Benefizkonzert Bachems Sankt Anna: Aus „Fado“ wird „Fahr du“

Benefizkonzert Bachems Sankt Anna : Aus „Fado“ wird „Fahr du“

Man kennt ihn als Sting-Interpreten: Doch Stephan Maria Glöckner überrascht bei seinem Auftritt in Sankt Anna plötzlich mit Liedern auf Rheinisch.

So hatten viele Stephan Maria Glöckner noch nicht gehört. Es war nicht, dass der Frontmann der New-Latin-Band „Menino“ solo und nur mit zwei Gitarren im Gepäck sein Benefizkonzert für die Bachemer Sankt Anna-Kapelle bestritt. Es war vor allem, was er sang. Der Mann, dessen Stimme so oft mit der von Sting verglichen wird, und der mit vielfach auf Portugiesisch gesungenen und perkussionsgeprägten Songs viele Freunde in seiner heimischen Ahr-Eifel-Region hat, schlug auf einmal Kölsche Töne an. Die hob er sich indes für die letzten zwei Stücke im offiziellen Programmteil auf.

Meist sang er stattdessen auf Englisch und begann eher „klassisch“ in seinem Sinne mit einer neu einstudierten Sting-Komposition: „Language of birds“ aus dem 2013er Studioalbum des britischen Musikers. Mit „Moon over Bourbon street“ präsentierte Glöckner auch ein Stück aus Stings erstem Soloalbum. Mal heulte er wie ein Wolf, mal stieß er später einen Klageruf aus, dann wiederum waren in seinen Arrangements ausnehmend rhythmische Elemente auszumachen, hier und da ein Pfeifen, aber auch verhaltenere Passagen als im Original, wie etwa bei Gloria Estefans „Get on your feet“.

In den Texten von Johnny Cashs „Hurt“ über Men at Works „Overkill“ bis „Radioactive“ von Imagine Dragons ging es um Ängste, Abschied, Endlichkeit und die Apokalypse. Auch Songs wie Michael Bublés „Feeling good“ änderten nichts am lange eher innigen Charakter des Konzerts mit mal melodisch aber auch hart angeschlagenen Saiten und nachdenklich stimmenden Inhalten, jedenfalls so lange Glöckner Coverversionen sang.

Auch die zwei Songs aus eigener Feder entsprachen dieser Atmosphäre: „The next day“ über die Verantwortung des Menschen insbesondere für das was morgen kommt, und der neue Song „Sehnsucht“ auch über die Ungewissheit des Seins nach dem Tod: „Die Glut kocht in mir, ist alles so heiß. Das Blut kocht in mir, weil ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Dann erfolgte der Stimmungswechsel, den das Publikum sofort mitmachte. Mit „Chuva“ habe die brasilianische Gruppe „Falamansa“ ein ganz positives Lied über den Regen gemacht, erklärte Glöckner, „und damit man es versteht, habe ich es umgetextet auf Rheinisch.“ Was folgte war mit „Rään“ eine schwungvolle Hommage ans Wasser vom Himmel, voller Lebenslust mit humorigen Einlagen und dann auch noch einer Passage auf Portugiesisch gegen Ende: „Du schäns ald über die paar Droppe, du häss et lieber sonnig und drüch. Du bes doch sonst net su eh Zuckerpöppche. Su ne Schauer is doch herrlich frisch.“

Noch eins drauf setzte er mit seiner rheinischen Version von „Englishman in New York“, der bei ihm zum „Kölsche in Düsseldorf“ wurde. Applaus und Jubel mündeten schnell in rhythmisches Klatschen und die Zugabe „Fado“, doch aus dem portugiesischen Musik- und Vortragstil machte er bald schon „Fahr du, ich blieven he.“

Länger geblieben wären auch noch die gut 130 Zuhörer in der vollen Kapelle, die mit einem Lächeln das Konzert verließen. Es handelte sich um die zweite von drei Benefizveranstaltungen in diesem Jahr zu Gunsten von Sankt Anna. Diese sollen dazu beitragen, dass die einzigartige Facettendecke der ältesten der drei Bachemer Kapellen durch eine neue Beleuchtung ins rechte Licht gerückt wird.