1. Region

Ausstellung "Otto Pankok (1893-1966) in Ahrweiler: Der Künstler war auch Flüchtling und Lebensretter

Ausstellung "Otto Pankok (1893-1966) in Ahrweiler : Der Künstler war auch Flüchtling und Lebensretter

Das Museum der Stadt Ahrweiler zeigt die Verfolgten des Nationalsozialismus im Spiegel der Kunst von Otto Pankok.

Künstlerische Qualität und eine humane Botschaft transportiert die Ausstellung "Otto Pankok (1893 - 1966): "Kunst als Mittel des Widerstands" im Museum der Stadt im Themenjahr "Stolpersteine". Tief empfundene Anteilnahme mit dem Leid der Ausgegrenzten und Verfolgten der NS-Zeit spricht aus den rund 60 Bildern. Beigeordneter Rudi Frick dankte bei der Eröffnung in der ehemaligen Synagoge Pankoks Tochter Eva für die Leihgaben zur "hochkarätigen Ausstellung". Pankok habe gezeigt, "wie man bei aller persönlichen Angst, bei Selbstzweifel und Verunsicherung seine Menschlichkeit behält".

Der Künstler, Ehefrau Hulda, Journalistin, und Tochter Eva, selbst Malerin, "haben für die Menschlichkeit gestritten", sagte Annette Burger, künstlerische Leiterin des Otto-Pankok-Museums in Hünxe. Gemeinsam bauten Hulda und Eva Pankok das Museum bei Wesel auf. "Es ist nicht nur eine Kunst, die man auf sich wirken lässt, sondern über die man sprechen muss", betonte Museumsleiterin Heike Wernz-Kaiser.

Regionalhistoriker Hans-Dieter Arntz skizzierte in seinem Vortrag über den "Flüchtling, Künstler und Lebensretter" den Lebensabschnitt 1941 bis 1945, als Pankok trotz Mal- und Ausstellungsverbot seine von den Nazis als "entartet" geächtete Kunst im Stillen weiter betrieb. Schon in den frühen 1930ern entstand der Zyklus "Passion", wobei der Künstler Christi Leiden mit Motiven und Gesichtern befreundeter Zigeuner aus dem Düsseldorfer Heinefeld ausgestaltete.

Die Gestapo observierte ihn. Man riet ihm, Blumen und Landschaften zu malen, worauf der Unbeugsame nach einer Atelierdurchsuchung auf den Tisch schlug und rief: "Jetzt gerade Christus." 1936 folgte der Zyklus "Jüdisches Schicksal". Pankoks verließen Düsseldorf und lebten nach häufigen Ortswechseln von 1942 bis '46 im Eifeldorf Pesch.

Kurz vor Kriegsende gewährten sie einem Polen und einem Russen, geflohene Fremdarbeiter, Unterschlupf. Auch der Maler Mathias Barz und seine jüdische Ehefrau Brunhilde, Schauspielerin, flohen zu Pankoks. Voller Mitgefühl für die Verachteten, Unterdrückten und Verfolgten reagierte Otto Pankok auf die Ereignisse. Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, zählt Pankoks nach dem Krieg entstandene Bilder von überlebenden Sinti "zu den bedeutendsten Beiträgen künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Holocaust an unserer Minderheit".

Das Museum präsentiert markante Holzschnitte, große, düstere Kohlezeichnungen und lyrische Radierungen, die Einsamkeit und Elend der Verfolgten ebenso wie die Hilflosigkeit angesichts der Unmenschlichkeit des rassistischen Systems zeigen. In solchen Zeiten klingen selbst die Neujahrsgrüße an Freunde beklemmend. "1939 ist mit Vorsicht zu betreten", schrieb Otto Pankok.

Die Ausstellung ist bis 18. November mittwochs bis freitags und sonntags, 10 bis 17 Uhr, samstags 13.30 Uhr bis 17 Uhr geöffnet.