Prozess im Bonner Landgericht Verdacht des Betrugs mit Fluthilfeanträgen

Bonn/ Region · Zwei Brüder aus Euskirchen stehen demnächst vor dem Bonner Landgericht: Ihnen wird vorgeworfen, Gelder für nicht vorhandene Flutschäden beantragt zu haben. Einer von ihnen soll zudem Urkunden gefälscht haben.

 Das Eingangsportal des Bonner Landgerichts, vor dem der Fall der zwei Brüder verhandelt wird.

Das Eingangsportal des Bonner Landgerichts, vor dem der Fall der zwei Brüder verhandelt wird.

Foto: dpa/Oliver Berg

Zwei Millionen Euro an Fluthilfen hatte ein 37-jähriger Euskirchener zwischen dem 27. September 2021 und dem 4. September 2023 beantragt. Der Einzelunternehmer ist gemäß dem Eintrag in einer Firmendatenbank im Geschäftsfeld "Vermietung, Verpachtung von eigenen oder geleasten Wohngrundstücken, Wohngebäuden und Wohnungen" tätig. Demnächst wird er sich allerdings mit seinem Bruder vor Gericht wiederfinden.

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat nämlich Anklage wegen besonders schweren Subventionsbetrugs gegen das Brüderpaar erhoben. 14 Fälle, teilweise in Verbindung mit Urkundenfälschung soll der 37-Jährige begangen haben. Von den beantragten zwei Millionen sollen letztendlich 375.000 Euro tatsächlich ausgezahlt worden sein. Seinem 42-jährigen Bruder werfen die Ankläger Beihilfe in zwei Fällen vor.

Erfundene Schäden und veraltete Fotos

Alle Anträge sollen laut Anklage nach dem selben Schema gestellt worden sein: Die Brüder erfanden entweder Schäden, die es gar nicht gab oder gaben andere Schäden, die zum Beispiel von einem umgefallenen Baum verursacht worden waren, als Flutschäden aus. Um ihre Forderung zu untermauern, sollen die Brüder teilweise Gutachten eingereicht haben, die nicht für die angegebenen Schäden erstellt worden waren. Die Dokumente sollen laut Anklage unter anderem Fotos von anderen Gebäuden beinhaltet haben. Einige Gutachten sollen offenbar auch erstellt worden sein, ohne dass die Sachverständigen das jeweilige Gebäude überhaupt betreten hätten. Unlautere Absichten unterstellen die Ermittler den Gutachtern allerdings nicht, die Fachleute sollen sich schlicht auf die Angaben der Brüder verlassen haben.

So soll der 37-Jährige sich am 27. Juli 2023 mit einem Gutachter vor Ort getroffen haben. Rund eine Viertelstunde habe man sich gemeinsam das Objekt angeschaut, bevor der Fachmann wieder gefahren sei, heißt es in der Anklage. Er habe den Angaben des Besitzers vertraut, die eingereichten Fotos sollen aber bereits zwei Jahre zuvor entstanden sein. In einem weiteren Fall soll der ältere Bruder mit einem gefälschten Gutachten Fördermittel in Höhe von 473.000 Euro für einen behaupteten Gebäudeschaden von 591.000 Euro beantragt haben. Der gesamte Keller des Hauses sei zerstört worden. Kleiner Schönheitsfehler: Das genannte Gebäude hatte überhaupt keinen Keller.

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