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Sinzig: Travestieduo Ham & Egg begeistert das Publikum

Gastspiel im Helenensaal Sinzig : Travestieduo Ham & Egg begeistert das Publikum

Das Travestieduo Ham & Egg traf mit einer extravaganten Show ganz den Geschmack des Sinziger Publikums. Die beiden brachten Glitzer, Glanz und Glamour in den Helenensaal.

Ohne Glitzer geht es nie, und dick auftragen tun sie auch. Kleckern statt klotzen war mal wieder angesagt bei Jörg Dilthey und Andreas Schmitz alias Ham & Egg. Aber das tut das Travestie-Duo auf sympathische Weise und so mitreißend, dass das Publikum in Sinzig von Anfang an angesteckt war.

Mit der Pracht, die Ham & Egg in den Helenensaal brachten, ließen sie die zurückhaltende Optik der „mal wieder wunderschön dekorierten Mehrzweckhalle“, wie die Künstler wiederholt mit einem Augenzwinkern anmerken, komplett vergessen. Weiterer Running Gag: Hams „Ich freu mich“. Das taten offensichtlich auch die rund 300 Zuschauer. Gelinde gesagt. Denn bei den zwei Pfundskerlen, die sich wahlweise auch als Fummeltrinen oder Onkeltanten bezeichnen, im wirklichen Leben Beamte im öffentlichen Dienst aus Niederkassel sind, tobte der Saal teilweise.

Insbesondere als einer von ihnen im Überschwang auf der Bühne die Perücke verlor oder der überdimensionale Reif im Rock in Action scheinbar außer Kontrolle so hoch hüpfte, dass er den Blick darunter und bis weit über die Taille freigab. Mancher johlte. Sprühende Laune, expressive Outfits, die angeblich einen ganzen Lkw füllten, aber auch ruhigere, geradezu melancholische Momente bescherten Ham & Egg ihrem Publikum. Die Mischung machte es mal wieder.

Glamour im Las-Vegas-Stil, Licht und Laser und aufsehenerregende Kostüme erfüllten den Helenensaal. Die Herrn zwängten sich in aufwendige Roben mit wohl Tausenden von Perlen und Pailletten, mit Riesenschultern, Federkopfschmuck und Strahlenkragen. Ein Raunen ist zuweilen schon durch Publikum gegangen, als die Scheinwerfer noch gar nicht an waren und nur die Konturen des Bühnenoutfits Spektakuläres andeuteten.

Ham schnallte sich eine Vespafront vor den Bauch und lavierte sich als Punk in Lederkluft und auf dem E-Board „am Stau vorbei“ oder verhieß in einem Kleid mit leuchtenden Monitoren und Antenne als Accessoire „Der muss zum Sender“ zu Elvis’ „Return to sender“. Zusammen kommentierten sie mit kokettierendem Augenaufschlag, falschen Wimpern, ordentlich Makeup, breitem Lächeln und kraftvollem Gesang die Programmgestaltung der Privatsender, den hohen Preis des Thermomix und die Deutsche Bahn. Und mit ihrem Hüftschwung und ihren Tänzen auf Highheels ließen sie manche Zuschauerin sicher neidisch werden.

Egg zog als Trude Herr über die Nachbarin her: „Wenn ihr Enkel so schnell auf die Welt kommt, wie die spricht, dann können sie ihn gleich in die Schule schicken“ oder stellte fest: „Die Liebe ist das Licht des Lebens und die Ehe ist die Stromrechnung.“ Keine Show ohne Musik. Speziell alte Schlager erfreuten. Nicht nur „Ich will keine Schokolade“ oder „Niemals geht man so ganz“ sondern auch Eggs „Über den Wolken“ à la Reinhard Mey oder sein Kopfwackeln zu Caterina Valentes „Tipitipitipso“ und Hams „66 Tupper hab ich im Katalog und 66 Deckel dazu im Angebot“ zu Udo Jürgens’ „Mit 66 Jahren“ oder sein „Bote von Zalando“ zu Abbas „Fernando“.

Keine Sekunde Langeweile kam auf zwischen „Aus Spaß verkleidet“ zur Melodie von „I’m so excited“ von den Pointer Sisters, das diesem zehnten abendfüllenden Programm des Duos auch seinen Namen gab, bis zum abschließenden „Adieu, Auf Wiederseh’n“ im Stil von „YMCA“ der Village People.

Das Ergebnis des rund einstündigen Schminkens vor der Show war in Minuten verschwunden bei der letzten offiziellen Nummer: „Zauberflöte“. „Am Ende ist der ganze Zauber flöten“, sagten dazu die Travestiekünstler. Aber obwohl sie am Ende in Jeans und T-Shirt da­standen, wollte das begeisterte Publikum sie immer noch nicht gehen lassen.