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Die Voreifelbahn macht Fortschritte

Die Voreifelbahn macht Fortschritte

Der Betrieb auf der Voreifelstrecke Bonn-Euskirchen (RB 23) hat sich in den vergangenen Wochen weiter normalisiert. N

Nachdem das neue Elektronische Stellwerk in Euskirchen mehrere Wochen für Verspätungen, Zugausfälle und technische Störungen an Bahnübergängen gesorgt hatte, kommt es kaum noch zu größeren Beschwerden von Fahrgästen.

Das bestätigte Holger Klein, Pressesprecher des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR). Auch im GA-Blog "Abenteuer Eisenbahn" berichten Pendler nur noch von geringen Verspätungen.

Die Deutsche Bahn hat bislang lediglich bestätigt, dass das Mitte September eröffnete zentrale Stellwerk Ursache für die Probleme gewesen sei und erklärt, dass man "mit Hochdruck" an der Beseitigung der Mängel arbeite. Nach wiederholter Anfrage des General-Anzeigers hat sich jetzt die DB-Pressestelle für NRW erstmals ausführlicher zum Thema geäußert.

Die digitale Schaltzentrale, die die alten mechanisch betriebenen Stellwerke entlang der 34 Kilometer langen Strecke ersetzte, stellt demnach eine bundesweite "Premiere" dar. Es handelt sich laut Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann um das erste elektronische Stellwerk der Bauform ESTW B 950 des Herstellers Bombardier in Deutschland. Es steuert rund 90 Signale, 18 Weichenantriebe und 26 Bahnübergänge.

Doch kam es dem Sprecher zufolge sowohl im Stellwerk als auch an Bahnübergängen zu technischen Störungen. An zwei Übergängen - Aachener Straße in Rheinbach und Lochnerstraße in Kuchenheim - funktionierten die Schranken zeitweise überhaupt nicht, so dass Streckenposten mit Flatterbändern die Sicherung übernehmen mussten. All das störte den Betrieb, führte zu Verspätungen und Ausfällen. Noch im November gab es drei Tage mit besonders vielen Aussetzern, wie der NVR festgestellt hat.

Was die Bahn gegen die Unregelmäßigkeiten getan hat? In Odendorf und in Meckenheim, wo es neue, aber nur umständlich zu erreichende Außenbahnsteige gibt, setzte sie Service- und Sicherheitspersonal ein. Laut Pohlmann wurden an beiden Stationen sogenannte dynamische Fahrgastanzeiger installiert, die auch über Abweichungen vom Fahrplan informieren sollen.

Am Stellwerk in Euskirchen versucht unterdessen der Hersteller Bombardier, die Fehler in den Griff zu bekommen. "Die festgestellten Störungen werden permanent dokumentiert und ausgewertet", erklärt Pohlmann. "Die Entstörungsarbeiten werden routiniert und zügig durchgeführt. Außerdem hat sich die Bedienung der neuen Anlagen durch die Fahrdienstleiter inzwischen eingespielt." Dadurch habe sich die Situation bereits gebessert.

Geplant sind zudem drei Softwareupdates zur Verbesserung der Stellwerkstechnik, die laut Pohlmann aber erst im ersten, zweiten und vierten Quartal 2012 umgesetzt werden können. Bedingt sind diese Verzögerungen durch den neuen Stellwerksbautyp, mit dem es noch keine Erfahrungen gibt. "Für die Einspielung der neuen Software sind teilweise noch Systemzulassungen erforderlich. Der Hersteller braucht eine Genehmigung vom Eisenbahnbundesamt", so Pohlmann weiter.

Probleme gibt es allerdings nach wie vor mit den Zügen selbst - genauer gesagt: mit der Verfügbarkeit. Das wird aus einem Schreiben des NVR an den Alfterer Nahverkehrspolitiker und Vizebürgermeister Michael Schroerlücke (Grüne) deutlich. Demnach stehen sieben Talent-Züge wegen diverser Defekte und Schäden "längerfristig" in der Werkstatt, so dass die DB Regio auf Euregio-Züge und erneut auf alte Dieselloks zurückgreifen muss.

Michael Schroerlücke erkennt zwar an, dass sich die Bahn Mühe gebe. Doch sieht er keine Anzeichen dafür, dass die Bahn für Verspätungen Vorsorge trifft und eine weitere Zugeinheit vorhält. "Also nimmt der Betreiber weiter Zugausfälle in Kauf", erklärte der Politiker. [Inline Blog]