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Sinziger Denkmalverein: Die vielen Facetten von Maria Laach

Sinziger Denkmalverein : Die vielen Facetten von Maria Laach

Stifter war Pfalzgraf Heinrich II. zu Laach, der mit seiner Gemahlin Adelheid von Weimar-Orlamünde 1093 die Abtei am See gründete. Der Sinziger Denkmalverein hat bei einer Exkursion viel Spannendes über die Abtei Maria Laach erfahren.

Von Süden her hatten viele Teilnehmer die sechstürmige Basilika aus Eifeler Tuff und Basaltlava noch nie gesehen. Im Westen bewunderten sie am Paradies (Vorhalle) feingliedrige Figuren und Fabelwesen der Kapitelle. Nur zwei der eindrucksvollen Ansichten, welche die Exkursion des Sinziger Denkmalfördervereins mit dem Ziel Maria Laach bot. Dass dazu Blicke hinter die Mauern des Benediktinerklosters, in die Krypta der Nikolauskirche mit Mönchsfriedhof und die Johanniskapelle vielfältigen Erkenntnisgewinn brachten, lag an Vulkanparkführer Walter Müller, der dem Verein schon zum dritten Mal kundig die Schätze der Heimat aufschloss.

Der Weg zur Basilika führte vorbei am barocken Gartenpavillon mit seiner reich gestalteten Schaufront. Im 19. Jahrhundert betrieb darin der Besitzer des von Kolbschen Hauses in Wassenach die gut gehende Gastwirtschaft „Zum Laacher Hecht“.

Stifter Pfalzgraf Heinrich II. zu Laach, der mit Gemahlin Adelheid von Weimar-Orlamünde 1093 die Abtei am See gründete und gleich mit dem Kirchenbau begann, hat in diesem hervorragenden Zeugnis deutscher romanischer Baukunst die letzte Ruhe gefunden. Sein Hochgrab im Westchor mit prachtvoller Gründerfigur aus Holz war anfangs von dem Steinbaldachin bekrönt, der heute den Altar überwölbt.

Die Fenster dahinter stifteten Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bundespräsident Theodor Heuß und Peter Altmeier, Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Auch Abt Ildefons Herwegen ist in der Kirche begraben.

600 Jahre alte Fresken

Aus dem 15. Jahrhundert stammen die Pfeilerfresken des Ordensstifters Benedikt, Nikolaus (Mitpatron der Kirche) und Christophorus. Die Hallenkrypta mit dem Mosaikbildnis und Grab Gilberts, erster Abt des Klosters ab etwa 1127, ist der älteste Teil des Gebäudes. Müller teilte mit, dass die Krypta auch in die Geschichte der Liturgischen Erneuerung einging: Erstmals in Deutschland wurde dort 1913 die Gemeinschaftsmesse, welche die Gläubigen stärker einbezog, gefeiert. Durch die Klausur gelangten die Besucher in die holzvertäfelte und im Jugendstil Beuroner Prägung ausgemalte Sakristei.

Viele Bau- und Umbauphasen erlebte die imposante Kirche. 1930 hat man Gothisierungen und Barockisierungen rückgängig gemacht und das zweistöckige Paradies um eine Etage heruntergezogen. Nach Aufhebung des Klosters durch die Säkularisation 1802 verfügten die Franzosen über die Kircheneinrichtung. 1815 ging die Abtei an Preußen, wurde dann Privateigentum, 1863 erwarben sie die Jesuiten und errichteten dort ihre Hochschule mit Bibliothek, bis 1892 Benediktinermönche das Kloster wiederbesiedelten und die Basilika komplett neu ausstatteten.

Jesuiten nahmen Bücher mit

Die Jesuiten, 1872 aus dem Deutschen Reich ausgewiesen, nahmen Ihre Bücher mit. Ihre Bibliothek von 1865 mit der großartigen gusseisernen Treppen- und Brüstungskonstruktion nutzten die Benediktiner weiter und füllten den Bestand auf. Nicht sattsehen konnten sich die Denkmalfreunde an diesem kunsthistorischen Kleinod. Laut der Landesdenkmalpflege gehört die Jesuitenbibliothek „zu den kulturgeschichtlich und denkmalpflegerisch bemerkenswertesten und besterhaltenen Bibliotheksbauten des 19. Jahrhunderts in der Nachfolge der großen barocken Klosterbibliotheken“. Von außen sah man auch den 2013 zum neuen Bibliotheksmagazin umgebauten Jesuitenkuhstall.

Mit einem ganz anderen Akzent ging für die Gruppe ein spannender Ausflug zu Ende: Bruder Stephan Oppermann führte engagiert und kenntnisreich in der ehemaligen Klosterschreinerei durch die Sonderausstellung „Asche oder Feuer“, die Entwicklungsabschnitte des Bauhauses anhand von Originalen und Repliken dokumentiert. Im Schwerpunkt sah man Keramiken aus der Hand von Nachfolgern und Nachfahren der beiden Bauhaus-Keramiker Theodor Bogler und Otto Lindig. Bruder Stephan stellte auch Exponate der Keramikmanufaktur Maria Laach vor, darunter eigene Arbeiten.