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Bad Neuenahr: "Die Sportläden wird es als erstes treffen"

Bad Neuenahr: "Die Sportläden wird es als erstes treffen"

Laut Norbert Wittenberg vom Kaufhaus Moses fehlen Bad Neuenahr hochwertige Läden - erst recht, falls das FOC kommt

Bad Neuenahr. "Gespannt, aber gelassen" blickt Norbert Wittenberg den Entscheidungen entgegen, ob das geplante Factory Outlet Center (FOC) auf der Grafschaft gebaut wird oder nicht. "Aber im Grunde bin ich dagegen", sagt der Inhaber des Kaufhaus Moses in Bad Neuenahr, "weil man nicht weiß, wie es sich entwickeln wird."

Zuviele Existenzen seien möglicherweise bedroht. Zu befürchten sei, dass benachbarte Städte von Bonn über Rheinbach, Meckenheim bis Remagen unter einem FOC zu leiden hätten. "Aber auch Bad Neuenahr wird es treffen", sagt der 62-Jährige und gibt sich, was sein Kaufhaus angeht, dennoch entspannt: "Wenn das FOC kommt, hätten wir eine Antwort darauf."

Die sähe so aus, dass es mehr Sonderangebote auf Marken-Bekleidung gäbe, auch wenn das nicht unbedingt dem Ansatz des Hauses entspricht, das als inhabergeführtes, sprich privates Kaufhaus, in dem es neben Mode unter anderem auch Haushalts- und Spielwaren sowie Kleinelektro gibt, eine Sonderrolle im Einzelhandel einnimmt.

Er und seine Frau Martina, die aus der Nähe von Osnabrück stammen und beide im Einzelhandel groß geworden sind, wollten ein eher gehobenes Niveau und besonderen Service in ihren Häusern anbieten.

Neben Moses in Bad Neuenahr gehören zur Unternehmensgruppe Moses-Leininger auch die Modehäuser Leininger in Neuwied und das Kaufhaus Moses in Fürstenwalde bei Berlin. Nächstes Jahr wollen die Wittenbergs ein weiteres Haus in Strausberg bei Berlin eröffnen.

"Es geht über die Emotion, es soll Spaß machen, zu kaufen", sagt Wittenberg, "und das findet man so nicht im FOC." Ohnehin seien die Marken, die voraussichtlich im FOC angeboten werden sollen, nicht deckungsgleich mit denen bei Moses. Und falls doch, will Wittenberg auf die Nischen setzen, also andere Ware anbieten als das Outlet Center. "Insofern sind wir durch das FOC nicht direkt bedroht", sagt Wittenberg.

Indirekt aber schon. Denn der Kaufhaus-Inhaber sieht die "kleineren, inhabergeführten Läden, vor allem die Sportläden" in Gefahr. "Die werden es als erstes merken", sagt er, wenn es im FOC gängige Sportmarken zu reduzierten Preisen gäbe. "Die bekommen da ein Monster vor die Nase gesetzt, an dessen Preise kommen sie nicht ran." Und die Konsequenz? "Je mehr es die trifft, desto mehr trifft es andere mit", meint Wittenberg. "Und ein Kaufhaus in einer toten Stadt, das macht keinen Spaß."

Zwar könne ein FOC auch Belebung für die Städte bringen. Es gebe jedoch genügend Standorte, wie zuletzt Zweibrücken, die gezeigt hätten, dass ein FOC durchaus auch "tödlich auf Innenstädte wirken" könne, so Wittenberg. Damit das in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht passiert, so der Kaufmann, sei es unbedingt erforderlich, etwas für die Standortentwicklung zu tun und die Innenstadt attraktiver zu machen. "Bad Neuenahr hat zwar was zu bieten, aber die Stadt lebt nicht allein von der Kurverwaltung."

Cafés gebe es jetzt genug, aber hochwertige Läden mit gehobenen Marken, die fehlten. "Die Gäste, die hier übernachten, zum Beispiel im Steigenberger, die haben Geld." Und das würden sie auch ausgeben, glaubt Wittenberg. Jedenfalls dann, wenn sie die passenden Läden vorfänden.

Mit Service und Events gelte es zudem, zu punkten. So kämen etwa Modenschauen gut an und auch mit Aktionen wie den Uferlichtern könnten die Werbegemeinschaft und "die Köpfe der Stadt" Akzente setzen.