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Königswinterer Schüler unterstützen Flüchtlinge: Ein kleiner Urlaub vom Alltag

Königswinterer Schüler unterstützen Flüchtlinge : Ein kleiner Urlaub vom Alltag

Den ersten und bislang einzigen Flüchtling, den Jasper Rühl kennengelernt hat, traf er bei den Führerscheinvorbereitungen. Der 24-jährige Somalier erzählte ihm, dass er mit dem Boot nach Europa gekommen sei und sich nun alleine durchschlage, bis er seine Familie nachholen könne.

"Es ist gut, wenn man sich ein eigenes Bild macht", sagt der 17-jährige Schüler von der Jugenddorf Christophorusschule Königswinter (CJD). Dazu haben er und 24 Mitschülerinnen und Mitschüler zwischen 15 und 18 Jahren in den kommenden Wochen und Monaten Gelegenheit: Zwischen dem Forum Ehrenamt und der CJD-Schule ist gerade eine Kooperation angelaufen, zu der die Schüler selbst den ersten Anstoß gegeben haben.

Sie werden Flüchtlingskinder treffen, um mit ihnen etwas zu unternehmen. Sie wollen mit ihnen spielen, basteln, ins Kino gehen oder in den Zoo. Eben etwas Abwechslung in den Alltag im Flüchtlingsheim bringen. Jasper Rühl würde gerne Radfahren, Schwimmen oder Kochen. Philippa Schulte-Beckhausen, seine gleichaltrige Mitschülerin, besucht vielleicht mit einem Kind die Pferde ihrer Familie.

"Ich habe noch keine genaue Vorstellung, wie das wird", sagt sie. Aber sie ist gespannt, wie die Kommunikation ablaufen wird. "Es klappt sicher, notfalls mit Gesten", glaubt die 17-Jährige. Ein bisschen Unsicherheit, das gehört wohl mit dazu, wenn man etwas Neues in Angriff nimmt.

Vertrauen muss geschaffen werden

Neu ist das ebenso für die Flüchtlingskinder und deren Eltern. "Wir können natürlich nicht einfach dort vorbeischauen, sondern müssen zunächst Vertrauen schaffen", erklärt Lehrerin Judith Henz, Koordinatorin für soziales Engagement am CJD. Schließlich sind viele der Flüchtlinge vor einem grausamen Krieg geflohen. Das ist ein Grund dafür, dass Judith Hanz sich an das Forum Ehrenamt gewandt hat, das die ehrenamtliche Arbeit auf Königswinterer Stadtgebiet steuert. Dessen Leiter Jochen Beuckers sagte: "Für uns ist die Idee interessant, weil sie ermöglicht, jungen Menschen ein Stück Lebenswirklichkeit nahezubringen." Es könne der Grundstein für Engagement im Erwachsenenalter gelegt werden.

Ziemlich schnell stand die Grundidee, die Jugendlichen mit den Flüchtlingskindern außerhalb der Unterkünfte zusammenzubringen, um ihnen "einen kleinen Urlaub" außerhalb des Alltags zu ermöglichen. Bisher haben die Schüler des CJD in Steckbriefen für die Familien zusammengefasst, wer sie sind, wo sie leben und was sie in ihrer Freizeit machen. Eine Art Vorstellungspapier ist entstanden, das den ersten Kontakt erleichtern soll. Übrigens richtet sich das Angebot vorwiegend an Kinder bis zur siebten Klasse.

Das soziale Engagement spielt auf der Suche nach Ausbildungsplätzen und in Vorstellungsgesprächen laut Jochen Beuckers "eine zunehmend wichtige Rolle". Die beteiligten Schüler bekommen später eine entsprechende Bescheinigung.

Für Lehrerin Judith Henz entspricht der Einsatz für andere dem christlichen Menschenbild, das die Schule im Namen trägt: "Dass unser pädagogisches Leitbild vorgibt, sich auf jeden einzelnen einzulassen, bedeutet nicht, dass wir Ichlinge erziehen und ausbilden wollen, sondern verantwortungsbewusste Schülerinnen und Schüler, die das, was sie an unserer Schule mitbekommen, für andere einsetzen."

Beim Forum Ehrenamt melden sich täglich weiterhin rund zehn Bürger, die sich engagieren wollen. Helfer bekommen Auskunft unter Tel. 0 22 23/92 36 36.