Ockenfels-Lehmann-Objekte: Warum die Olos Olos heißen

Ockenfels-Lehmann-Objekte : Warum die Olos Olos heißen

Als Diplom-Psychologe, Nervenarzt und einstiger Chefarzt der Langenfelder Landesklinik hat Jürgen Lehmann (78) unzählige Gespräche geführt. Das, was er nach seinem Umzug nach Bad Neuenahr vor 14 Jahren mit seinem neuen Nachbarn Josef Ockenfels führte, sollte ihn nachhaltig beeinflussen.

Vorstellig geworden war Lehmann mit seiner Lebenspartnerin Elfriede Korb (75), die viele im Kreis als begeisterte Pilotin und Ballonfahrerin kennen, um den betagten Handwerksmeister zu fragen, ob man die stillgelegte Schreinerei als Werkstatt nutzen könne. Durch eine besondere Gemeinsamkeit des kriegsversehrten Schreiners und des Mediziners war schnell eine Vertrautheit da. Ockenfels hatte als Soldat in Russland genau dort gekämpft, wo Lehmann ab 1953 Chemie studiert hatte - in Woronjesh.

"Es kam uns nach dem langen Gespräch wohl so vor, als hätten wir ein Stückchen gemeinsame Vergangenheit", erinnert sich Lehmann. So war klar, dass das künstlerisch ambitionierte Rentnerpaar die Schreinerei und alle Werkzeuge, Geräte und Material nutzen durfte.

Im Laufe der Jahre, auch nach Ockenfels' Tod, dann aber mit Zustimmung der Schwester Christine Ockenfels, wanderte allerlei Holz in der Vorgarten der Bergstraße 17. Verwandelt in bis zu zwei Meter hohe Skulpturen, zu denen sich Klein- und Großkeramiken von Elfriede Korb gesellten, gestalteten die beiden den Bereich zu einem "Guten-Tag-Raum" für sich und die Passanten. "Viele Leute bleiben stehen und diskutieren untereinander.

Andere sprechen uns an und fragen nach dem Sinn der Darstellung", so Korb. "Kunst ist das, was jeder darin sieht", möchte Lehmann den Fokus jedoch von sich auf das "Was wurde und wie wurde etwas gemacht" lenken. Sein Augenmerk richtete er in der Schreinerei neben Leisten, Brettern, Bohrern und Sägeblättern auf Hobel und Leimzwingen. Es kam ihm die Idee, Olos zu schaffen: eine Ockenfels-Lehmann-Objekte-Sammlung.

In mühevoller Handarbeit teilte er die Leimzwingen, schmirgelte die Hobelmesser ab und stellte im Laufe der Zeit 35 filigrane Olos und ein Mega-Olo her. "Ergänzt habe ich sie mit Materialien, die ebenfalls eigene Geschichten haben: australisches Sandelholz, Eibenholz aus dem Garten Verwandter, Gänseknochen der hier verzehrten Gänse, Speckstein, Elfenbein eines Mammutzahns oder Schmuckteile meiner Partnerin", so Lehmann.

Für ein Olo benötigte er zwei Nachmittage, an denen geschliffen, poliert, gebohrt, geklebt, gebrannt und lackiert wird. "Sie sind eine kleine Verbeugung vor Herrn Ockenfels", findet Lehmann.

Die beiden kreativen Köpfe der Bergstraße ergänzen sich gut. Gegenseitige Beratung, Ermutigung und konstruktive Kritik gehören dazu. Daher entschieden sie sich auch spontan, jetzt ihre erste gemeinsame Ausstellung zu initiieren. Einige von Korbs' Keramiken und diverse Lehmann-Linolschnitte, einem dem ehemaligen Volleyball-Nationalspieler geläufiges Material, sind ab Sonntag in der Ahrweiler Stadtgalerie zu sehen.

Tag der offenen Tür

In der Stadtgalerie "Weißer Turm" von Hans-Jürgen Vollrath, Ahrweiler, Altenbaustraße, findet am Sonntag, 8. Februar, von 12 bis 19 Uhr ein Tag der offenen Tür statt. Elfriede Korb und Jürgen Lehmann sind mit Keramikskulpturen und Linolschnitten vertreten. Lothar Feige präsentiert geschmiedete Eisenkunst. Hans-Jürgen und sein Bruder Wolfgang Vollrath zeigen digitale Fotografien.

Vom Verkaufserlös an diesem Tage gehen 20 Prozent an die Flüchtlinge, die im Kreis leben. Dazu findet gegenüber in der ehemaligen Synagoge ein Benefizkonzert statt. Veranstalter ist die Regionalgruppe von Attac Ahrweiler und Amnesty International Ahrweiler. Ab 15 Uhr werden internationale Speisen und eine Tombola geboten.

Ab 16 Uhr treten nationale und internationale Künstler auf. Ministerin Eveline Lemke und Landrat Jürgen Pföhler werden ein Grußwort sprechen. Karten gibt es im Vorverkauf im Antiquariat Wolfgang Huste, Telegrafenstraße 16, in Bad Neuenahr zum Preis von fünf Euro für Erwachsene, Schüler und Studenten drei Euro. Für Kinder unter sechs Jahren ist der Eintritt frei.