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Drei Mal lebenslang im Kölner Prozess ohne Leiche

Drei Mal lebenslang im Kölner Prozess ohne Leiche

Landgericht Köln: Mann brachte seine Ehefrau nach einem gemeinsamen Plan mit zwei Verwandten um

Köln. (dpa) Im Prozess um das ungeklärte Schicksal einer 2007 verschwundenen 33-Jährigen hat das Kölner Landgericht drei Angeklagte zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Ehemann der Verschwundenen, seine Schwester und ihr Ehemann wurden am Freitag wegen gemeinschaftlichen Mordes verurteilt.

Der Autobauer habe seine Frau im April 2007 in ihrer Wohnung nach einem gemeinsamen Plan des Trios getötet. Motiv sei gewesen, jeglichen Einfluss der Mutter auf ihren fünfjährigen Sohn auszuschließen. Der heute 46 Jahre alte Ehemann lebte getrennt von seiner Frau. Schwester und Schwager, kinderlos, wollten den Jungen um jeden Preis bei sich aufwachsen lassen.

In dem 16 Monate andauernden Prozess hatten die drei Angeklagten beharrlich geschwiegen und ihre Verteidiger erklären lassen, sie seien unschuldig. Die Leiche der Frau war nie gefunden worden. Dennoch hatten die Richter wegen vieler Indizien "keine vernünftigen Zweifel" an der Täterschaft der Angeklagten.

120 Zeugen waren im Prozessverlauf gehört worden. Die Richter mussten 20 Befangenheitsanträge über sich ergehen lassen, die alle abgelehnt worden waren.

Am Ende folgten die Richter der Forderung des Staatsanwalts nach lebenslanger Haft.

"Ein ziemlich genaues Zeitraster" von Telefondaten hätten den Ehemann der Ermordeten überführt. Zudem habe der 46-Jährige in - von der Polizei abgehörten - Selbstgesprächen in seinem Auto gesagt, er habe seine Frau "tot gemacht".

Aber auch die Tatsache, dass er den gemeinsamen Sohn kurz nach der Tat auf seine eigene Adresse umgemeldet habe, spreche für sich, erklärte das Gericht. Die beiden anderen Verurteilten hätten aus "purer Eigensucht, kaschiert durch den Mantel der Kinderliebe", gehandelt. Alle drei wollen gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.