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Bahn und Bus in Oberwinter: Umsteigen geht nur im Eiltempo

Bahn und Bus in Oberwinter : Umsteigen geht nur im Eiltempo

Die Initiative Bahnhof Oberwinter fordert bis zum Ende der Bauarbeiten am Bahnhof die Verlegung der dortigen Bushaltestelle. Umsteigen sei sonst nur im Eiltempo möglich.

Die 19-jährige Sarah aus Oedingen macht ihre Ausbildung in Bad Bodendorf. Morgens nimmt sie den Bus der Linie 841 von Oedingen und fährt bis Remagen, wo sie in die Ahrtalbahn umsteigt und in wenigen Minuten am Ziel ist. Die Rückfahrt gestaltet sich für sie weit weniger angenehm. Denn dann muss die Auszubildende am Bahnhof Oberwinter in den Bus wechseln, was sich wegen der derzeitigen Baustellensituation durchaus als sportlich erweist.

Sahrah hat nämlich – einen pünktlichen Halt der Ahrtalbahn vorausgesetzt – nur drei Minuten Zeit, vom derzeitigen Ausgang des Bahnhofs am Hahnsberg die 320 Meter zur Bushaltestelle am ehemaligen Empfangsgebäude an der Hauptstraße zurückzulegen.

Wie der jungen Frau aus Oedingen geht es derzeit etlichen Reisenden in Oberwinter, seit die Personenunterführung im Bahnhof baubedingt geschlossen wurde. Weil der Bahnsteig an Gleis 2 Richtung Bonn/Köln gerade abgerissen und neu errichtet wird, halten alle Züge nur auf Gleis 1 an der Bergseite. Von dort aus kann man die Hauptstraße und die dortige Bushaltestelle entweder durch die nördliche oder durch die südliche Fußgängerunterführung erreichen.

Beides ist mit Laufwegen von ungefähr 400 Metern (Norden) res­pektive 320 Metern (Süden) verbunden. Um diese Wege zu verkürzen und ein schnelleres Umsteigen von der Bahn in den Bus und umgekehrt zu ermöglichen, hat sich Philipp Rosenthal von der Initiative Bahnhof Oberwinter an die Verantwortlichen des Betriebsmanagements der DB Regio Bus Rhein-Mosel GmbH und an den SPNV-Nord gewandt.

Dies um die Bereitschaft zu ermitteln, die Bushaltestelle bis zum Ende der Bauarbeiten am Bahnhof um 160 Meter Richtung Süden zu verlegen. Sein Argument: „Der jetzige Haltepunkt ist bei den kurzen Übergangszeiten für viele Fahrgäste kaum und erst recht nicht für gehbehinderte Menschen mehr vor Abfahrt der Busse zu erreichen.“

Die ÖPNV-Verantwortlichen befürworteten diesen Vorschlag einstimmig und wollten ihn zum 30. November verwirklichen. Doch die Stadt Remagen schiebt dieser Idee einen Riegel vor. Zuständig ist bei der Stadt das Ordnungsamt für die verkehrsrechtliche Anordnung der Maßnahme. Eine Mitarbeiterin des Amtes erklärte der Bahnhofs-Ini­tiative, dass „Bedenken hinsichtlich der Notwendigkeit und Umsetzung bestehen“. Die Bushaltestelle bleibe daher bis auf Weiteres an ihrem jetzigen Standort.

 Gründungsmitglied appelliert an „guten Willen“

Nachdem sich Ingo Konrads, der Sprecher der Initiative Bahnhof Oberwinter, daraufhin an das Büro von Bürgermeister Björn Ingendahl gewandt hatte, begründete das Ordnungsamt seine Entscheidung genauer: Zum einen „würden weitere Parkflächen entfallen und der Seitenstreifen, der aktuell noch als Baulager genutzt wird, müsse freigeräumt und entsprechend befestigt werden.“ Zum anderen würde der an der Südunterführung bereits errichtete aber noch nicht benutzbare Treppenzugang zu Gleis 2 „frühestens im Februar 2021 in Betrieb genommen.“

Auch die Taktung der Busse und Züge hätte man sich angeschaut. Die Umsteigezeiten seien ausreichend bemessen. Außerdem sei der Weg vom Ausgang des Bahnhofs über die Nordunterführung zur aktuellen Bushaltestelle näher. Das ärgert Robert Schittko, Gründungsmitglied der Initiative. „Hier wird wieder einmal deutlich, dass Entscheidungen von Leuten getroffen werden, die unseren Bahnhof – wenn überhaupt – nur selten nutzen.

Auf dem besagten Seitenstreifen stehen mehrere Paletten Baumaterial, die man binnen kurzer Zeit umräumen könnte. Mit etwas gutem Willen ist das kein Problem.“ Der Verweis auf den Treppenzugang sei auch nicht stichhaltig: Nach Kenntnis der Initiative werde dieser Zugang zu Gleis 2 wegen der schnell voranschreitenden Bauarbeiten wahrscheinlich noch in diesem Jahr in Betrieb genommen und dort viele Monate bis zur Fertigstellung der gesamten Baumaßnahme bleiben.

„Genau deshalb wollen wir die temporäre Bushaltestelle ja neben der Treppe sehen, wo sich alsbald der meiste Publikumsverkehr abspielt“, so Schittko.

„Kundenfreundlich ist die Entscheidung nicht“, findet Ingo Konrads. Und: „Wenn im Winter unsere Fahrgäste wegen der üblichen witterungsbedingten Verspätungen beim Umsteigen nur noch die Rücklichter der Busse sehen, müssen sie eine ganze Stunde in der Kälte auf den nächsten Bus warten.“