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Rechtsextremismus: Euskirchner gibt Kampf gegen rechten Mob auf

Rechtsextremismus : Euskirchner gibt Kampf gegen rechten Mob auf

Der Euskirchener Rechtsanwalt Heinrich Schmitz bloggte über rechte Hetze gegen Flüchtlinge - doch nun gibt er sein Engagement auf. Wieso der Rheinländer nun kapituliert.

"Vielleicht kommt der Aufstand der Anständigen ja jetzt ohne meine Kolumnen endlich in Gang." So schreibt es der Euskirchener Rechtsanwalt Heinrich Schmitz auf seiner Facebook-Seite und verbreitet damit die Ankündigung seines Abgangs.

Nach über zwei Jahren hört Schmitz als Blogger beim Debatten-Blog "The European" auf, für den er unter dem Titel "Recht klar" Texte wie "Friede, Freude, Freital" schrieb und sich öffentlich immer wieder gegen fremdenfeindliche Hetze aussprach. Im Netz erreichte er damit große Bekanntheit, erntete Zustimmung - aber natürlich auch Kritik und Drohungen.

Jetzt reicht es dem Rheinländer. " Ich glaube, gesehen zu haben, dass meine Texte nicht die beabsichtigte Wirkung haben, und deshalb war ich nicht bereit, meine Familie zu gefährden", sagte er dem WDR in einem Interview.

Zwar unterstütze er weiterhin die Petition "HeimeOhneHass", mit den politischen Beiträgen sei es aber vorbei - und das hat einen traurigen Hintergrund.

Eine KapitulationserklärungAm 1. August erhielt Schmitz' Frau einen Anruf von der Polizei: man habe einen Anruf von ihrem Mann bekommen, dieser habe gestanden, sie umgebracht zu haben.

Jemand gab sich als Schmitz aus - und als Mörder

Eine dreister Angriff auf den Euskirchener, der zum Zeitpunkt des Anrufs neben seiner Frau im Auto saß und wenig später schockiert erfuhr, dass auch seine Tochter einen solchen Anruf erhalten hatte. Der Anrufer hatte der Polizei außerdem erklärt, dass sich die Leiche im Haus der Familie befinde, woraufhin dieses von der Polizei durchsucht wurde.

Vielen Dank für die vielen öffentlichen und nichtöffentlichen Solidaritätsgesten. Das hat uns sehr gut getan.

Heinrich Schmitz (@SchmitzHeinrich) 8. August 2015Der Vorfall hat eine weitere dramatische Vorgeschichte die belegt, wie aggressiv der braune Mob mittlerweile gegen ihre vermeintlichen politischen Gegner vorgehen. So erhielt auch der Gründer der "HeimeOhneHass"-Petition, ein Potsdamer Student, Anrufe in denen ihm gedroht wurde, seine Familie umzubringen.

Dabei nannten die Anrufer auch gleich Namen und Anschrift der Familienmitglieder. Der Student nahm die Petition, die mittlerweile über 61.000 Unterzeichner hat, kurzzeitig aus dem Netz. "Der Ersteller sieht sich, aus nachvollziehbaren Gründen, nicht mehr in der Lage, sie weiter zu führen – wir geben nicht auf!, schreibt die Initiative.

"Mein erster Gedanke nach der Einschüchterung war: 'Jetzt erst recht!'", sagt Schmitz. Mit Beleidigungen und Drohbriefen war er auch schon vorher immer wieder konfrontiert. Die direkten Angriffe auf seine Familie und die dadurch entstandenen Ängste seiner Frau und Tochter hätten jedoch zu einem Umdenken geführt.

Vielleicht kommt der Aufstand der Anständigen ja jetzt ohne meine Kolumnen endlich in Gang. Schön wärs #HeimeOhneHasshttp://t.co/xdOQD2Vixr.

Heinrich Schmitz (@SchmitzHeinrich) 10. August 2015Jetzt versuche er, das öffentliche Interesse an seiner Geschichte zu nutzen: "Es schreiben Leute bei Facebook, sie fühlen sich berufen, mit 100 Leuten an meine Stelle zu treten, wenn sie sehen, dass ich aufgebe. Ich hoffe, dass das nicht nur ein mediales Strohfeuer für zwei, drei Tage ist, sondern tatsächlich einige Menschen zum Umdenken bewegt", sagte Schmitz.

Hoffnung, dass die Anrufer, die ihn und seine Familie versuchten einzuschüchtern, gefasst werden hat der Rechtsanwalt, der seit 1987 in Euskirchen eine Kanzlei führt, jedoch nicht. Auch Schutz für sich und seine Familie durch die Behörden sei nicht zu bekommen. "Und von den Institutionen kann man relativ wenig Unterstützung erwarten. Schutz von der Polizei zu bekommen, können Sie vergessen", so Schmitz, der aber nicht nur die Polizei sondern auch seine Mitbürger angreift.

Er sei jetzt auch ein "besorgter Bürger" sagt er in Anspielung auf die Pegida-Demonstranten.

Solidarität mit @SchmitzHeinrich. Müssen gemeinsam zusammenstehen gg. rechte Hetze. http://t.co/sieQrdH5Ch.

Heinrich Schmitz (@SchmitzHeinrich) 8. August 2015

Eine Rückkehr als Blogger sei für ihn erst vorstellbar, wenn "so eine Petition nicht von 50.000, sondern von 500.000 Leuten unterschrieben wird". Das, so Schmitz, sei dann ein "deutliches Signal an diese komischen Demonstranten, die sich ja selber immer einreden, sie wären das Volk".

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