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Weinfest „Aufbruch statt Abbruch“: So war das erste Weinfest in Altenahr nach der Flut

Weinfest „Aufbruch statt Abbruch“ : So war das erste Weinfest in Altenahr nach der Flut

Am Samstag kamen knapp 800 Besucher zum Weinfest „Aufbruch statt Abriss“ nach Altenahr. In normalen Zeiten finden an den Herbstwochenenden unzählige Weinfeste im Ahrtal statt. In Altenahr feierten vorwiegend Einheimische und Helfer, doch Touristen sind erwünscht.

Dass man für ein gelungenes Fest nicht mehr braucht als zahlreiche feierfreudige Menschen, eine Band, die ordentlich einheizt, und einen guten Wein und Burger – das zeigte das erste Altenahrer Weinfest 2021 eindrücklich.

So kamen am Samstagnachmittag Hunderte Anwohner, Touristen und Ahrhelfer auf dem Grundstück des Weinguts Sermann in Altenahr zusammen. Überall waren noch die Spuren der Flut zu sehen: Die Gäste standen auf staubigem Boden, die Bagger parkten rechts und links und ein großes Brachfeld war mit Sperrbändern abgesperrt. Und auch der Blick in das Weingut beim Ausschank zeigte, dass hier das Wasser ordentlich gewütet hatte. Doch das alles hielt die Besucher nicht davon ab, bereitwillig die 20 Euro Eintritt und den gleichen Preis – als Einheitspreis – für eine Flasche Wein zu bezahlen, die von den drei teilnehmenden Weingütern angeboten wurden.

Initiator ist der Winzer Lukas Sermann

Geladen hatten zu dem Weinfest der besonderen Art nicht nur das Weingut Sermann, sondern auch „and friends“ – in diesem Fall die Weingüter Meyer Näkel und das Weingut Burggarten. Bei letzterem ist Stella Bünnagel angestellt, die den ganzen Tag freiwillig Gläser und Weinflaschen an die vielen Besucher ausgibt. Das Fest sieht sie als gute Option, wieder Touristen ins Ahrtal zu locken, auch wenn sie beim Blick in die feiernde Menge feststellen muss: „Noch bleibt man unter sich.“ Aber gerade der Herbst wäre in normalen Jahren natürlich eine Hochzeit für den Weinverkauf und die Einnahmen durch Besucher im Ahrtal. „Mittlerweile würden wir uns wieder sehr über Touristen hier freuen“, so Bünnagel.

Dass dieses Fest mit Bühne, Bands, Online-Ticketverkauf und Kinderecke überhaupt stattfinden konnte, ist dem Initiator, dem jungen Winzer Lukas Sermann, zu verdanken. Ein Besucher, der gebürtige Altenahrer Kai Kreuzberg, sagt über seinen Kumpel Sermann aus dem Junggesellen-Verein: „Seit zwei Jahren haben wir mit Corona und jetzt mit der Flut im Verein nicht richtig was auf die Reihe bekommen. Und da kommt der Lukas und organisiert einfach so ein Fest.“

Einheimischen wird der Eintritt erlassen

Kreuzberg steht gemeinsam mit seiner Freundin und einem Bekannten rund um eine große Plastikkiste, die als improvisierter Stehtisch dient. Den drei bedeutet die neue „Solidahrität“ viel. Kreuzberg und seine Freundin haben sich sogar ein Symbol dafür auf den Unterarm tätowieren lassen. Vor acht Wochen noch habe er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr versucht, auf diesem Grundstück einen großen Baum zu fällen. Nun steht er hier und teilt sich mit den Freunden eine Flasche Grauburgunder. Über die letzten Wochen sagt er: „Es ist ein Geben und Nehmen. Diese ganze Katastrophe hat die Perspektive auf das Leben geändert. Wir sind alle näher zusammen gerutscht.“

Das zeigt auch der Blick in die Menge. Knapp 800 Menschen stehen dicht an dicht. Den Einheimischen aus Altenahr, Altenburg und Kreuzberg wurde sogar der Eintritt erlassen. Eine Idee von Lukas Sermann selbst, dem es wichtig war, möglichst viele Menschen auf dem Fest zu versammeln. Auf der Bühne begrüßt er die Gäste mit den Worten „Wir leben in der Zukunft und nicht in der Vergangenheit“. Und es sind dieser Spirit, dieser Zusammenhalt und diese „Solidahrität“, die das Fest zu einem ganz besonderen machen.