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Schonzeit im Kreis Ahrweiler: Jäger hadern mit neuer Regelung

Neue Regelung im Kreis Ahrweiler : Jäger sind gegen eine verkürzte Schonzeit von Schmalwild

Das Schalenwild soll im Kreis Ahrweiler schon ab April bejagt werden. Damit sind viele Jäger nicht einverstanden.

Die Landesforstverwaltung hat vor wenigen Tagen die Schonzeiten für bestimmte Hirsche, Rehe und deren Jungtiere (Schmalwild) verkürzt und damit den Unmut der Jägerschaft auf sich gezogen. Ziel der Verkürzung ist es, dass sich der Wald nach den trockenen Sommern und den dadurch entstandenen Schäden länger erholen kann. Denn vor allem die jungen Rehweibchen haben einen mächtigen Hunger und fressen bevorzugt junge Pflanzentriebe und Knospen.

Viele Jäger halten die Maßnahme allerdings für ein untaugliches Mittel. Horst Gies (CDU), Mitglied des Landtages und stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft: „Das ist unakzeptabel und unmöglich.“ Und der Vorsitzende Ralf Schmidt fordert gar, die Schonzeitaufhebung „mit sofortiger Wirkung rückgängig zu machen“. Das begründen die beiden Jäger damit, dass „die vorgezogene Jagdzeit auf Schmalwild die Verbisssituation nicht verbessern“ werde.

Jäger und Biologen befürchten negative Effekte durch frühere Jagdzeit

Es bleibe eher zu befürchten, dass ein negativer Effekt eintritt. Jagdpraktiker und Wildbiologen würden die Strategie des Wildes in der nahrungsarmen Winterzeit kennen. Wichtige Körperfunktionen werden im Sparbetrieb gehalten. „Daher sollten wir den wiederkäuenden Schalenwildarten den Frühling lassen, um im Offenland die aufkeimende Vegetation zur Auffüllung ihrer Körperreserven zu nutzen. Wenn wir genau in dieser Phase mit der Bejagung beginnen, wird sich das Wild in den Wald zurückziehen und dort Schaden anrichten. Damit erreichen wir genau das, was wir eigentlich vermeiden wollen“, heißt es in einem Schreiben.

Es spreche nichts dagegen, die Tiere erst während der üblichen Jagdzeit im Mai zu erlegen. Die Argumentation, die im April noch spärliche Vegetation zur besseren Sicht nutzen zu wollen, werde durch die frühe Beunruhigung konterkariert. Das Wild werde sich früher scheu verhalten, was im Mai nicht mehr kompensiert werden könne.

Auch Freizeit-Sportarten wie Mountainbiking und Geocaching stören Wild

Auch werde das Wild durch die Freizeitnutzung in den Wäldern gestört, was wiederum zu erhöhten Verbissschäden führe. „Stellen die allgemeinen Erholungsaktivitäten auf ausgewiesenen Wirtschaftswegen einen berechtigten Anspruch der Gesellschaft dar, sind neuerdings die meist sportiven oder technischen Aktivitäten wie Mountain-Biking oder Geocaching neben freilaufenden Hunden die Hauptfaktoren für scheues Wild. Diese Umstände, aber auch die Jagdausübung erhöhen die Stresssituation für Reh und Hirsch, sind Grundlage für deren scheues Verhalten und entscheiden in vielen Revieren über das Nicht-Erreichen der Abschussvorgaben“, erläutern die Kreisjäger ihren Standpunkt. Und fügen ihrem Schreiben auch gleich ihre Broschüre zur Waldgenesung im Kreis hinzu.

Auch die Kreisjagdmeister und Leiter von Hochwildhegegemeinschaften über das Kreisgebiet hinaus machen ihrer Empörung in einem Schreiben an die Landesforstverwaltung Luft: Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die Jagd im Staatswald zur reinen Schädlingsbekämpfung entwickelt.Wenn die Zentralstelle der Forstverwaltung der Meinung sei, dass es für den Wald das Beste sei, wenn kein Wild mehr vorhanden sei, dementsprechend auch keine Wildschäden aufträten, dann solle man so ehrlich sein und öffentlich dazu stehen.