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Nach den Sommerferien: So läuft der Schulstart im Kreis Ahrweiler ab

Nach den Sommerferien : So läuft der Schulstart im Kreis Ahrweiler ab

Die Schulen im Kreis Ahrweiler bereiten sich auf die Zeit nach den Sommerferien vor. Klar ist: Ein Zurück in einen normalen Schulalltag wird es 2020/2021 nicht geben.

Ade Freiheit oder ade Langeweile, je nachdem: Ging es früher nach den Ferien wieder in den Unterricht, waren die Schülermeinungen geteilt. Nun sorgen der Corona-Lockdown und im Anschluss eingeschränkter Präsenz-Unterricht dafür, dass überall vermehrt Schüler, Eltern und Lehrer das neue Schuljahr fast herbeisehnen.

Doch ein Zurück in einen normalen Schulalltag wird es 2020/2021 nicht geben. Ziel der Bildungsminister ist, dass die Schule nach den Sommerferien für alle Schüler wieder regulär startet. Regulär meint aber nicht wie vor der Corona-Krise. Der Unterricht wird unter besonderen Hygiene- und Schutzmaßnahmen stattfinden.

In Rheinland-Pfalz, wo das Schuljahr am 17. August beginnt, greift dann der Hygieneplan Corona. Diesen haben das Gesundheitsministerium und die Uni Mainz erarbeitet.

Wie aber werden die Schulen konkret verfahren? Eine Umfrage des GA im Kreis Ahrweiler zeigt, dass dies keineswegs klar ist. Viele sind aber auch einfach nicht zu erreichen, oder „haben keine Zeit“.

Abgehoben wird in der Sinziger Janusz-Korczak-Schule und in der Hellenbachschule Westum. Aussagen zur aktuellen Situation gibt es nicht. Andere Schulleiter wissen nicht, auf welches der drei vom Land entwickelten Szenarien für verschiedene Infektionslagen sie sich vorbereiten sollen: Stufe 1, Regelbetrieb ohne Abstand und Maske in den Unterrichtsräumen (wohl aber auf Fluren und Schulhof), Stufe 2, eingeschränkter Regelbetrieb mit Abstandsgebot oder drittens, temporäre Schulschließungen mit Fernunterricht.

Mancherorts ist man bemüht, sich sowohl auf Stufe 1 als auch 2 und 3 vorzubereiten, um in jedem Fall startklar zu sein. „Die drei Szenarien decken dabei jede Möglichkeit ab, die in den kommenden Wochen und Monaten auf uns zukommen kann“, erklärt Marco Müller aus der Leitung des Bad Neuenahrer Are-Gymnasiums. Zwar gehe die Schule von Szenario eins aus: „Da sich das Infektionsgeschehen sehr dynamisch entwickelt, haben wir uns jedoch auch auf die beiden anderen Szenarien vorbereitet, Teilschließung und vollständige Schließung.“ Als wesentliche Herausforderung für den Regelbetrieb nennt Müller, „die Konzeption eines schulspezifischen Hygieneplans sowie eines damit zusammenhängenden pädagogisch-organisatorischen Konzepts.“

So wird es am Are-Gymnasium ein Einbahnstraßensystem, versetzte Pausenzeiten und unterschiedliche Pausenbereiche geben, um die Kontakte außerhalb der Klassen auf ein Minimum zu reduzieren. Alle Klassenräume werden regelmäßig oder durchgängig gelüftet. Es findet kein Sportunterricht in den Hallen statt. Im Musikunterricht ist gemeinsamer Gesang tabu, Blasinstrumente dito.

Im Fall von Szenario zwei oder drei, die teilweise bis komplett digitalen Unterricht erfordern, „können wir“, so Müller, „glücklicherweise bereits auf die Erfahrungen der vergangenen Monate zurückgreifen.“ Ein täglicher Newsletter informiere Eltern, Schüler und Kollegium. „Wir verfügen über einen eigenen Cloud-Speicher, von dem die Schüler sämtliche durch das Kollegium bereitgestellte Materialien abrufen können“, erläutert Müller. Lehrer und Schüler kommunizierten telefonisch oder per Messenger-Software. „Ein anderer Kommunikationskanal ist die Videokonferenz, die in der Zeit der teilweisen Schulschließung ebenfalls erfolgreich erprobt wurde“, so Müller.

