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Ökumenische Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr: "Anfangs hatte ich Angst, was mich dort erwartet"

Ökumenische Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr : "Anfangs hatte ich Angst, was mich dort erwartet"

Es begann mit einem Besuch beim Physiotherapeuten. Im zwanglosen Gespräch erzählte Werner Rex, Vorsitzender der Ökumenischen Flüchtlingshilfe Rhein-Ahr (ÖFH), seiner Therapeutin, der 28-jährigen Karin Vanderbilt, von seiner ehrenamtlichen Arbeit im Kreis.

Als sie dann noch erfuhr, dass die Flüchtlinge in Kreuzberg seit Jahren ohne regelmäßige Betreuung in einem mehr schlecht als recht eingerichtetem ehemaligem Hotel leben, da war ihr ehrenamtliches Engagement entflammt. Sie hatte nicht gewusst, dass es Flüchtlinge in Kreuzberg gibt.

Hans-Joachim Dedenbach, Hauptamtlicher der ÖFH, erklärt die Unterversorgung von Seiten sowohl des Sozialamtes als auch der ÖFH damit, dass es einfach massiv an Personal mangele: "Ich kann nicht jeden einzelnen Flüchtling an die Hand nehmen." Genau das übernahm nun Vanderbilt im Rahmen ihrer Möglichkeiten als erste Kreuzbergerin. "Anfangs hatte ich ja schon Angst, was mich dort erwartet", schildert sie ihren ersten Besuch in der Flüchtlings-Unterkunft. Diese Zweifel wurden aber schnell zerstreut. Trotz der Bescheidenheit der Unterbringung, halten die Flüchtlinge ihre Wohnungen penibel sauber und begegneten Van-derbilt von Anfang an mit großer Gastfreundschaft.

Kommt Vanderbilt auch unangekündigt vorbei, so erlebte sie sich nie als Kontrolleurin, die als lästig empfunden würde. Auch von Seiten der arabischen Männer bewahrheitete sich in Kreuzberg kein einziges der üblichen Klischees. Seitdem schaut Vanderbilt meist einmal pro Woche dienstags im alten Hotel vorbei, hilft bei Problemen des Alltags wie Einkäufen und Arztbesuchen, fragt aber auch danach, ob der Deutsch-Unterricht regelmäßig besucht wurde. Als eine der nächsten Aktionen wird sie mit den Flüchtlingen gemeinsam zu "Petras Lädchen" in Bad Neuenahr fahren, wo diese sich mit neuer Kleidung versorgen können.

Familie und Frende der gebürtigen Bonnerin sind zwigespalten, wenn es um ihr Engagement für die Flüchtlinge geht. Zum einen finden sie den Einsatz Vanderbilts bewundernswert, zum anderen fragen sie jedoch auch, warum sie sich das neben Beruf und Familie zeitlich auch noch antue. Darauf angesprochen betont Vanderbilt: "Ich fahre ja sowieso jeden Tag dort vorbei, und meine Zeit kann ich mir auch einteilen, wie es mir möglich ist." Spürt sie zwar im Ort einen gewissen Vorbehalt gegen Unbekanntes, so ist ihr jedoch keine offene Fremdenfeindlichkeit bekannt.

Die Situation sei besonders deshalb schwierig, da von Seiten der Kommune eine schlechte Informationspolitik herrsche. Schon seit Jahren leben einige Flüchtlinge in Kreuzberg, und kaum einer wusste davon. "Ein Ansprechpartner wäre gut", wünscht sich die Physiotherapeutin, und die ÖFH versprach, sich darum zu kümmern.

Ebenso möchte Vanderbilt einen Informationsabend oder sogar ein Fest von und mit den Flüchtlingen organisieren: "Je mehr Leute dahin gehen, desto willkommener würden sich die Flüchtlinge fühlen." Des Weiteren wünscht sich Vanderbilt eine bessere Vernetzung unter den Helfern, die sie momentan noch gar nicht feststellt. Ganz konkret wünscht sie sich jetzt jedoch erst einmal, "dass die Leute besser unterkommen" und nach Jahren richtige Wohnungen beziehen können.

Welchen großen Unterschied es macht, wenn man Bevölkerung und Flüchtlinge im Rahmen eines Festes zusammenkommen lässt, das hat die Kesselingerin Rita Simon erlebt. Ihr Engagement begann mit einer Anfrage von Seiten der Kirchengemeinde. Sie sagt heute, dass ohne diese Anfrage die Hemmschwelle wahrscheinlich zu groß gewesen wäre, sich zu engagieren. Es wurde ihr jedoch schnell klar, dass ein Kennenlernen zwischen Alteingesessenen und den Flüchtlingen unabdingbar wäre.

"Der Begrüßungskaffee war ein Highlight-Tag. Es mussten immer mehr Tische und Stühle organisiert werden." Das Echo aus der Bevölkerung war überwältigend und blieb es bis zum heutigen Tag. Seit diesem Ereignis ist Simon ein "Türöffner", wie es Petra Uphoff ausdrückt, die Simons Arbeit mit ihren Sprachkenntnissen unter-stützt.

Simon betont, dass die Flüchtlingsarbeit nicht möglich wäre, wenn nicht viele im Hintergrund ihre Talente einbringen würden: "Es gibt so viele, die es einfach machen." Auch sie betreut vor allem im Alltag, begleitet aber auch zu schwierigeren Arzt- und Anwaltsbesuchen.

Insgesamt seien die Flüchtlinge "sehr pflegeleicht", da sie das Meiste selbstständig erledigen. Dringlichstes Problem ist auch in Kesseling die Wohnungssuche. Für die Zukunft wünschen sich Simon und Uphoff, dass sich die Arbeit auf mehrere Schultern aufteilt.