1. Region
  2. Ahr & Rhein

Interview mit Hans Bick: "Wir müssen uns nicht verstecken"

Interview mit Hans Bick : "Wir müssen uns nicht verstecken"

Wenn Hans Bick am Ende des Schuljahres pensioniert wird, ist von Ruhestand nicht die Rede. Denn seit zwei Jahrzehnten ist der Oberstudienrat des Peter-Joerres-Gymnasiums im Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland des Deutschen Jugendherbergswerks engagiert. Mit ihm sprach Günther Schmitt.

20 Jahre Vorstandsarbeit, davon 17 Jahre als Chef, aber nie als Einzelkämpfer. Hat sich das gelohnt?
Hans Bick: Ja. Als Kreisverband haben wir uns intensiv um das Jugendgästehaus in Bachem und um die Naturschutz-Jugendherberge in Altenahr gekümmert. Es ist uns gelungen, beide Einrichtungen durch Veranstaltungen und "offene Türen" ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Auch sind wir immer offen mit unseren Bilanzen umgegangen.

Im Klartext.
Bick: Bachem konnte die Zahl der Übernachtungen in den vergangenen zehn Jahren auf dem Niveau von rund 30 000 halten. In Altenahr hatten wir vor dem 2007 erfolgten Umbau rund 15 000, seit fünf Jahren hat sich die Zahl auf 18 000 eingependelt.

Sind da Strukturen erkennbar?
Bick: 34 Prozent beträgt der Familienanteil, gefolgt von den Schulen mit 31 Prozent. Hier lässt sich in den letzen Jahren eine Verschiebung feststellen. Während sich die Übernachtungszahl bei den Familien positiv entwickelte (plus fünf Prozentpunkte in fünf Jahren), gab es bei den Schulen einen Rückgang der Übernachtungen im Vergleich zu 2008 um einen Prozentpunkt.

Steuern Sie Letzterem entgegen?
Bick: Wir arbeiten dran, dass Lehrer noch stärker die Angebote unserer Einrichtungen kennenlernen. Denn auch wenn es sich abgehoben anhört: Jugendherbergen sind neben Familie, Schule und Ausbildung eigene, spezifische Lern- und Bildungsorte, die einen vielfältigen Erwerb von sozialen, ökologischen, kulturellen, sportlichen und politischen Kompetenzen ermöglichen.

Im nächsten Monat kandidieren Sie wieder für den Verwaltungsrat des Landesverbandes. Wie sieht's denn da von den Zahlen her aus?
Bick: Mit 1 009 528 Übernachtungen wurde 2013 die Millionenmarke bei den Übernachtungszahlen überschritten. 2003 waren es 963 505 und 2008 bereits 975 409 Übernachtungen. Die Zimmerauslastung aller Häuser betrug 63,91 Prozent. Eine solche Quote hat kein anderer unserer Landesverbände erreicht.

Ein Blick in die Zukunft?
Bick: Es gilt, neue Entwicklungen im Auge zu behalten, um am hohen Niveau der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland noch zu schrauben. Dazu gehört auch, die neuen Medien aktiv zu nutzen. Von besonderer Bedeutung sind dabei eine ansprechende Homepage und die Möglichkeit, jederzeit online buchen zu können. Zu den wichtigen Investitionen zählt auch, dass ganz in unserer Nähe auf der anderen Rheinseite mit dem Neubau der Jugendherberge Kloster Leutesdorf begonnen wurde. Diese wird 160 Betten haben und nimmt in 2015 ihren Betrieb auf.

Und warum wollen Sie sich als Pensionär den Stress im Verwaltungsrat noch antun?
Bick: Ein Berufsleben als Pädagoge. Da sammeln sich Erfahrungen, die es in die Arbeit einzubringen gilt. Im Verwaltungsrat will ich weiter dafür einstehen, dass die Arbeit der Orts- und Kreisverbände im Landesverband ihre Berücksichtigung findet. Denn wir müssen und wollen uns mit den Angeboten unserer beiden Häuser im Kreis Ahrweiler nicht verstecken. Wir werden aber auch oft unterschätzt. Da helfen vielleicht zwei Zahlen. Allein im Kreis Ahrweiler haben wir 5250 Mitglieder, landesweit sind es mehr als 200 000.

Apropos verstecken. Beim Thema Gästebeitrag würden die Jugendherbergen doch am liebsten untertauchen.
Bick: Nein. Bei der Einführung des Gästebeitrags in Bad Neuenahr-Ahrweiler haben wir es durch Gespräche erreicht, dass Schulklassen von der Beitragspflicht ausgenommen sind. Es gibt Kommunen, in denen wir bei solchen Abgaben komplett ausgeklammert sind. Ob es hier noch weitere Stellschrauben gibt, wird sich zeigen.

Zur Person

Hans Bick, Jahrgang 1949, lebt in Heppingen. Der Gymnasiallehrer ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Seit zwölf Jahren gehört er dem Verwaltungsrat des Landesverbandes Rheinland-Pfalz/Saarland an. 17 Jahre war er Chef des Jugendherbergswerkes im Kreis. Eine Funktion, die seit drei Jahren Sohn Michael (32) innehat.