Günther Lawrenz mit 88 Jahren gestorben Abschied vom Bad Bodendorfer Puppenspieler und Multitalent

Bad Bodendorf · Er war ein künstlerischer Tausendsassa, in der Region war Günther Lawrenz vielen vor allem als begnadeter Puppenspieler bekannt. Ein Nachruf.

 Günther Lawrenz im August 2010 mit Heinerle, einer seiner Lieblingsfiguren.

Günther Lawrenz im August 2010 mit Heinerle, einer seiner Lieblingsfiguren.

Foto: Anton Simons

Was für ein bewegtes Leben, das seinen Abschluss in Bad Bodendorf fand. Günther Lawrenz, bekannter Puppenspieler aus der Region, wurde am 16. Mai 1935 in Hamburg geboren. Seine Mutter arbeitete als Kaltmamsell bei den Grafen von der Schulenburg, sein Vater war Glaser. Günther sang Kindersopran bei den Hamburger Sängerknaben. Mit acht Jahren begab er sich unter die Fittiche des erzgebirgischen Puppenspielers Max Jacob, der Anfang der 1920er-Jahre das Puppentheater „Die Hohnsteiner“ gegründet hatte. Mit 14 Jahren büxte Günther Lawrenz zu Hause aus und schloss sich dem Zirkus Paula Busch an, bei dem er zunächst als Requisiteur und später als Manegenclown arbeitete. Dann wechselte er zum Zirkus Sarassani. Als 17- und 18-Jähriger lernte Lawrenz bei der Tänzerin Yvonne Georgi an der Akademie für Musik und Theater in Hannover Dramaturgie, Ballett und Ausdruckstanz.

Breites Spektrum an künstlerischen Aktivitäten

Später schuf er die Akteure für „Pollys Puppenbühne“, wie er sein eigenes Puppentheater nannte. Immer wieder kreierte Lawrenz dabei Phantasiegeschöpfe, um die herum er kindgerechte Geschichten schrieb. Mit seiner fast zehn Oktaven umfassenden Stimme lockte er Kinder wie Erwachsene gleichermaßen in seine Märchen.

Dann beschloss Günther Lawrenz, die Welt kennen zu lernen. Im Rahmen eines Kulturaustauschs ging er mit seinen Puppen zunächst nach Ostdeutschland, wo er zum ersten Mal heiratete, dann nach Bali, wo er mit dem Malen begann. Mit 21 Jahren verdingte sich Günther Lawrenz auf einer Teeplantage auf Java. „Diesen Job hatte mir ein englischer Oberst angeboten, den ich am Strand getroffen hatte“, verriet Lawrenz einmal. Auf der Plantage war er dafür zuständig, den Tee abzuwiegen, den die Pflückerinnen brachten, und sie dafür zu bezahlen.

Nachdem er nach Deutschland zurückgekehrt war, begann Lawrenz, Puppentheater zu spielen – in Deutschland, aber auch in England und Frankreich. Mit 29 Jahren kehrte er zunächst in seinen Geburtsstadt Hamburg zurück, wechselte dann aber nach Düsseldorf. Dort gab er Malkurse, wurde dann Soldat beim englischen Militär, spielte abends Puppentheater und begann schließlich mit einem Malerei-Studium und lernte bei dem Grafiker und Zeichner Hannes Loos Radieren sowie Holz- und Linolschnitt. In dieser Zeit lernte Lawrenz auch seine spätere zweite Ehefrau kennen.

Erfolg auch als Buch-Illustrator

Günther Lawrenz schuf die Illustrationen für bekannte Märchen- und Kinderbücher – darunter „Till Eulenspiegel“ (Arena-Verlag 1974), „Pan Tau“ (Georg-Bitter-Verlag 1974) und „Kasperle ist wieder da“, (Herold-Verlag 1978). Drei Bücher von Günther Lawrenz, die der Eugen Diederichs-Verlag im Jahr 1974 herausbrachte, wurden wegen ihrer Illustrationen sogar ausgezeichnet: „Balu und seine Gefährten“, „Die Hexe von Patmos“ und „Das Feuerpferd“.

1989 zog Günther Lawrenz mit seiner Frau vom Niederrhein nach Bad Bodendorf – der Eifelberge und der guten Luft wegen, wie er einmal sagte. Eigentlich wollte er in seiner Wunschheimat nur noch malen. Dann aber schrieb er auch Stücke und bearbeitete Stücke anderer Autoren für Kinder. Günther Lawrenz starb jetzt kurz vor seinem 89.Geburtstag.

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