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Schaden an der Ahr: „Zerstörungen noch gewaltiger als nach der Oder-Flut“

Schaden an der Ahr : „Zerstörungen noch gewaltiger als nach der Oder-Flut“

Nach der verheerenden Unwetter-Katastrophe rechnet die Kreisverwaltung in Ahrweiler nach einer ersten Kostenschätzung mit einem Schaden in Höhe von mehr als 3,7 Milliarden Euro.

Die Kreisverwaltung in Ahrweiler hat eine erste Kostenschätzung zur Wiederherstellung der nach der verheerenden Flutwelle Mitte Juli zerstörten kommunalen Einrichtungen vorgelegt. Danach wird vorläufig von einem Schaden in Höhe von mehr als 3,7 Milliarden Euro ausgegangen. Diese grob geschätzte Schadenssumme betrifft nur Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten oder auch Sportanlagen. Nicht enthalten sind Kosten für die Wiederherstellung von Bahnlinien, Bundes- oder Landstraßen. Am Dienstag wird sich die Ministerpräsidentenkonferenz mit der Wiederaufbauhilfe für die betroffenen Regionen beschäftigen. Der Aufbaustab des Landes Rheinland-Pfalz hatte im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz betroffene Städte und Kreise um eine Meldung der Schadenshöhe gebeten. Die Mainzer Staatskanzlei teilte mit, insgesamt sei die Schadensschätzung noch nicht abgeschlossen. „Absehbar ist, dass das Ausmaß der Zerstörungen noch gewaltiger ist als nach der Oder-Flut“, hieß es aus Mainz. Man müsse davon ausgehen, dass ein zweistelliger Milliardenbetrag für einen Wiederaufbaufonds nötig sein werde.

Am 14. und 15. Juli hatte extremer Starkregen an der Ahr eine Flutwelle ausgelöst und weite Teile des Tals zerstört. Rund 42 000 Menschen sind von den Folgen betroffen. Die Zahl der Todesopfer durch das Hochwasser liegt im Ahrtal bei derzeit 141. Weit über 700 Menschen wurden verletzt, 16 Personen werden immer noch vermisst.

Es sind über 4000 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei, Bundeswehr und anderen Hilfsorganisationen im Einsatz.

Ermittlungen gegen Landrat Jürgen Pföhler

Wie berichtet, hatte am Freitag die Staatsanwaltschaft Koblenz Ermittlungen gegen den Landrat des Kreises Ahrweiler, Jürgen Pföhler (CDU), und ein weiteres Mitglied des Krisenstabes eingeleitet. Dabei geht es um den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung durch Unterlassen. Im Kern soll geklärt werden, ob mit früheren Warnungen oder Evakuierungen Menschenleben hätten gerettet werden können.

Nach der Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, haben sich nun auch die Bürgermeister der Städte Bad Neuenahr-Ahrweiler und Sinzig sowie der Verbandsgemeinde Adenau, hilfesuchend an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsidentin Malu Dreyer gewandt. Sie fordern finanzielle Hilfen nicht nur für die betroffenen Kommunen, sondern auch für Unternehmer und private Haushalte. Das Ahrtal solle als Sonderwirtschaftszone ausgewiesen werden. Zudem müsse den Städten und Gemeinden durch den Wegfall von künftigen Steuereinnahmen, beispielsweise der Gewerbesteuer, Kompensationsmittel zugeführt werden. Ferner erbitten die drei Bürgermeister einen Sonderbeauftragten des Bundes, der den Wiederaufbau des Ahrtals engmaschig begleitet.