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Mehr als 300 Zuschauer in Rheinhalle: So war das Kabarett mit Andy Ost in Remagen

Mehr als 300 Zuschauer in Rheinhalle : So war das Kabarett mit Andy Ost in Remagen

330 Zuschauer erleben in der Remagener Rheinhalle den Komiker, Sänger und Songschreiber Andy Ost. Treffer landet er, wenn er den Songs von Musikstars seinen eigenen Dreh verpasst.

„Ich möchte Euch ohne Umwege entführen in meine Welt von Comedy und Musik“, tritt er strahlend vors Publikum, als er nach einigem Vorhanggeschiebe auf die Bühne findet. Seine knappe Vorstellung: „Andy Ost“. Bald ist klar, das muss ein ganz Lieber sein. Schließlich verschont er die rund 330 Gäste in der Rheinhalle vor einer Unzahl persönlicher Angaben, „Telefon, mobil, privat, beherrschte Fremdsprachen, Musik Präferenzen“ und einem Rattenschwanz weiterer im Affenzahn heruntergebeteter Daten.

„Hab ich auswendig gelernt.“ So hört es sich an. Dann aber startet der Komiker, Sänger und Songschreiber heiter durch, beschert Pointen-Comedy in Allianz mit Musikparodien und eigenen Songs. Nach der Erkenntnis „Humor holt einen ins Hier und Jetzt“ plaudert der gebürtige Hanauer als Appetizer über die Großeltern. Der Wilfried werde nicht am Mittwoch, sondern erst am Freitag beerdigt, sagt Oma, worauf Opa meint, „schön, dass es ihm wieder besser geht“. Vermutlich ist es derselbe Großvater, der zur Hebung der Familienstimmung aus dem Viagra-Beipackzettel vorträgt. Scherzbold Ost droht, nun habe man sich das Niveau erarbeitet, auf dem es weitergehe.

Stattdessen richtet er den Blick auf ein interessanteres Familienmitglied: Tante Erika, ehemalige Gewichtheberin im Kader für die Olympischen Spiele. „Wenn die in den Zoo ging, dann stellte sich der Tiger tot.“ Sie nimmt ihn mit zu ihren Selbstfindungs-Workshops etwa „Blähungen als Botschaft“ – obwohl, das war nur ein Schnupperkurs – zu „Rehrückenschule nach Petri Heil“ und zum „Veganer-Fasten“.

Wie gut, dass Herbert Grönemeyer einen Hit über eine Veganerin landete. Der passt Ost jetzt wunderbar in den Kram, also in sein Programm „Kunstpark Ost“. Zugleich zeigt sich seine größte Begabung. Die Leute schütteln sich vor Lachen, als er röhrt, „sie macht Musik nur, wenn sie Kraut isst“. Wenn er singt, schnappt Ost sich dazu die Gitarre, setzt sich gelegentlich auch ans Piano.

Schon früh griff er in die Saiten und haute auf die Tasten. Mit elf gründete er bereits seine erste Band. Im Sommer 2014 reiste er nach Los Angeles, um sein erstes, in der Folge zehnfach ausgezeichnetes Soloalbum „Bock auf Leben“ aufzunehmen. In Remagen lässt er sich von Thomas Dill an der Gitarre und Stefan Seitz am Klavier unterstützen. Osts eigene Lieder, als nachdenkliche Elemente eingestreut, schwelgen in Pathos und Gefühl. Seine Verbal-Comedy kommt wortgewandt daher, gerät aber trotz Schnellsprechens zuweilen langatmig. Dann kommen die Klischee bedienenden Geschichten über Selbstoptimierung, Paarbeziehung, die Freuden und Leiden der Elternschaft nicht von der Stelle.

Überraschend und genial witzig jedoch landet Ost seine Treffer, wenn er den Songs von Musikstars seinen eigenen Dreh verpasst. Bonnie Tylers „Total Eclipse of the Heart“, tauscht er durch „ich, total in Gips, das war hart“ aus, denn der werdende Vater war im Kreißsaal kollabiert.

Vorher durfte ein bemitleidenswerter Udo Lindenberg schon im Jammerton über die Enthaarung seiner Beine nuscheln: „Ist das Wachs erst ab, brennt’s weiter, dieser Schmerz geht so tief rein, ich verlier mein linkes Bein“.

Auch das „Medley großer Kinderlieder“ zeigte Größe. Ost, alias Grönemeyer, tadelt: „Wir haben grad erst Februar und alle Vögel sind schon da“. Peter Maffay, interpretiert „Ein Männlein steht im Walde“, gefolgt von Marius Müller-Westernhagen und seiner Neufassung von „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Der appelliert: „Fuchs, Du willst die Gans doch wohl nicht essen, lass sie leben, lass sie leben“. Das Publikum fühlte sich insgesamt gut unterhalten und spendete herzlichen Applaus.