Pavillon am Bad Neuenahrer Bahnhof: Blickfang, Schandfleck oder Denkmal?

Pavillon am Bad Neuenahrer Bahnhof : Blickfang, Schandfleck oder Denkmal?

Für den leerstehenden, kioskähnlichen Pavillon am Bad Neuenahrer Bahnhof wird eine neue Nutzung gesucht - bisher jedoch ohne Erfolg.

Der Pavillon am Neuenahr Bahnhof erzählt von einer besonderen Blütezeit der Badestadt. In ihm war in den 60er Jahren der Kur- und Verkehrsverein (KVV), später der Ahrtaltourismus untergebracht. Dennoch: Unter Denkmalschutz steht das markante Gebäude nicht. Wie die Stadtverwaltung der Kreisstadt auf Anfrage mitteilte, ist man im Rathaus bemüht, eine Folgenutzung für das leerstehende kioskähnliche Haus zu finden. Bislang erfolglos.

"Bescheiden und zugleich mit überschäumendem Schwung markiert er den Eingang zur Stadt für alle Zugreisenden und wurde zu einer Zeit errichtet, als Sonderzüge Tausende von Gästen ins Ahrtal brachten - zur Kur, zu Festen, zum Flanieren", so die Bürgerinitiative "Lebenswerte Stadt", die sich für den Erhalt alter Bausubstanz einsetzt und den Abriss alter Bauten zugunsten von modernen Eigentumswohnungen beklagt.

Die Stahlbeton-Konstruktion - typisch für viele Bauten dieser Zeit - mit ihren großen Fenstern und ihrem vorgezogenen Dach wirkt durchaus prägend für den Bahnhofsbereich und seinem daneben liegenden Park. Geht es nach der Initiative, dann soll das auch so bleiben.

Erste Anlaufstelle für Kurgäste

Seit geraumer Zeit wartet der Pavillon auf eine neue Nutzung. Der KVV hatte dort seine Bleibe und bot Kurgästen, die mit dem Zug anreisten, eine erste Anlaufstelle. Der Individualverkehr nahm jedoch zu, immer weniger Gäste kamen mit dem Zug in die Kur- und Badestadt. Pläne, das Haus zu erweitern und umzubauen, verwarf man. Stattdessen schlug der Ahrtal-Tourismus, der nach dem KVV den Kiosk bezog, in Marienthal seine Zelte auf, später dann im Alten Rathaus.

Die Bürgerinitiative "Lebenswerte Stadt" hat nun beantragt, das Haus am Bahnhof erneut als Kulturdenkmal unter Schutz zu stellen und in die Denkmalliste einzutragen. "Nach Auskunft der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) war der Pavillon dort bis 2014 als einer der wenigen noch erhaltenen Bauten seiner Art im Lande erfasst.

Die untere Denkmalschutzbehörde im Kreis Ahrweiler hingegen teilte mit, dass dieser Schutz bereits 2012 erloschen sei", wundert sich die Bürgerinitiative. Grund für die Löschung aus der Denkmalliste seien "umfangreiche bauliche Veränderungen im Innern". "Hätten diese baulichen Veränderungen in einem denkmalgeschützten Gebäude denn nicht durch die entsprechenden Behörden genehmigt werden müssen?", fragt die Initiative.

Kein Denkmalwert

Die Stadtverwaltung stellt hierzu klar: "Der Pavillon wurde bis 2012 im Verzeichnis der Kulturdenkmäler der GDKE als Teil der Gesamtanlage Bahnhof Bad Neuenahr aufgeführt. Um zu klären, ob der Pavillon zu erhalten ist, trafen sich im Frühjahr 2012 Vertreter der Stadt mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und der GDKE zu einem Ortstermin. Die Denkmalfachbehörden stellten dabei fest, dass dem Pavillon kein Denkmalwert zukommt." Im aktuellen Verzeichnis der Kulturdenkmäler werde der Pavillon somit auch nicht mehr aufgeführt.

Die Stadt als Eigentümerin sei nach wie vor bemüht, für den Pavillon eine Folgenutzung zu finden. Dies habe man der Bürgerinitiative auch mitgeteilt. Etwaige Anträge auf Abriss oder Neubau oder entsprechende Voranfragen liegen der Kreisverwaltung als Baugenehmigungsbehörde übrigens nicht vor. Auch die Stadt bestätigte gestern: "Es gibt weder Änderungs-, Umbau- noch Verkaufsabsichten."