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Einschränkungen im Eisenbahnverkehr zwischen Sechtem, Roisdorf und Bonn

Sechtem, Roisdorf und Bonn : Eingeschränkter Bahnverkehr für Pendler aus der Region

Wenig los ist aktuell an den Bahnhöfen in Sechtem und Roisdorf, wo nur noch eine Bahn pro Stunde und Richtung hält. Der Grund dafür befindet sich in Bonn.

Es ist nicht lange her, dass auf der Eisenbahnstrecke zwischen Sechtem und Bonn nichts mehr ging. Vier Wochen lang fuhr zwischen Mitte Juli und Mitte August kein Zug, stattdessen verkehrten wegen Arbeiten an der Oberleitung Busse. Nun fallen wieder Verbindungen aus. Dieses Mal nicht alle, aber Bahnreisende in Roisdorf und Sechtem müssen lange warten, bis ein Zug an ihren Bahnhöfen hält – bis zum 10. September.

Aufgrund neuerlicher Bauarbeiten fällt seit Montag die Regionalbahn (RB) 48 zwischen Brühl und Bonn-Mehlem aus. Zwar weist deren Betreiber National Express darauf hin, dass Reisende auf die RB 26 und den Regionalexpress (RE) 5 ausweichen können. Allerdings hält nur die RB 26 auch an den Vorgebirgsstationen – und das pro Richtung nur einmal in der Stunde.

Sechtems Ortsvorsteher Rainer Züge berichtet, dass seine Tochter am Montag massive Probleme hatte, morgens in den Zug zu kommen, um nach Bonn zur Schule zu fahren. Die Bahn, Abfahrt 7.17 Uhr, sei völlig überfüllt gewesen, weil in dieser auch die Menschen gewesen seien, die sonst früher oder später führen. Abstand halten zum Corona-Schutz sei schwerlich möglich gewesen, so Züge. Mit dem Problem dürfte die Tochter nicht alleine gewesen sein. Eine andere Sechtemer Pendlerin nach Köln berichtet, dass die Züge, die sie genommen habe, zwar nicht so voll gewesen seien, wie befürchtet. Allerdings kritisiert sie die mangelnden Informationen über die Einschränkungen. „Keiner aus dem ganzen ÖPNV-erfahrenen Bekanntenkreis hat vorher eine Ankündigung gesehen“, sagt sie. Roisdorfs Ortsvorsteherin Gabriele Kretschmer kennt keine Beschwerden. Allerdings können Reisende aus dem Ortsteil auch auf die Stadtbahnlinie 18 ausweichen – Sechtemer nicht.

Sperrpausen wegen Bauarbeiten sind lange im Voraus geplant

Kritik kommt derweil auch aus Bonn, wo es durch RB 26 und RE 5 immerhin zwei Verbindungen gibt, die fahren. Irmgard Henseler pendelt von Bonn zur Arbeit nach Köln-Süd. Durch die Einschränkungen seien die Züge noch voller als sonst, sagt sie. Zumal am Montag direkt eine ganze Schulklasse eingestiegen sei. Die Ursache für die Sperrung liegt in Bonn, genauer gesagt an der auf mehrere Jahre ausgelegten Sanierung der Viktoriabrücke in der Nähe des Hauptbahnhofs. Wie Isabel Klotz von der Pressestelle der Stadt Bonn sagt, werde aktuell die Westseite der Brücke abgebrochen. Aus diesem Grund sei es nötig, dass die Deutsche Bahn als Streckenbetreiberin ein Gleis sperrt.

Sperrpausen sind nach Angaben der Stadt Bonn überdies lange im Voraus abgesprochen beziehungsweise geplant. Das hat auch mit dem Zeitplan für die Brückenarbeiten zu tun. Eine Verquickung mit der langen Sperrpause für die Oberleitungsarbeiten im Sommer war daher nicht möglich.

Zuständig für die Organisation des Schienenpersonennahverkehrs in der Region ist der Zweckverband Nahverkehr Rheinland. Dessen Sprecher Benjamin Jeschor sagt, dass wegen der Gleissperrung nur eine RB- und eine RE-Linie pro Stunde fahren könnten. Die RB 26 fahre, weil sie etwas mehr Sitzplätze und eine längere Strecke habe als die RB 48. „Auch der Fernverkehr und der Güterverkehr müssen Einschränkungen hinnehmen“, sagt Jeschor.

Während der Bauarbeiten im Sommer hielt zur Entlastung der RE 5, aus Norden kommend, ausnahmsweise auch in Sechtem, fuhr dann wegen der Vollsperrung aber nicht weiter nach Bonn. Außerdem wurden dafür auf Kölner Stadtgebiet Haltepunkte ausgelassen. Ein Halt des RE 5 in Sechtem ist laut Jeschor nun aber keine Option. „Aufgrund der sehr engen Fahrlagen im Kölner Bahnknoten ist es nicht möglich, zwei zusätzliche Stopps einzulegen“, sagt er. Die Strecke sei schon jetzt überlastet. Grundsätzlich sei vorgesehen, dass die RB 26 mit drei statt zwei Wagen pro Verbindung fährt, sagt Jeschor weiter. Allerdings erst ab Dezember 2020. Derzeit reiche das vorhandene Kontingent nicht aus, neue Fahrzeuge seien bestellt. Zudem müsse der Bahnsteig in Mehlem noch verlängert werden.