Bei Extremtemperaturen: Kleidung im Zwiebelsystem

Minus 8 Grad Kälte oder 95 Grad Hitze: Markthändler und Saunameister berichten über ihre Erfahrungen

Bei Extremtemperaturen: Kleidung im Zwiebelsystem
Foto: Wolfgang Henry

Bornheim. Dirk Darowski und Hermann Josef Schmitz sind Saunameister, Rolf Spittler und Peer Schwetzler Obst- und Gemüsehändler.

Grundverschieden sind diese Berufe: Während Darowski und Schmitz im Winter tagtäglich bei Eiseskälte die Kundschaft mit Obst, Gemüse, Eiern und Kartoffeln versorgen, warten die Spittler und Schwetzler bei tropischen Temperaturen auf Hitze liebende Gäste.

Auf den ersten Blick hat die Arbeit von Markthändlern und Saunameistern nicht viel gemeinsam. Doch auf den zweiten Blick zeigen sich Parallelen. Denn bei Außentemperaturen unter Null gilt es in Bornheim wie in Rheinbach, vorzusorgen. Für sich selbst und für die Gäste.

Bornheim. Seit Winterbeginn rüstet Dirk Darowski seinen Marktstand regelrecht gegen die Kälte auf. Der Verkaufswagen, vor dem er seine Lebensmittel ausgebreitet hat, steht in einem Zelt, der ihn vor Regen schützt. Zusätzlich sorgen zwei gasbetriebene Heizöfen dafür, dass sich die Temperaturen weit über dem Nullpunkt bewegen. Das hält kälteempfindliche Produkte wie Kartoffeln und Salate frisch. Auch die Käufer dieser Waren wärmt es: "Wenn Wind und Wetter draußen toben, bleibt die Kundschaft schon mal etwas länger bei uns. Schließlich ist es hier mollig warm."

Nach mehreren Stunden jedoch reicht das nicht mehr aus, da helfen nur noch heißer Kaffee "und Klamotten im Zwiebelsystem", erklärt der 35-jährige Hellenthaler. Viele weite und dünne Kleider hielten wesentlich wärmer als eine dicke Winterjacke, rät er.

Stiefel mit dicker Sohle sind Pflicht, um die Füße warm zu halten. Auch Rolf Spittler, Meister für Bäderbetriebe, macht sich viele Gedanken über das richtige "Management" der Temperatur. Immerhin kommt seine Kundschaft zum Schwitzen ins Bornheimer Hallenfreizeitbad. Gerade bei extrem kalten Temperaturen ist die weitläufige Innen- und Außensaunaanlage gut besucht.

Damit die Saunagänger unbeschwert relaxen können, muss der 43-jährige Vize-Badleiter Spittler die Anfahrtswege und die Außenanlagen eisfrei halten. Die Gäste selbst hält er an, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Er weist sie auf das wechselnde Reizklima zwischen Hitze und Kälte hin und versorgt sie mit fruchtigen Erfrischungen.

Der Jahreszeit entsprechend, duften seine Aufgüsse im stündlichen Rhythmus nach Winterdüften wie Fichtennadel, Pfefferminz und Eukalyptus. Bei seiner Arbeitskleidung vertraut Rolf Spittler wie Darowski dem Zwiebelsystem. "Drinnen trage ich meist nur ein T-Shirt. Wenn ich dann nach draußen muss, werfe ich mir schnell zwei dünne Pullover über. Das reicht aus, damit ich mir keinen Zug hole. Eine dicke Winterjacke haben wir zwar auch, aber dann fange ich selbst an zu schwitzen", sagt er.

Rheinbach. Saunen entspannt, erneuert verbrauchte Energien, reinigt die Haut und entschlackt den Körper, weiß auch Peer Schwetzler vom Monte Mare in Rheinbach. Der Winter ist für den Saunameister und Betriebsleiter des Freizeitbades Hochsaison.

Der medizinische Faktor der Abhärtung spiele beim Saunen für die meisten eine untergeordnete Rolle, meint er. Die meisten wollten sich bei der Kälte "mal richtig aufheizen". Bei Schnee sieht Schwetzler in seiner Arbeit als Saunameister, die ihm das ganze Jahr über großen Spaß mache, sogar "einen Romantikfaktor": Das Abreiben mit Schnee nach einem Saunagang bei Temperaturen um die 95 Grad sei erfrischender und schöner als eine kalte Dusche.

Kein Problem mit der Kälte hat auch Hermann Josef Schmitz aus Euskirchen, der jeden Mittwoch und Freitag sein selbst angebautes Obst und Gemüse auf dem Rheinbacher Wochenmarkt verkauft. Die Kälte mache ihm nichts aus: Die Arbeit auf dem Feld und an seinen Obstbäumen, die im Winter beschnitten werden, hätten ihn abgehärtet, sagt er.

Selbst bei Minusgraden trägt er keine Handschuhe, Mütze oder zwei Paar Socken. Eine Jacke störe bei der Arbeit, darum trägt er mehrere Hemden übereinander. Von 7 bis 14 Uhr stehen er und seine Mitarbeiter am Stand.

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Einziges Zugeständnis an die Kälte ist ein kleiner Propangasofen und eine lange Unterhose. Erst bei minus acht Grad holt der Landwirt eine Plane und drei weitere Öfen aus dem Wagen. Nicht für sich natürlich, sondern um Salat und Kartoffeln vor dem Erfrieren zu bewahren.