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Studie zum KZ-Außenlager Rebstock: „Tragfähiges Fundament“ fürs Gedenken

Studie zum KZ-Außenlager Rebstock : „Tragfähiges Fundament“ fürs Gedenken

Die rheinland-pfälzische Landeszentrale für politische Bildung hat eine Studie über das KZ-Außenlager Rebstock vorgestellt. Die Nationalsozialisten beuteten dort Zwangsarbeiter aus. Die Erinnerungsstätte kann nun auf den neuesten Stand gebracht werden.

Ja, das Lager Rebstock, das es gegen Kriegsende in Dernau und Marienthal gab, war ein Konzentrationslager (KZ). Genau genommen waren es sogar zwei, ein Außenlager des KZ Buchenwald und eines des im besetzten französischen Elsass gelegenen KZ Natzweiler. Das macht Prof. Manfred Grieger deutlich, der im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung die Studie „‘Rebstock‘ und ‚Rebstock (Stephan)‘ – zwei Außenlager im Konzentrationslager-System bei Marienthal und Dernau, August bis Dezember 1944“ verfasste.  Anders als in der Zentrale in Buchenwald ging es in den Außenlagern im Ahrtal aber nicht in erster Linie darum, Menschen zu töten, sondern darum, sie zur Arbeit für die Rüstungsindustrie, zu Löt- und Montagearbeiten etwa, zu zwingen.

Trotzdem gab es unter den Rebstock-Insassen Tote – nachweislich fünf. Am 17. Januar 1944 starb in Brück, wo ein Teil der Zwangsarbeiter untergebracht war, der Italiener Emilio De Bianchi an Entkräftung. Und drei Buchenwald-Häftlinge starben wegen der miserablen Umstände, unter denen die Zwangsarbeiter untergebracht waren und unter denen sie arbeiten mussten: der Pole Mieczeslaw Slonski und die Franzosen André Steibel und Louis Sailer. Sie starben, weil sie kurz vor ihrem absehbaren Tod ins KZ Buchenwald zurück transportiert worden waren, nicht im, sondern am Lager. Zudem wurde Roberto Girard, ebenfalls Franzose, von der Gestapo Koblenz in Ehrenbreitstein ermordet, nachdem er von der Lager-SS im Ahrtal am 25. Oktober 1944 der Sabotage beschuldigt worden war.

1500 Menschen in umfunktionierten Eisenbahntunneln gequält

Mit der Studie zum Lager Rebstock in Marienthal und zum nur vom 1. bis 21. September 1944 existierenden Lager Rebstock (Stephan) in Dernau, deren Ergebnisse am Donnerstag vorgestellt wurden, ist der Landeszentrale ein Coup gelungen. Denn aus den Statements, die zwei Heimatforscher unmittelbar vor der Vorstellung der Studie an die anwesenden Medienvertreter verteilten, geht hervor: Beide sehen sich durch die Ergebnisse der Studie im Wesentlichen bestätigt – sowohl Gückelhorn, Autor einer Vielzahl von Veröffentlichungen zur Militärgeschichte der Region, einer Informationsbroschüre der Landeszentrale zum Lager Rebstock und der Texte auf den Informationstafeln, die auf dem ehemaligen Lagergelände oberhalb von Marienthal aufgestellt wurden als auch Bertram, der die Ergebnisse von Gückelhorns Forschungen, aber auch die Qualität der Arbeit von Bürgerverein und Landeszentrale nach der Eröffnung der Erinnerungsstätte in Marienthal im Herbst 2017 mehrfach und massiv öffentlich in Zweifel zog.

Deutlich wurde am Donnerstag aber auch: Die zweieinhalbjährige Recherchearbeit, die Bertram mit seiner Kritik auslöste, kostete den Steuerzahler „einen mittleren fünfstelligen Betrag“. Und die “von viel unnötigem Lärm flankierte Schlacht um die Deutungshoheit” und der “chaotische Aushandlungsprozess”, wie der evangelische Pfarrer Thomas Rheindorf, Vorsitzender des Synagogenvereins, und Uwe Bader, Leiter des Referats Gedenkarbeit der Landeszentrale, es formulierten, hätten der Sache massiv geschadet, um die es dem Bürgerverein Synagoge Ahrweiler als Träger der Erinnerungsstätte, der Landeszentrale und der Initiativgruppe um Wolfgang Gückelhorn gegangen sei: der Erinnerung und dem Gedenken an die insgesamt etwa 1500 Menschen aus acht Nationen, die in den umfunktionierten Eisenbahntunneln gequält wurden und schuften mussten. Zudem ging es ihnen um die Aufklärung darüber, wie Militär, SS und Konzentrationslager zusammen mit Rüstungsbetrieben wie Gollnow & Sohn und regionalen Bauunternehmen wie der Dernauer Firma Fix das System der Kriegswaffenproduktion im Dritten Reich organisierten sowie darum, Motive und Handeln der einzelnen Akteure verständlich zu machen.

Die Verantwortlichen hätte mit der Studie “ein tragfähiges Fundament unter die Füße bekommen”, das dabei helfe, Details der Erinnerungsstätte zu korrigieren und zu aktualisieren und die Ausstellung – etwa mit Hilfe von QR-Codes – zeitgemäß umzugestalten. Das sagte Bernhard Kukatzki, Leiter der Landeszentrale, der den Aktiven vor Ort zudem Unterstützung in inhaltlicher, gedenkstättenpädagogischer und in finanzieller Hinsicht zusicherte.

Die nahezu 200 Seiten starke Studie von Manfred Grieger ist kostenlos bei der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für politische Bildung erhältlich.