Martinsmarkt in Löhndorf: Dort ticken die Uhren anders

Martinsmarkt in Löhndorf : Dort ticken die Uhren anders

Im Rosendorf Löhndorf locken Martinsmarkt, Festtagsrede und Bürgerempfang nicht am Wochenende. Dort trifft man sich an einem Montag.

Strahlend blauer Himmel, null Grad, es dampft und duftet aus dem Glühweinkessel ebenso wie aus dem Forellen-„Räuches“. Ein ganzes Dorf ist auf den Beinen und rückt am Gemeindehaus „Alte Schule“ eng zusammen. Die Kindergartenkinder von Sankt Georg freuen sich über den Weckmann, nachdem sie im Saal für die Gäste des Bürgerempfangs die Mantelteilung des Heiligen Sankt Martin nachgespielt haben. Der Männergesangverein (MGV) „Liederkranz“ um den Vorsitzenden Hans-Joachim Weiß bringt trotz Kälte den Buden-Besuchern ein Open-Air-Ständchen. Es ist Montag in Löhndorf, andernorts ein normaler Arbeitstag, aber im Rosendorf ticken seit 20 Jahren an diesem Montag die Uhren anders. Denn dann präsentiert sich der zu Sinzig gehörende Ort mit seinem Martinsmarkt der regionalen Genüsse.

„Da kann der Tag schon mal 18 Stunden haben“, freut sich Ortsvorsteher Michael Kappl über die große Resonanz bei den Bürgern, von denen mancher in den Vorjahren wohl erst weit nach Mitternacht das Marktfeld geräumt hat. „Fit in die Zukunft“ heißt das Motto des Tages und die Löhndorfer scheinen, was das angeht, gut aufgestellt zu sein. Dass das Zusammenspiel der 1400 Einwohner klappt, das ist weit über Löhndorfs Grenzen hinaus bekannt. Ob und wo der Schuh drückt, das will der Festausschuss trotzdem wissen und hat im Vorfeld eine Befragung in den 550 Haushalten durchgeführt.

Das Ergebnis wird in die Ausstellung „Das Zusammenleben der Generationen im Dorf“ eingebunden. So finden sich zwischen historischen Fußball- oder Karnevalsfotos, dem Familienbuch der Pfarrei aus dem Jahr 1675 oder dem Foto von Mika Münch (elf Tage alt) als jüngster und Willi Schauer (95) als ältester Bewohner auch die Antwortbögen wieder. „Eine Kneipe fehlt“, heißt es da, oder „der ÖPNV lässt zu wünschen übrig“ und „die KSK-Filial-Schließung ist negativ“. Die kleine Hannah, sechs Jahre alt, vermisst eine Seilbahn nach Heimersheim. Letzteres sorgt für Schmunzeln beim Bürgerempfang, doch die Meinung von Kindern und Jugendlichen aus einem Dorf, das nicht zur Schlafstatt verkommen, sondern in denen sich eine Familie wohlfühlen soll, ist den Löhndorfern wichtig.

„Austausch ist der Kit der Gesellschaft“, greift die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil als Festrednerin den Faden auf. Dörfer lebendig halten sei nur zum Teil Aufgabe der Kommunalpolitik. „Wir erreichen nichts, wenn Sie nicht mitziehen und das ehrenamtliche Engagement fehlt. Wo sind die Talente im Ort? Lassen Sie uns die demografische Entwicklung positiv nehmen, indem wir nicht nur auf die jungen Leute schielen, sondern auch die aktiven Rentner mit ins Boot holen“, so Heil.

Mit Blick auf finanzierbares Bauland ist sie der Meinung: „Ein Ort muss auch wachsen dürfen. Und wir müssen die Leerstände mobilisieren, damit ein junger Mensch, der im Dorf bleiben möchte, eine kleine Wohnung findet. Außerdem sei die Frage erlaubt, ob barrieregerechtes Wohnen wirklich nur Privatsache ist.“

„Löhndorf steht für vieles, was die Zukunft ausmacht“, lobt Landrat Jürgen Pföhler das „Muster- und Vorzeigedorf“. Er dankt „seinem“ Kreisbeigeordneten und dem langjährigen Ortsvorsteher Friedhelm Münch für seine Weitsicht, als er vor 20 Jahren die Idee des Martinsmarktes in die Tat umsetzte. Nach dem Singen der Nationalhymne können sich alle Gäste davon überzeugen, wie sich Jung und Alt gegenseitig unterstützen. So sind die Junggesellen um Lars Frank dafür zuständig, dass niemand verdurstet, die Möhnen laden ebenso ein wie der Angelverein, der MGV verkauft Wein, Gudrun Zirfas lockt mit Lebkuchen, der Rosenverein mit Bowle, die Feuerwehr mit Kaffee und Kuchen und Elisabeth Groten mit Blumen. Für den, der vielleicht wirklich zu spät nach Hause kommt und sich entschuldigen möchte.