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Kommunalwahl 2020: Sebastian Goerke will Bürgermeister in der VG Bad Breisig werden

Kommunalwahl 2020 : Sebastian Goerke will Bürgermeister in der VG Bad Breisig werden

Sebastian Goerke ist IT-Spezialist. Nun will der SPD-Kommunalpolitiker Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bad Breisig werden. Am 20. September ist die Wahl.

Man muss schon ein wenig Ortskenntnisse haben, um das Heim von Sebastian Goerke im verwinkelten Brohl-Lützing zu finden. Etwas abgelegen, nur über einen kleinen Schotterweg zu erreichen, lebt der 34-jährige IT-Spezialist in seinem beschaulichen Heim, inmitten einer grünen, sehr ruhigen Oase.

Schnell fühlt man sich in diesem Refugium wohl, was möglicherweise auch der ordnenden Hand von Goerkes Lebensgefährtin Kerstin zu verdanken ist. In der Idylle denkt der Vorsitzende der SPD Breisiger Land viel über Kommunalpolitik nach. Und über seine Kandidatur. Denn Sebastian Goerke will Bürgermeister der Verbandsgemeinde werden. Seine Selbsteinschätzung: „Ich bin ein Vorwärtsmacher.“ Am 20. September ist die Wahl.

Der Vorwärtsmacher liest „Vorwärts“

Die Parteizeitung „Vorwärts“ liegt beim „Vorwärtsmacher“ Goerke auf dem Tisch. Dazu viel Fachliteratur über Geo-Informationssysteme, Digitalisierung, Systeme für Raumordnung, aber auch Fantasy-Romane oder Computerspiele. Letztere sind seine Leidenschaft in der Freizeit. „Ich war schon als Jugendlicher ein begeisterter Computerspieler“, sagt er. Allerdings konnte man ihn auch häufig auf dem Fußballfeld finden: Goerke war bis zu einem Schienbeinbruch ein gefürchteter „Ausputzer“ in der Kreisklasse. In der Defensive war er der Abräumer.

Defensivmann geht in die Offensive

Nun geht er – zumindest in der Kommunalpolitik – in die Offensive. Nach dem Abitur hat der in Franken aufgewachsene SPD-Kandidat Geografie, Geschichte und Informatik studiert. Statt Lehramt zog ihn jedoch die digitale Welt in den Bann. Als Softwareentwickler war er beruflich schnell etabliert, reiste im Auftrag amerikanischer, später französischer Unternehmen in Sachen IT durch halb Europa. Sein Spezialgebiet: die Beratung von Verwaltungen und Behörden, wie Digitalisierung und interne Abläufe optimiert werden können.

2014 zog Sebastian Goerke von Franken nach Bad Breisig. Schnell schloss er sich den dortigen Sozialdemokraten an: „Ich war der SPD immer nah“, sagt er rückblickend. Das sei auch so gewesen, als er sich in Franken kommunalpolitisch engagiert hatte. Damals allerdings noch für die FWG. Das sozialdemokratische Gedankengut jedoch, sei stets tief in ihm verwurzelt gewesen.

Und so kommt er denn auch schnell auf soziale Ungleichgewichte zu sprechen, die es auch auf lokaler Ebene gebe. Goerke macht auf die soziale Schieflage vieler Menschen in der Verbandsgemeinde aufmerksam. In der Tat fällt auf, dass die Zahl überschuldeter Privatpersonen in Bad Breisig, insbesondere in Brohl-Lützing, im kreisweiten Vergleich laut „Schuldner-Atlas“ reichlich hoch ist. „Ich will die soziale Lage der Menschen vor Ort verbessern“, sagt Goerke. Als Verbandsbürgermeister könne man „einige Steine ins Rollen bringen“.

In der digitalen Welt zu Hause

Das will der „Vorwärtsmacher“ auch im Bereich der Wirtschaftsförderung. Dabei ist er sich darüber im Klaren, dass die Neuansiedlung großer Unternehmen nicht zuletzt wegen der topografischen Lage Bad Breisigs und der zahlreichen Wasserschutzzonen in Rheinnähe kaum möglich erscheinen. Auch glaubt er nicht, dass kleine Einzelhandelsgeschäfte Interesse daran haben, die aktuellen Leerstände wieder mit Leben zu füllen. Also wirbt Goerke für „weiße Unternehmen“, für Firmen, die in der digitalen Welt zu Hause sind, die mit Themen wie künstlicher Intelligenz etwas anzufangen wissen. Voraussetzung: „Der Breitbandausbau muss bis vor jede Haustüre erfolgen.“ Klar sei für ihn: „Die Digitalisierung kann in der Verbandsgemeinde Impulse geben, damit es hier vorangeht.“

Impulse würde man sich auch für die Römer-Thermen wünschen, die alljährlich riesige Löcher in den Haushalt der Stadt Bad Breisig reißen. Geöffnete Fördertöpfe sind bekanntlich nicht in Sicht. Sehr wohl aber ein erheblicher Sanierungsbedarf, wobei sich abzeichnet, dass die bisher kalkulierten diesbezüglichen Investitionskosten bei weitem nicht ausreichen werden. Goerke sieht ein düsteres Szenario aufziehen: „Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wo wir das Bad wohl schließen müssen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.“

Zu Goerkes Steckenpferden gehört Heimatgeschichte und Ahnenforschung, der er sich in seiner Freizeit mit Akribie widmet. Da könnte es für ihn schon fast ein gutes Omen sein, als er in der Familienchronik blätterte und auf eine bemerkenswerte Information stieß: Im 18. Jahrhundert waren gleich zwei Vorfahren zu Bürgermeistern in ihren Ortschaften gewählt worden. Zwar nicht in Bad Breisig, sondern in der schlesischen Heimat der Ahnen. Dennoch: Der „Vorwärtsmacher“ könnte die Familiengeschichte am 20. September um ein Kapitel anreichern. Im Bereich der Fantasy-Romane, die er hin und wieder schmökert, liegt das nicht.