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Wilhelmstraße in Königswinter: Dauerbaustelle: Arbeiten an Bahntrasse sollen im Juli beendet werden

Wilhelmstraße in Königswinter : Dauerbaustelle: Arbeiten an Bahntrasse sollen im Juli beendet werden

Dauerbaustelle Wilhelmstraße. Im Juli sollen nun endlich die Bauarbeiter abziehen. "Dann ist die Gesamtmaßnahme beendet", sagt Albert Koch. Lediglich die acht Bäume an der Häuserfront müssen dann im Herbst noch gepflanzt werden. "Wir arbeiten ja nicht langsam, um die Leute zu ärgern", betont der Leiter des Bereiches Ver- und Entsorgung bei der Stadtverwaltung Königswinter.

Nicht ohne Grund: Eigentlich sollte schon Ende vergangenen Jahres die Parallelstraße zur Hauptstraße an der Eisenbahnlinie parat sein. Und so spottet denn auch ein Passant: "Wir haben hier schon Jahrgedächtnis." Aber: Zwei Kabel legten die Baustelle über lange Zeit lahm. Nicht das einzige tückische Problem.

Minustemperaturen: Wochenlang passierte scheinbar gar nichts. Das hatte aber nicht nur mit den andauernden Minustemperaturen zu tun, die noch zusätzlich den Ablauf verzögerten. Vielmehr ähnelte das Buddeln im Erdreich dem Betrieb an einer spannenden archäologischen Ausgrabungsstelle. Nur wurden dabei unterirdisch keine römischen Tonscherben entdeckt. Dafür aber Kabel, von denen keiner wusste, welche Funktion sie haben. Besonders zwei dicke Stränge bereiteten Kopfzerbrechen. Möglicherweise hing der Bahnverkehr von Köln nach Koblenz an solch einem gebündelten dicken Strang.

Kabelsalat: "Unter den Fundamenten an der Mauer zur Bahntrasse lagen die beiden Kabel. Und es war nicht klar, wem die gehören", erläutert Albert Koch. Während heute Kabelträger eindeutig gekennzeichnet sind, wurden sie früher einheitlich schwarz ummantelt. Bei solchen Exemplaren mit einem Durchmesser von fast zehn Zentimetern und etwa 30 gebündelten Einzeldrähten zuckten auch die Fachleute von der Bahn zurück, die Leitungen einfach zu kappen.

"Sie forschten intensiv nach. Richtige Bestandspläne gibt es nicht", so Gerhard Bendig vom Ingenieurbüro Bendig, der für die Stadt die Bauleitung hat. Es dauerte also, bis die Prüfung beendet war und sich herausstellte, dass es sich um tote Kabel handelte. "Ihre Lage wechselte auch, sie waren teilweise als Schleifen versteckt", erläutert Walter Stricker aus dem Bereich Technische Planung die vertrackte Kabelsituation. Albert Koch: "Das war eine Piddelsarbeit, man konnte nicht mit dem Bagger ran." Viel zu groß war die Furcht, die Bahn lahmzulegen und für Folgekosten eines Stillstands haftbar gemacht zu werden.

Sondermüll: Kabel hatten sich auch in den Stümpfen der Bäume verhakt, die im März des vergangenen Jahres zum Auftakt der Maßnahme entlang der Trasse weichen mussten. Im Sommer wurden dann der Mischwasserkanal erneuert, die Dichtigkeit der Hausanschlüsse geprüft und saniert und die Schwarzdecke abgetragen. Hier ergab sich auch bereits ein Problem, das Zeit und Geld kostete: Der Boden des alten Straßenkörpers bis zur Bahn wurde untersucht und wies im Randbereich bis in Tiefen von 80 Zentimetern Belastungen von Bremsstäuben auf. Auch hier hieß es zunächst, die Analysen abzuwarten. Anschließend musste die Erde auf die Sondermülldeponie in Sankt Augustin verfrachtet werden. Koch: "Das hat Mehrkosten von 40 000 Euro verursacht. Mit dieser Belastung war in diesem Bereich nicht zu rechnen."

Gabionenwand: In der Bürgerversammlung hatten die Anwohner eine Gabionenwand - das ist eine Mauer aus Steinen im "Korb" - als Abgrenzung zur Bahntrasse gewünscht. Die entsteht nun in einer Höhe von 150 Zentimetern. Gerhard Bendig: "Das ist die erste Gabionenwand in dieser schmalen Breite von 25 Zentimetern. Normalerweise ist sie doppelt so dick. Soviel Platz war aber nicht." Auch hier musste die Bahn eingeschaltet werden, wurden Statiker auf den Plan gerufen, waren Genehmigungen erforderlich.

Albert Koch: "Das dauert einfach." Nun wird ein breiteres Fundament für die Wand gegossen, denn in die Tiefe zu gehen funktioniert nicht wegen besagter in der Erde liegenden Bahn-Kabel. Mit einem kleinen Bagger wird der Graben längs der Bahntrasse für das Fundament ausgehoben, so der Plan. Dabei werden auch die toten Kabel Stück für Stück aus der Erde geholt. Wegen der Erschütterung durch den Bahnbetrieb darf hier aus statischen Gesichtspunkten nur Abschnitt für Abschnitt in Angriff genommen werden.

Wenn die Gabionenwand fertig ist, wird sie begrünt. An der Bahnseite werden Sträucher gepflanzt. Die Fahrbahn erhält noch eine Asphaltdeckschicht. Dafür muss die Wilhelmstraße nochmals für wahrscheinlich zwei Tage komplett gesperrt werden - das Ende einer Dauerbaustelle bahnt sich an.

Wer nach dem Straßenbau an seinem Haus Verschönerungsmaßnahmen plant, kann im Zuge der Altstadtsanierung Fördermittel beantragen. Donnerstags, 14 bis 18 Uhr, ist das Stadtsanierungsbüro, Drachenfelsstraße 13, zur Beratung geöffnet. Ein Termin kann zwischen 10 und 14 Uhr vorab vereinbart werden unter der Rufnummer 0211/56 0020.