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Moschee in Witterschlick: Der Innenausbau hat begonnen

Moschee in Witterschlick : Der Innenausbau hat begonnen

Die Türkisch-Islamische Gemeinde Witterschlick investiert in ihre Moschee 1,5 Millionen Euro. Die Fertigstellung der Neubauten an der Raiffeisenstraße im Gewerbegebiet von Witterschlick wird wohl frühestens im Spätherbst möglich sein.

Vorsicht! Stolpergefahr. Zurzeit wird die Fußbodenheizung verlegt. Es wird also noch dauern, bis die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Alfter-Witterschlick ihre neue Moschee und das Gemeinde- und Kulturzentrum in Besitz nehmen kann. "Am liebsten wären wir hier schon längst eingezogen", sagt der Vorsitzende des Gemeindevereins, Ali Kemal Güven.

Aber die Fertigstellung der Neubauten an der Raiffeisenstraße im Gewerbegebiet von Witterschlick wird wohl frühestens im Spätherbst möglich sein. Bis dahin bleibt es bei den beengten Verhältnissen in der Nettekovener Straße, wo kleine Kinder im Gebetsraum schon mal Ball spielen, weil sonst kein Platz ist. Vor allem fehlt dort ein Versammlungsraum.

Seit 2003 war die Gemeinde daher auf der Suche nach einem neuen Standort. Bis zu 1,5 Millionen Euro investiert die Türkisch-Islamische Gemeinde in ihr Bauvorhaben auf dem rund 2600 Quadratmeter großen Grundstück an der Raiffeisenstraße, auf dem im Januar dieses Jahres das Richtfest gefeiert wurde. Rund 500 000 Euro bringt die Gemeinde selbst auf, der Rest wird durch Spenden abgedeckt.

Stolz führen Güven, sein Stellvertreter Osman Gün und Vereinssekretär Hamdi Uzun durch den Rohbau, in dem der Innenausbau begonnen hat. Von der Moscheekuppel baumeln aus elf Metern Höhe bereits die Elektrokabel, an die später ein Kronleuchter angeschlossen wird.

"Rund 180 Männer können sich parterre zum Gebet versammeln, oben auf der Empore finden etwa 70 Frauen Platz", rechnet Sekretär Uzun vor. Die Wände des Gebetsraums werden schlicht geweißt und mit Koranversen und Schriftzeichen geschmückt. "Aber die Motive haben wir uns noch nicht ausgesucht", sagt Güven.

Auch das 16,20 Meter hohe Minarett steht schon, dessen Spitze ebenso wie die Moscheekuppel mit Zink verkleidet wird. Es wird ein "stilles" Minarett sein, der Ruf zum Gebet wird nur im Innern zu hören sein. "Es hat für uns symbolischen Wert und signalisiert nach außen hin: Hier ist eine Moschee", erläutert Uzun.

Ein kleiner Innenhof, der später vielleicht einmal überdacht wird, dient als Verbindung zum angrenzenden, zweistöckigen Gemeinde- und Kulturzentrum, das ebenso wie die Moschee voll unterkellert ist.

Es gibt einen Krabbelraum für Kleinkinder und Räume für die Jugend; Mädchen können sich in ein eigenes Zimmer zurückziehen ebenso wie Senioren. Auch die Frauen bekommen einen Treffpunkt, für Gäste gibt es eine Übernachtungsmöglichkeit.

Im Untergeschoss erstreckt sich unter anderem ein etwa 200 Quadratmeter großer Mehrzwecksaal für Feiern, Fastenbrechen und kulturelle Veranstaltungen sowie ein ausgedehnter Sport- und Spielbereich für die Jugend.

Das Erdgeschoss beherbergt eine Teestube mit Zugang zum Außenbereich, einen Jugendtreff und drei Seminarräume, in denen man etwa zur Koranlehre, zum Sprachkursus oder zur Hausaufgabenhilfe zusammenkommen kann. Im ersten Stock wird eine Wohnung für den Imam eingerichtet, zurzeit ist das Murat Erdogan. 36 Parkplätze sind auf dem Grundstück geplant sowie ein Kinderspielplatz.

Nach dem Umzug soll das Gebäude in der Nettekovener Straße, das die Gemeinde 1996 erwarb, verkauft werden. Nach Angaben von Sekretär Uzun wurde damit ein Immobilienmakler beauftragt. Er hat bereits einen Interessenten, der an einen Abriss und den Neubau von Einfamilienhäusern denkt.

Die Gemeinde

In den 70er Jahren kamen die ersten Gastarbeiter aus der Türkei auch nach Witterschlick, wo sie einen Türkisch-Islamischen Kulturverein gründeten. Er bezog Anfang der 80er Jahre einen Gebäudekomplex an der Nettekovener Straße 12 und richtete dort eine Moschee ein, deren Räume im Laufe der Jahre zu klein geworden sind. Offiziell sind als Mitglieder mehr als 200 männliche Haushaltsvorstände erfasst. Mit den Familienangehörigen kommt die Gemeinde auf etwa 600 Mitglieder aus Alfter, Rheinbach, Meckenheim, Bornheim und Bonner Stadtteilen. Seit 1986 gehört der Verein zum Dachverband DITIB - Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion mit Sitz in Köln. Damit einher ging eine Namensänderung: Der Verein heißt heute Türkisch-Islamische Gemeinde zu Alfter-Witterschlick.