1. Region

Unterbringung in Wachtberg: Alte Schule wird Flüchtlingsunterkunft

Unterbringung in Wachtberg : Alte Schule wird Flüchtlingsunterkunft

Rund 270 Flüchtlinge sind zurzeit in Wachtberg untergebracht, 60 davon sind allein im Oktober ins Drachenfelser Ländchen gekommen. Laut Verwaltung sollen an der alten Schule Anfang 2016 rund 60 Menschen unterkommen.

Am Dienstag hat Bürgermeisterin Renate Offergeld die Nachricht bekommen, dass zehn weitere in dieser Woche erwartet werden. Und es werden mehr werden, so die Bürgermeisterin. Wie viele - dazu wagt die Verwaltung keine Prognose. Nur soviel: Man gehe davon aus, dass die Zahl der Asylsuchenden 2016 auf insgesamt 500 ansteigen werde.

Doch wo sind oder werden die Flüchtlinge untergebracht? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Sozialausschuss am morgigen Abend (18 Uhr, Sitzungssaal, Rathausstraße 34). Antworten von der Verwaltung gibt es aber jetzt schon. Die Übergangsheime seien voll belegt, in privaten Wohnungen - inklusive dem Pfarrhaus in Oberbachem, das die Gemeinde angemietet hat - bestehe für November und Dezember die Möglichkeit, 60 Menschen unterzubringen.

35 Flüchtlinge wohnen im Hotel Wiesenau in Pech, in dem bis Ende Oktober noch Hotelbetrieb herrschte. "Stammgäste und Flüchtlinge waren parallel dort untergebracht", erzählte Offergeld. Der Betreiber habe der Gemeinde schnell geholfen, als das Übergangsheim an der Raiffeisenstraße wegen eines Wasserschadens geräumt werden musste. "Wir haben dann die Zimmer angemietet", so Offergeld. Wie viel die Verwaltung dafür bezahlt, wollte sie allerdings nicht sagen. "Kosten sind immer Verhandlungssache. Damit geht man nicht an die Öffentlichkeit."

Plan, die Alte Schule zu verkaufen, ist vom Tisch

Auch in der Alten Schule in Berkum sollen demnächst Schlafräume entstehen. Das Gebäude, in dem sich bisher noch die Turm-Galerie befindet, wird Ende November übergeben. Wie berichtet, möchte der Galerist den Mietvertrag nicht verlängern. Der Grund sei sein Alter, außerdem sei er seit einer Operation vor zwei Jahren gesundheitlich etwas angeschlagen, teilte er mit. Nun möchte also die Gemeinde das Haus umbauen. Wenn alles fertig ist - laut Offergeld vermutlich im ersten Quartal 2016 - können dort 50 bis 60 Flüchtlinge unterkommen.

Damit ist allerdings auch (erst einmal) der Plan vom Tisch, die Alte Schule zu verkaufen. Für rund eine halbe Million hatte die Gemeinde das Gebäude angeboten, laut Offergeld hat es auch schon Kaufverhandlungen gegeben. Die wurden nun auf Eis gelegt. "Wir haben die Option, dort Flüchtlinge unterzubringen. Das muss man nutzen", so die Bürgermeisterin. Denn man wolle vermeiden, Turnhallen zu Schlafstätten umzugestalten. Denn so werde der Betrieb der jeweiligen Schulen gestört.

Zusammenarbeit für Flüchtlingsversorgung funktioniert gut

Das Rote Kreuz, die Verwaltung und der Ökumenische Arbeitskreis kümmern sich gemeinsam um die Flüchtlinge. Die Zusammenarbeit funktioniere gut, auch die Reaktionen der Bevölkerung seien positiv, so Offergeld. Kleinere Querelen gebe es aber schon, so zum Beispiel in der Fritzdorfer Nachbarschaft, wo sich das Übergangsheim befindet. "Wir sind aber ständig im Gespräch und versuchen, alles zu lösen", sagte die Bürgermeisterin. Meist seien die Versuche auch von Erfolg gekrönt. Um solche und andere Belange rund um das Asyl- und Flüchtlingsthema mit allen Beteiligten regelmäßig zu besprechen, schlägt die SPD vor, den ehemaligen runden Tisch zu reaktivieren. Der Antrag wird im Ausschuss diskutiert.

Ein besonderes Lob spricht die Bürgermeisterin den vielen Helfern aus: "Wir haben Ehrenamtler, die sich extra beim Goethe-Institut weiterbilden, um Sprachkurse für die Flüchtlinge anzubieten", gibt Offergeld ein Beispiel. Aktuell suche man Paten in den Orten, in den die Asylsuchenden untergebracht sind. "Das läuft unter anderem schon in Adendorf, Gimmersdorf und Villiprott." Nun sollen weitere folgen.