Ahrsteig extrem Von 19 Wanderern kommen neun in Sinzig an

KREIS AHRWEILER · Unter normalen Umständen hat der Ahrsteig von Blankenheim bis Sinzig sieben Etappen. Aber was ist für die 19 Extrem-Wanderer, davon sechs Frauen, die sich am Samstag um 10 Uhr an der Ahrquelle auf den Weg machten, um "in einem Rutsch" bis zum Zielpunkt "Sinziger Schloss" zu laufen, schon normal?

 Eine Frau, acht Männer - kaputt, aber glücklich am Ziel: Frank Rost (von links), Frank Heuser, Dirk Alfter, Ferdi Heuwagen, Günter Sporon, Heiner Fuhs, Wolfgang Reuß, Anna Skora, Peter Ille.

Eine Frau, acht Männer - kaputt, aber glücklich am Ziel: Frank Rost (von links), Frank Heuser, Dirk Alfter, Ferdi Heuwagen, Günter Sporon, Heiner Fuhs, Wolfgang Reuß, Anna Skora, Peter Ille.

Foto: GA (Repro)

Die gute Nachricht vorweg: Fast 50 Prozent der Laufverrückten haben es geschafft und waren am Morgen des Muttertags um 7.30 Uhr am Ziel. Kaputt, aber glücklich waren sie nur noch zu einem bereit: zum Beweis-Foto vorm Schloss.

Die neun wackeren Helden, die die 102 Kilometer in 21,5 Stunden geschafft haben, sind Frank Rost, Frank Heuser, Dirk Alfter, Ferdi Heuwagen, Günter Sporon, Heiner Fuhs, Wolfgang Reuß, Peter Ille und, als einzige Frau, Anna Skora. Sie hatten Wind und Wetter getrotzt, denn immer wieder peitschten ihnen Regenschauer ins Gesicht.

"Wichtig war für uns das harmonische Miteinander, es war kein Wettbewerb", so Heuwagen zum GA. Mehr als einmal tauchten für die Gruppe - für Fuhs, Heuser und Heuwagen war diese Form der Ahrsteig-Bezwingung schon die zweite - die Fragen auf "Wat sull dä Quatsch? Wofür dat all?".

Doch zurück an den Anfang: Mit offiziellem Segen und hilfreichen Accessoires der zweiten Blankenheimer Bürgermeisterin Simone Böhm ausgestattet, gingen die 19 erwartungsfroh an den Start. Am Freilinger See gab es nach den ersten beiden Stunden eine Trinkrast. Denn erst in Eichenbach fand die erste halbstündige Pause statt.

Nach vierstündigem Fußmarsch sah man in einigen Gesichtern schon die ersten Spuren von Anstrengung. Und auch das ein oder andere "Zipperlein" wie Blasen oder Krämpfe musste dort bereits versorgt werden.

Beim nächsten Halt in Sierscheid war die Gruppe schon weiter auseinandergerissen, es wurde weniger geredet. Die ersten gaben dort auf, weil sie erkennen mussten, dass eine solche 102-Kilometer-Tour nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Der Weg zur Linder Höhe führte zur Erkenntnis: Untrainiert sollte man so etwas nicht angehen.

"Die Kraft sagt 'ja', die Muskeln 'nein'", so der geübte Läufer Heuwagen, der insgesamt rund zehn Liter trank, zum GA. Starkregen tat sein übriges und auch er glaubte, das auf der Höhe Schluss für alle ist. "So absurd es in dem Fall klingt, aber eine Schmerztablette und ein Glas Rotwein und wir waren auf der Linder Höhe wieder auf der Höhe." Gerüstet für die Nacht mit Stirnlampen, aber mit patschnassen Schuhen auf den verbleibenden 65 Kilometern, ging's voran - über Kreuzberg durchs Langfigtal weiter nach Mayschoß.

Dann wich auch bei den "Freaks" die anfängliche Euphorie, Gedanken an Muskel- und Gelenkschmerzen nahmen immer breiteren Raum ein. Nach Pausen an der Bachemer Lourdes-Kapelle, wo der ein oder andere eine Kerze aufstellte sowie letztmalig oberhalb von Heimersheim, erreichten schließlich die Extremwanderer ohne ernsthafte Blessuren das Ziel: das Sinziger Schloss. Nach einem heißen Bad und einer ordentlichen Mütze Schlaf sagt Heuwagen: "Jetzt muss ich erst mal wieder laufen lernen. Aber für 2015 kann ich mir was Vergleichbares vorstellen."