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Volkstrauertag im Kreis Ahrweiler: Was die Menschen zusammenhält

Volkstrauertag im Kreis Ahrweiler : Was die Menschen zusammenhält

Professor Peter Arens vom ZDF warb in seiner Gedenkrede zum Volkstrauertag für Werte wie Toleranz, Pluralismus und Menschenwürde

„Die große Mehrheit muss sich wieder mehr äußern, sie ist nicht zum Schweigen verpflichtet. Demokratie und Freiheit erhalten sich nicht von selbst, sondern brauchen die permanente Pflege von uns allen. Es ist halt auch ein bisschen Arbeit, Staatsbürger zu sein.“ Professor Peter Arens, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Geschichte und Wissenschaft, war in seiner Gedenkrede zum Volkstrauertag auf dem Soldatenfriedhof in Bad Bodendorf überzeugt, die Mehrheit wünsche sich weiterhin, dass die Menschen zusammenrücken und auf dem Fundament von Institutionen in Frieden und Freiheit zusammenleben. Und dazu gehöre die Kultur der Erinnerung, wie Deutschland sie alljährlich am Volkstrauertag begehe.

Doch es brauche keinen Blick in die Verfassungschutzberichte, um feststellen, dass der politische Extremismus in Deutschland wieder an Bedeutung gewinne – vor allem rechts, aber auch von links. Völkische und nationalistische Rhetorik zeigten, dass die Demokratie stärker als bisher herausgefordert werde. „Wir sind alle gefordert, dagegen einzuschreiten, dafür zu sorgen, dass sich die schwarzen Schatten der Vergangenheit nicht bis in die Gegenwart hinein verlängern.“ Er rief dazu auf, das demokratische Selbstverständnis zu profilieren und weiter zu schärfen sowie den Wert von Toleranz, Pluralismus und Menschenwürde vor Augen zu führen. Dafür müsse man werben und dabei Rückgrat zeigen.

Arens stellt vermehrt Polarisierung in der Gesellschaft fest

Es brauche gemeinsames Innehalten und das Besinnen auf zu verteidigende Werte. „Doch irgendwie knirscht es in unserer Gesellschaft. Sie ist sich nicht mehr so einig“, wusste Arens. Polarisierung sei überall zu spüren, und Debatten über die Flüchtlingsfrage, die Globalisierung, die Klimakrise sowie von Corona-Maßnahmen mündeten allzu oft in kompromisslosen Formeln. So gerate der Staat, von dem man mehr denn je eine Antwort auf alle kritischen Fragen sowie ein rasches Handeln verlange, schnell ins Kreuzfeuer.

Mit der Erstürmung des Kapitols in Washington müsse dem letzten vernünftigen Menschen klar geworden sein, „dass in unserer modernen Welt etwas komplett aus dem Gleichgewicht geraten ist.“ Die liberalen Gesellschaften könnten sich nicht mehr auf eine gemeinsame Wirklichkeit einigen. Deshalb solle wieder stärker betont werden, was die Menschen zusammenhalte. Und hier seien auch die Medien in der Verantwortung, vorneweg die öffentlich-rechtlichen Sender wie das ZDF.

Zuvor hatte der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies (CDU) in seinem Grußwort darauf hingewiesen, dass der Soldatenfriedhof in diesem Jahr ein Ort des doppelten Gedenkens sei. Zum einen an die beiden Weltkriege, zum anderen stehe man buchstäblich vor der Kulisse der schlimmsten Flutkatastrophe, die das Ahrtal je getroffen habe „In einer einzigen Nacht hat diese Region ein unfassbares Maß von Tod, Leid, Elend und Zerstörung erfahren.“ Umso dringender müsse man sich die Frage stellen, wie diese Kriegs- und Klimakatastrophen in Zukunft vermieden werden könnten, wie wir alle in einer friedlichen und sicheren Welt leben könnten – „genau das ist das Kernanliegen des heutigen Gedenktages.“ Denn er gelte allen Opfern von Krieg, Terror und Gewalt, weltweit und bis in die heutige Zeit hinein.