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Das Privathaus zieht besonders viele Besucher an

Das Privathaus zieht besonders viele Besucher an

Alanus Hochschule, die evangelische Markuskirche in Hemmerich und ein Wohngebäude im Bauhausstil in Rheinbach stehen Interessenten offen

Rhein-Sieg-Kreis. Auf dem Designer-Küchentisch sind Pralinen, Plätzchen und Fruchtgummi verteilt, die Eigentümer sitzen mit einer Tasse Kaffee am Tisch. Aus dem Garten dringt Vogelgezwitscher herein, die Haustür steht weit offen. Ein ganz normales Wochenende im Hause Welsch? Wohl kaum, denn das Paar wartet nicht etwa auf befreundeten Besuch, sondern auf interessierte Bürger, die den "Tag der Architektur" nutzen, um verschiedene Gebäude einmal von innen zu sehen und mit den jeweiligen Architekten ins Gespräch zu kommen.

Das Wohnhaus am Uhlandweg in Rheinbach ist ganz im Stil der Bauhausarchitektur gebaut - und lockt besonders viele Interessenten an: großzügige Glasfronten, rahmenlose Fensterecken, klare Linien und fließende Übergänge zwischen den einzelnen Zimmern.

Das Wohnhaus, das Jürgen Welsch entworfen und gebaut hat, ist hell und großzügig. Keine Kopie, sondern eine Interpretation der Bauhausarchitektur mit eigenen Elementen. "Ich spreche immer von der gefühlten Wohnfläche, und die ist durch die großzügige Verglasung einfach größer", sagt Welsch. Klein wirkt keines der Zimmer, selbst wenn zahlreiche Besucher vorsichtig vom gestylten Bad aus die kleine Wendeltreppe hinaufgehen.

Jeder Entwurf müsse zum Klima und zum Grundstück passen, und jedes Gebäude mit vielen Fenstern solle dennoch Rückzugsmöglichkeiten haben. Im Garten des Hauses hört Gerhard Dotzauer aufmerksam zu. "Ich bin Kollege", verrät er und erzählt, dass er selbst ein Objekt in Bonn ausstelle. Es sei schön und anregend, auch mal zu sehen, was andere machen, sagt der Architekt, der vor seinem Besuch in Rheinbach das geöffnete Seminar-, Atelier- und Gästehaus der Alanus Hochschule in Alfter besichtigt hat.

Das 2002 fertiggestellte Bauensemble, das dem historischen Johannishof der staatlich anerkannten Hochschule angegliedert ist, vereinigt Atelierräume, Werk- und Produktionsstätten mit Seminarräumen und Schlafmöglichkeiten in einem großzügigen Gästehaus.

Außerdem haben Frank-Rüdiger Hildebrandt und Harry Wehner mit Erfolg versucht, das Leben, das im Inneren stattfindet, außen sichtbar zu machen und das Gebäude lebendig zu halten. Schließt man die Fensterläden im Gästehaus, kommen verschiedene Farben zum Vorschein und lassen eine immer wieder neue Gebäudefassade erscheinen.

Zur Nordseite mit warmen, ockergelben Fußböden, zur Sonnenseite mit kühlen blauen Fußböden, stets mit vielen Fenstern und in fließenden Formen sind Räume zum Wohlfühlen und kreativen Arbeiten entstanden. "Mir war es wichtig, dass sich der Gebäudekomplex aus der Landschaft heraus entwickelt", sagt Hildebrandt.

Außerdem können alle Eingangsbereiche durch große Wandstücke und helles Licht als Ausstellungsräume genutzt werden. Der Tag der Architektur sei eine gute Gelegenheit, sich über Projekte auszutauschen. "Man möchte neutrale und nichtssagende Architektur überwinden, um bei der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Qualität der Architektur zu schaffen", so Hildebrandt.

Auch in der evangelischen Markuskirche in Hemmerich stand der Architekt Marc Löchte Rede und Antwort zu dem Erweiterungsbau des Gotteshauses. Die 2005 abgeschlossene Ergänzung fügt das Gebäude aus den 70er Jahren, den vor rund 15 Jahren gebauten Kirchturm und den neuen Bereich zu einer Einheit zusammen.

"Die Integration des Kirchturms ist gelungen, und das Gebäude vermittelt jetzt einen sakralen Eindruck", sagt Löchte, der bei seinem Entwurf auch auf die Multifunktionalität des Gemeindezentrums geachtet hat. Flexibel kann der Kirchraum bei Festen erweitert und je nach Bedarf wieder verkleinert werden. "Wir fühlen uns jetzt nicht mehr wie in einer Wohnstube, sondern wie in einer Kirche, und das wirkt sich sehr positiv auf die Arbeit aus", sagt Presbyter und Kirchmeister Dirk Menrath.

Das Wahrzeichen der Gemeinde, der freistehende Kirchturm, ist aus Schwarzwälder Tannenstämmen gebaut. Auch der neue Anbau nimmt dieses Material auf, und so wird das Dach nicht von den Wänden, sondern von Tannen aus demselben Wald getragen.