Nur das immer noch ausstehende definitive „Go“ des Ministeriums für eines der Szenarien bestimmt eindeutig die Vorgabe zur Ausgestaltung der Schulpraxis. Davon hängen nicht nur Stundenpläne, Raumverteilung und Raumbestückung mit Sitzplätzen ab. Und da jede Schule andere Voraussetzungen mitbringt, vollziehen sich die Planungen fürs kommende Schuljahr nicht überall so reibungslos wie im Are-Gymnasium.

Von einer Schulleitung, die nicht genannt werden will, heißt es: „Wir sind ratlos, weil wir immer noch nicht wissen, wie das Land entscheidet.“ In dieser Schule lassen sich etwa mit den vorhandenen Möglichkeiten nicht ausreichend Sitzgelegenheiten auf Abstand stellen.

Für eine höhere Anzahl kleiner Lerngruppen wären andererseits weder genug Räume noch Lehrkräfte vorhanden. Nur ein Beispiel für unzählige Anforderungen in der Praxis. Könnten sich die Verantwortlichen früh darauf einrichten, wären maßgeschneiderte Lösungen wahrscheinlicher als bei der bis zuletzt hinausgezögerten Entscheidung des Ministeriums.

Claudia Mercer, Leiterin der Bad Bodendorfer Grundschule, spricht für ihre Kollegen, wenn sie sagt: „Wir scharren alle mit den Hufen, haben wahnsinnig viele Fragen und keine Antworten.“ Mercer macht deutlich: „Wir sind als Schulen nachvollziehbar dem Druck der Eltern ausgesetzt, die auch nicht wissen, wie es in der nächsten Woche weitergeht.“ Was die Zukunft der betreuenden Grundschule angeht, so ist diese ebenfalls ungewiss. Gedanken macht sich die Rektorin zudem über die Erstklässler, auf die neben allem Neuen erstmals das Maskentragen zukommt und über Kinder, die aus Risikoreiseländern kommen werden. Mercer ist froh über die Zusage finanzieller Unterstützung zur digitalen Ausstattung von Schülern, räumt jedoch ein: „Was wir noch mehr bräuchten, ist personelle Unterstützung.“

Damit spricht sie einen der Missstände an, die schon vor Corona für erschwerte Lernbedingungen verantwortlich waren. Weniger Schüler in lernförderlichen Räumen, intelligente Lüftungssysteme, zeitgemäße Technikausstattung, mehr Lehrkräfte und Fördermaßnahmen verlangt der Arbeitskreis Bildungsgewerkschaften angesichts des neuen Schuljahrs. Als sich kurz vor Ferienbeginn abzeichnete, dass das Bildungsministerium den Regelbetrieb präferiert, was entsprechende Personalplanungen in Gang setzt, forderte zudem Timo Lichtenthäler, seit 2018 Leiter der Boeselager-Realschule in Ahrweiler, als Landesvorsitzender des Verbandes Reale Bildung (VRB) Alternativplanungen mit Schulen und Schulträgern nach den bisherigen Erfahrungen.

Der VRB beklagt fehlende digitale Ausstattung, unzeitgemäße Schulbaurichtlinien, hohe Klassenmesszahlen sowie starre Arbeitsbedingungen. Er fordert außerdem die Übernahme der ausgebildeten Lehrkräfte. „Wir brauchen gerade jetzt jeden Kollegen“, mahnt Lichtenthäler.

Claudia Mercer würde zustimmen. „Wir müssen noch Lehrer für Stunden in die Nachbarschaft abordern“, skizziert sie ein weiteres Problem ihrer Grundschule:. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll.“