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"Das viele Holz strahlt Wärme aus"

"Das viele Holz strahlt Wärme aus"

Haus-Besuch: Rainald Ollig mag die hohen Räume und die geschichtsträchtige Atmosphäre des Alfterer Pfarrhauses

Alfter. Alte Häuser? Dafür nimmt Dechant Rainald Ollig auch zerrissene Hosen in Kauf. Die denkmalgeschützten Kastenschlösser an den Türen im Pfarrhaus ragen genau in Höhe seiner Hosentaschen hervor, und wenn er zu knapp um die offene Türe biegt, ist es passiert. "Da bin ich schon oft hängen geblieben", sagt der 60-Jährige, der am 1. September 1994 zum Pfarrer von Alfter ernannt wurde und seit 1995 in dem Backsteinbau wohnt.

Zuvor war dieser innen und außen umfassend renoviert worden. "Ich mag die hohen Räume und ihre geschichtsträchtige Atmosphäre. Das viele Holz strahlt Wärme, nicht Strenge aus." Alte Türen und Fensterläden, knarrende Dielen und gusseiserne Heizkörper, Eichenmöbel und Kirchenschätze geben dem zweieinhalbgeschossigen Gebäude seine besondere Ausstrahlung.

Errichtet wurde er 1874 von der Zivilgemeinde. Warum, ist nicht genau bekannt. In jedem Fall beendete er eine lange Zeit, in der die Alfterer Pfarrer mehr schlecht als recht untergebracht waren. Denn das Bonner Cassiusstift, dem der Papst im 12. Jahrhundert die Pfarrei Lessenich und mit ihr die Filiale Alfter einverleibte, zeigte sich anhaltend knauserig.

Die Pfarrgenossen in Alfter wiederum beharrten darauf, dass nicht sie, sondern das Stift für eine Pfarrerswohnung zuständig sei. "Schließlich wurde es der kirchlichen Behörde zu bunt", beschreibt Alfters Heimatforscher Willy Patt (1923-2008) die Zankerei. "1762 drohte sie den Alfterern 'bei fortgesetzter Renitenz' mit härtester kirchlicher Strafe - der Exkommunikation!" Da kam endlich Bewegung in die Sache. Binnen 14 Tagen erwarb die Gemeinde für den Pastor ein altes Bauernhaus aus Fachwerk am unteren Ende der Lukasgasse.

Die Straße ist nach dem ersten Pfarrer benannt, der dort einzog: Georg Lucas (1770-1777). Das Haus war klein und notdürftig eingerichtet. 100 Jahre lang beherbergte es die Geistlichen, sofern sie das altersschwache Pastorat nicht gegen eine hellere Mietwohnung tauschten. Lichtmangel herrscht im neuen Pfarrhaus nicht. Es hat 36 Fenster, durch die es inzwischen auch nicht mehr zieht und tropft. Denn in Abstimmung mit der Denkmalbehörde durften Doppelglasfenster eingebaut werden, Spezialanfertigungen nach dem alten Vorbild.

Im Erdgeschoss gehen Historie und Moderne eine enge Verbindung ein. Im Besprechungsraum grüßen von einem hohen Schrank vier hölzerne Evangelisten aus der Zeit der Jahrhundertwende, auf einem Podest liegt aufgeschlagen ein Messbuch von 1895. In den Räumen gegenüber, wo das Pastoralbüro untergebracht ist, herrscht neuzeitliche Funktionalität mit hellen Büromöbeln und aktueller Technik.

Doch schon im Flur zum Treppenhaus bleibt buchstäblich wieder alles beim Alten. Dort hat Ollig einen Lüster aus seinem Elternhaus angebracht und das Klavier aufgestellt, auf dem er früher mit seinem Bruder gespielt hat.

Auf dem Instrument steht eine etwa 150 Jahre alte Versehlampe, mit der ein Messdiener früher dem Pfarrer den Weg zu einem Sterbenden leuchtete. Auf der ersten Etage hat er seine Privatzimmer mit vielen älteren Holzmöbeln. Gegenüber liegt das Arbeitszimmer mit Schreibtisch und Bibliothek. "Etwas an die Wand zu hängen, ist allerdings schwierig.

Teils verbirgt sich noch Lehmputz in den Wänden. Darin hält nichts." Das Dachgeschoss wurde 1994 ausgebaut und war zeitweilig an Kirchenbedienstete vermietet, heute nutzt es der Pfarrer selbst. "Schade nur, dass das Haus keinen Garten hat", bedauert Ollig. Stattdessen existiert ein gepflasterte Hinterhof, wo er es sich mit Pflanzen gemütlich gemacht hat.

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p class="text"> Steckbrief##ULIST##

Objekt: Pfarrhaus St. Matthäus, Lukasgasse 8, Alfter

  • Baujahr: 1874
  • Baustil: preußischer Backsteinbau
  • Denkmalschutz: seit dem 29. März 1988
  • Wohnfläche: 255 Quadratmeter
  • Früher und heute: Pfarrhaus
  • Letzte umfassende Sanierung: 1994/95