Dat is Rheinisch! Do han isch misch zom Schänzje jesöck

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: Schänzje.

 RRA DiR Rheinisch Kolumne

RRA DiR Rheinisch Kolumne

Foto: GA-Grafik

In der Welt der Redensarten gibt ganz verschiedene Klassen. Da sind zum Beispiel die Formulierungen, die sowohl im Dialekt als auch im Hochdeutschen vorkommen. Da ist es ganz unterschiedlich, ob sie aus der Mundart stammen und in die Hochsprache gewandert sind oder umgekehrt.

Eine sehr charakteristische rheinische Redewendung, die ganz klar aus dem Dialekt stammt, lautet: „Do han isch misch zom Schänzje jesöck!“ Auf gut Hochdeutsch würde man sagen: Da habe ich mich zum Schänzchen gesucht! Dreh- und Angelpunkt zum Verständnis ist da das Wort „Schänzchen“, das nicht mehr Bestandteil unserer Alltagssprache ist.

Schänzchen und der Reisig

Man muss also tief graben, um die Bedeutung des Wortes zu ermitteln. Das hat Mundartforscher Peter Honnen in seinem Wörterbuch zur Alltagssprache „Wo kommt dat her?“ gemacht, und er hat gefunden, dass im Dialekt die Schanze ein Reisigbündel bezeichnet.

Damit wurden früher die Öfen angezündet und auch Abwehrbefestigungen des Militärs gebaut. Jetzt ist es ein relativ weiter Weg vom Reisigbündel zu der Bedeutung, die etwa „zum Schänzchen suchen“ transportiert. Heißt das doch, dass jemand sehr lange und ausführlich und meistens auch vergeblich nach etwas gesucht hat. Zum Schänzchen arbeiten beschreibt folglich eine sehr langwierige und schwierige Arbeit.

Schweißtreibende Arbeit

Der Sprachforscher leitet nun her, dass sich in früheren Zeiten die Bauern im Kriegsfalle an der Sicherung der Festung beteiligen mussten. Die Arbeit, die Schänzchen anzubringen, schien da sehr aufwendig und folglich nicht sehr beliebt zu sein. So sprang die Bedeutung von Schänzchen auf schweißtreibende Arbeit über, ganz ähnlich wie es Viren tun, die zuerst nur unter Tieren kursieren und dann den Sprung auf den Menschen schaffen.

Auf diese Art und Weise hat eine alte Kulturtechnik in der Sprache überlebt. Anders als im Alltag, denn das Reisigbündel hat nach Erfindung der Heizung ganz klar an Popularität verloren.

Weitere Kolumnen sind in dem Buch “Rheinisch für Fortgeschrittene” erschienen, Edition Lempertz. Hören Sie auch unseren Podcast “So geht Rheinisch” auf allen Podcastplattformen. Haben Sie auch eine rheinische Lieblingsredensart? Dann schreiben Sie uns an: rheinisch@ga.de