Nach Erfahrung bei der Flutkatastrophe Der Ahrpegel wird jetzt von Satelliten überwacht

Bad Bodendorf · So soll die Datenübertragung auch bei extremen Hochwassern gesichert werden. Die Ahrflut hatte mehrere Pegel mitgerissen und den Datenverkehr gestört. So will Ministerin Eder für die Zukunft Abhilfe schaffen.

Bürgermeister Andreas Geron (links) und Ministerin Katrin Eder (Mitte) lassen sich die Funktion des satellitengesteuerten Pegels von André Nuber (rechts) erklären.

Bürgermeister Andreas Geron (links) und Ministerin Katrin Eder (Mitte) lassen sich die Funktion des satellitengesteuerten Pegels von André Nuber (rechts) erklären.

Foto: ahr-foto

„Wir wollen den Wasserschutz in Rheinland-Pfalz voranbringen“, sagt Landesumweltministerin Katrin Eder (Grüne). Nicht nur das. Auch wolle die Landesregierung im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Schutz der Bevölkerung vor Hochwassergefahren verbessern, erklärte die Ministerin in Bad Bodendorf. An der Ahr informierte sie sich am Freitag über neue satellitengestützte Pegelmessgeräte. „Die Hochwasserkatastrophe hat uns vor Augen geführt, wie drastisch die Auswirkungen des Klimawandels sind. Wir werden künftig mit noch mehr Extremwetterereignissen rechnen müssen“, glaubt sie. „Auch wenn es keine absolute Sicherheit geben kann, müssen wir doch unsere Schutz- und Warnsysteme möglichst optimal ausstatten“, sichert Eder am Bad Bodendorfer Ahrufer zu, wo sich eine solche satellitengestützte Pegelmessstation befindet.

Auch die Kommunikationsnetze waren ausgefallen 

Bei der Ahrflut 2021 waren zahlreiche Pegelmessstationen ausgefallen, weil sie schlicht und einfach von den Wassermassen mitgerissen wurden. Zudem konnten während der Katastrophe Daten nicht oder nur teilweise übertragen werden, weil die Telefon- und Mobilfunknetze ausgefallen waren. „Daher führen wir eine davon unabhängige Satelliten-Kommunikation ein, die einen redundanten Weg der Datenübertragung nutzt. Die beiden Pegel Bad Bodendorf/Ahr und Odenbach/Glan wurden als Teststandorte mit alternativem Satelliten-Kommunikationsweg ausgestattet“, erläuterte Eder, die auch Klimaschutzministerin ist.

Der Pegel Bad Bodendorf wurde beim Hochwasser 2021 nicht zerstört. Die Übertragung brach aber am frühen Morgen des 15. Juli 2021 bei einem Wasserstand von rund 480 Zentimetern ab. An dieser Stelle des Flusses herrschte zum Zeitpunkt der Flutkatastrophe ein Abfluss nahezu unvorstellbaren 800 Kubikmetern pro Sekunde - was einem Hochwasserereignis entspricht, das nur alle 500 Jahre vorkommt. Durch das Abreißen der Datenverbindung konnten Daten zum Verlauf der Hochwasserwelle und vor allem des Scheitels nur teilweise übermittelt werden.

Eder unterstrich, dass sich das Ministerium die Aufgabe gestellt habe, die Ausfallsicherheit des Pegelmessnetzes zu verbessern. „Es muss eine bauliche Sicherheit der Pegel bei Extremhochwasser gegeben sein und insbesondere die Datenübertragung sichergestellt werden.“ Mit einer unabhängige Satellitenkommunikation sei dies erreicht, hofft sie. Die Flut im Jahr 2021 habe gezeigt, dass man sich bei Extremwetterlagen nicht ausschließlich auf das Mobilfunknetz verlassen könne. Die ergänzende Datenübertragung per Satellit ermögliche eine zusätzliche Bewertung der Situation. „Nach der Testphase werden wir die Vor- und Nachteile beider Systeme analysieren, bevor dann weitere Pegel schrittweise mit dieser alternativen Übertragungstechnik ausgestattet werden“, so Eder.

Der gewässerkundliche Dienst des Landes betreibt aktuell 146 Pegel an Oberflächengewässern. Hinzu kommen mehr als 2100 Grundwassermessstellen. Darin eingeschlossen sind 480 Messstellen, die im Rahmen der Umsetzung der Düngeverordnung errichtet wurden. Eder: „Die gewonnenen Daten sind elementare Grundlagendaten.“