rhein nach Erpel hatte man die Bürger befragt, die sich seinerzeit mit großer Mehrheit für das Vorhaben, dessen Umsetzung so wahrscheinlich ist wie der Bau eines Flughafens in Kripp, ausgesprochen hatten. Die Stadt wolle einem „veränderten Verkehrsverhalten“ Rechnung tragen, so der Stadtchef.

Schließlich nutzten immer mehr Menschen das Fahrrad, der Bewegungsradius habe sich zudem durch Elektroräder erheblich erweitert. Insbesondere schwächere Verkehrsteilnehmer müssten stärker geschützt werden. „Es ist mir ein großes Anliegen, auf allen innerstädtischen Straßen in Remagen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h einzuführen, um die Verkehrssicherheit insgesamt zu verbessern und die Geschwindigkeitsregelungen zu vereinheitlichen“, erklärte Ingendahl seine Initiative. Eine grundsätzliche Reduzierung der Geschwindigkeit könne zu einer erheblichen Reduzierung der Gefährdung schwächerer Verkehrsteilnehmer führen. So reduziere sich der normale Bremsweg von 25 Metern bei 50 km/h auf neun Meter bei 30 km/h. Studien belegten zudem, dass die Lärmbelastung abnehme.

Gleichzeitig würde sich die Fahrzeit nur unwesentlich erhöhen. „Die Fahrt von der Dorfmitte in Kripp bis in die Innenstadt von Remagen beispielsweise, würde bei durchgehend 30 km/h weniger als eine Minute länger dauern als aktuell“, glaubt Ingendahl. Ob sich das Verkehrsverhalten tatsächlich verändert hat und in Remagen mehr Fahrrad gefahren wird, sei dahingestellt.

Der Kfz-Bestand hat jedenfalls nicht abgenommen, sondern ist nach Angaben des Statistischen Landesamtes gestiegen. Wie der ADAC mitteilt, wurde zudem bereits vor 15 Jahren von der Bundesanstalt für Straßenwesen nachgewiesen, dass Tempo 30 im Gegensatz zu Tempo 50 keine signifikanten Verbesserungen der Verkehrssicherheit von Hauptverkehrsstraßen bewirkt.

Auch zur angeblichen Lärm- und Schadstoffreduzierung gibt es andere Auffassungen: „Das Motorengeräusch ist abhängig von der Drehzahl. Je stärker der Fahrer in einem Gang beschleunigt, desto größer ist auch die Lärmentwicklung. Das Motorengeräusch bei Tempo 30 im dritten Gang unterscheidet sich deshalb nicht wesentlich von dem bei Tempo 50 im vierten Gang.“ Und: Wer im hohen Drehzahlbereich unterwegs ist, bläst auch verstärkt Schadstoffe in die Luft. Dass Tempo 30 gar zu einer Verschlechterung der Emissions- und Kraftstoffverbrauchssituation führt, wurde bereits vor zehn Jahren in einer Studie der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg festgestellt. Weiteres Gegenargument: Bei Langsamfahrten lässt die Konzentration eher nach als bei einer flotteren Fahrt, was Unfallgefahren nicht gerade mindert.

Die Remagener Stadtverwaltung will es dennoch wagen und schlägt vor, nicht nur in allen Wohngebieten künftig 30er-Zonen auszuweisen, sondern auch auf den Hauptverkehrsstraßen. Heißt: Die Alte Straße, Goethestraße, Mittelstraße, die überörtlichen Straßen L79 (Bergstraße/Birresdorfer Straße), die K40 in Unkelbach (Rheinstraße/Am Weiher/Oedinger Straße) und Oedingen (Wachtbergstraße), die K41 in Bandorf (Talstraße) und Oberwinter (Im Ellig/Am Friedrichsberg) sowie sogar die B266 in Kripp (Quellenstraße) sollen durchgehend Tempo 30-Beschilderungen bekommen.

Diese Straßen sollen aber weiterhin Vorfahrtsstraßen bleiben, um einen gleichmäßigen Verkehrsfluss zu gewährleisten. „Bevor der Stadtrat endgültig über meinen Vorschlag entscheidet, möchte ich zunächst den Bürgern unserer Stadt die Gelegenheit geben, ihre ehrliche Meinung zu einer dauerhaften Geschwindigkeitsbeschränkung abzugeben“, so Ingendahl weiter. Vielleicht kann ja auch hilfreich sein, einen Selbstversuch zu unternehmen, bevor man an der Umfrage teilnimmt.

Die Online-Umfrage sowie Karten von allen Stadtteilen, die die aktuellen sowie die vorgeschlagenen, künftigen Geschwindigkeitsregelungen enthalten, sind auf der Internetseite www.remagen.de veröffentlicht. Die Teilnahme an der Umfrage ist bis zum 7. August möglich.