Ministerin informiert sich in Sinzig Katrin Eder angetan von Energie-Gewinnung an der Ahr

Sinzig · Die rheinland-pfälzische Ministerin für Klimaschutz, Katrin Eder, hat sich in Sinzig über Nah- und Fernwärme nach der Flutkatastrophe im Ahrtal informiert. Dabei zeigte sie sich von den dortigen Projekten angetan.

 Früherer Termin vor Ort: Klimaschutzministerin Katrin Eder (links) besucht in Rech die dortige Nahwärme-Anlage für das Dorf.

Früherer Termin vor Ort: Klimaschutzministerin Katrin Eder (links) besucht in Rech die dortige Nahwärme-Anlage für das Dorf.

Foto: ahr-foto

Kommunale Wärmeplanung ist spätestens seit dem für alle spürbar gewordenen Klimawandel, den seit dem Ukrainekrieg entstandenen Versorgungslücken und den dramatischen Verteuerungen der Energiepreise ein zunehmend wichtiges Thema – insbesondere im nach der Flutkatastrophe zerstörten Ahrtal, wo Weichen für einen Wiederaufbau gestellt werden.

In Sinzig hatten die Grünen des Kreises Ahrweiler daher einen ganzen Abend diesem nicht nur für Branchenvertreter aus der Welt der Wärmetechnik interessanten Abend eingeladen. Gekommen war auch Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität. „Wärmekümmerer“ aus Marienthal und Rech berichteten in der Sinziger Mensa, wie in den jeweiligen Orten Wärmenetze entstanden sind, die Ahrtal-Werke aus Bad Neuenahr erklärten die Funktionsweise ihres Fernwärmenetzes. Im Kreis Ahrweiler sind bereits unterschiedliche Nahwärme-Netze realisiert: Im kleinen Marienthal gibt es eine aus Pellets und Solarenergie gemixte Netzeinspeisung, in Rech wird Erdwärme über ein Solegemisch in ein Ringleitungsnetz zu den einzelnen Hausanschlüssen transportiert. Von den bislang an der Ahr umgesetzten Aktivitäten zeigte sich Ministerin Eder angetan. „Wir brauchen die Wende, um unsere Klimaziele zu erreichen“, machte sie deutlich.

Nach wie vor stehen fossile Energieträger in der Wärmeversorgung nahezu unangefochten an der Spitze. Die Nutzung von Erneuerbaren Energiequellen ist jedoch auf dem Vormarsch: Aktuell liegt die Quote in der Wärmeversorgung bei etwa 18 Prozent. „Wir müssen weg von den fossilen Energieträgern“, sagte Eder, die auf zahlreiche Fördermöglichkeiten aufmerksam machte, die eine klimafreundlichere Wärmeversorgung unterstützen würden.

Zwar sei man inzwischen auf einem guten Weg, jedoch habe es Holprigkeiten gegeben, da es zu missverständlichen Darstellungen, zu daraus resultierenden Sorgen und Ängsten gekommen sei. „Keiner ist gezwungen, seine Heizung aus dem Keller zu reißen“, betonte die Grünen-Politikern angesichts dessen.

36 Kilometer langes Fernwärmenetz

Autarke Energieversorgungen mit passgenauen Konzepten seien in Rheinland-Pfalz an vielen Orten im Aufwind. „Gute Ideen nehmen Fahrt auf“, sagte die Ministerin. In Bad Neuenahr-Ahrweiler beispielsweise die Fernwärme, die von Ahrtal-Werke-Chef Dominik Neswadba vorgestellt wurde. 36 Kilometer lang ist derzeit das inzwischen aufgebaute Netz, in der eine Absatzmenge von 40 Millionen Kilowattstunden als Alternative zur klassischen Öl- oder Gasheizung in die Haushalte strömt.

Fernwärme lässt sich aus verschiedenen Brennstoffen und Wärmequellen erzeugen. Neswadba: „Die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme stellt eine sehr effiziente Form der Energieumwandlung dar, da nur wenig Primärenergie verschwendet wird. Außerdem arbeiten unsere Kraftwerke mit hohem Wirkungsgrad und sind gasbetrieben, sodass bei der Verbrennung kaum Feinstaub, CO2, Schwefeldioxid oder Stickstoffoxid emittiert werden.“

Rolf Schmitt vom Verein Hochwasserhilfe Marienthal berichtete vom dortigen Dorfwärmenetz, das nahezu alle Gebäude im zwischen Walporzheim und Dernau gelegenen Mini-Ort (lediglich ungefähr 100 Einwohner) versorgt. 34 der 37 Marienthaler Häuser waren bei der Flutwelle bis unter die Decke mit Wasser vollgelaufen. Alle Heizungen waren zerstört. Rolf Schmitt: „Wir haben sehr schnell mit einer für die Menschen bezahlbaren Wärmeplanung für unser Dorf begonnen.“ Entstanden ist ein von Solartechnik unterstütztes Pellet-Heizkraftwerk für das gesamte Dorf. Glasfaseranschlüsse hat man gleich mit ins Erdreich verlegt.

In Rech nutzt man die „kalte Nahwärme“. Was paradox klingt, ist in der Realität ein effektvolles Heizsystem, das in einer Tiefe von etwa 150 Metern über Erdsonden die Geothermie nutzt. Die gewonnene Erdwärme wird von Sole-Wasser-Wärmepumpen in den angeschlossenen Häusern weiter aufgeheizt, sodass die Wärme für Heizung und warmes Wasser genutzt werden kann.

Niki Kozisek stellte das Recher-Wärmeprojekt in Sinzig vor: „Da alle Heizungen im Ort zerstört waren, wollten wir alles auf völlig neue Füße stellen.“ Bis 2035 will man in Rech das ganze Dorf an das Netz anschließen. Aktuell sind es etwa ein Viertel der 225 Häuser. Kozisek: „Wir mussten viel Überzeugungsarbeit leisten. Aber es hat sich jetzt schon gelohnt.“

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