Zustand des Waldes: Förster sorgt sich um Fichte und Esche im Kreis Ahrweiler

Zustand des Waldes : Förster sorgt sich um Fichte und Esche im Kreis Ahrweiler

Der heimische Wald ohne eine einzige Fichte? Für Forstamtsleiter Bolko Haase durchaus eine realistische Aussicht. Der Klimawandel sorge dafür, dass es die Nadelbaumart in 100 Jahren nur noch in Höhenlagen geben wird. Doch auch die Esche ist in Gefahr.

Der heimische Wald ohne eine einzige Fichte? Das ist keine Fiktion für Forstamtsleiter Bolko Haase. „In 100 Jahren wird es bei uns keine Fichten mehr geben“, prognostiziert er. Und das habe nichts mit dem Waldsterben zu tun, das in den 1980er Jahren in aller Munde war, als der Begriff „Saurer Regen“ und Bilder von toten Wäldern kursierten. Haase, der seit Oktober 2015 das Forstamt Ahrweiler mit einer Gesamtbetriebsfläche von 24 000 Hektar leitet, sieht die größte Herausforderung im Klimawandel, auch wegen der Trockenheit und der – eine Folge davon – Ausbreitung von Schädlingen.

In den 1980er Jahren habe die Politik schnell gehandelt: Entschwefelungsanlagen für Heizkraftwerke, Katalysatoren für Autos und Bodenschutzkalkungen auch in Rheinland-Pfalz sollten die Versauerung des Bodens verhindern. Laut Haase erfolgreich. Anders beim Klimawandel. Neben dem Borkenkäfer, gegen den aktuell das Forstamt Adenau ankämpft (der GA berichtete), sieht er darin die größte Herausforderung. „Es könnte eine Katastrophe für Baumarten wie die Fichte sein, wenn die Erderwärmung tatsächlich so rasch und deutlich kommt wie prognostiziert.“

Nadelholz ist ein großer Wirtschaftsfaktor

Diese Nadelbaumart werde es dann außer in Höhenlagen wie an der Hohen Acht in der Region kaum mehr geben. Die Fichten machen 21 Prozent des Baumbestandes im Gebiet des Forstamts Ahrweiler aus. „Das ist schon ein großer Wirtschaftsfaktor für die Waldbesitzer. Die Fichte ist unser Brotbaum. Wenn sie ausfällt, brauchen wir Ersatz“, sagt Haase. Weil die Fichte schnell wächst und leicht ist, wird sie vorwiegend als Bauholz genutzt. „Aus Laubholz kann man im Moment noch keine geraden Stämme produzieren. Es ist auch zu schwer, aber man arbeitet daran.“

Bei den Nadelbäumen könnten Weißtanne oder Douglasie ein Ersatz sein. Allerdings müsse man bei der Weißtanne besondere Schutzmaßnahmen ergreifen, denn sie ist ein Leckerbissen für das Wild. Der Bestand der Douglasien sei in Rheinland-Pfalz mit sieben Prozent der Waldfläche bereits so groß wie in keinem anderen Bundesland. Sie stamme aber aus Nordamerika und werde als invasive, also ursprünglich nicht heimische Art, von Naturschützern nicht gerne gesehen.

Allerdings sei es auch immer schwer abzusehen, was passiere, wenn man einen Organismus versetze, meint der Forstamtsleiter. Der Kartoffelkäfer etwa sei in Nordamerika kein Problem gewesen, in unseren Breiten schon. Gleiches gelte für das Eschentriebsterben. Das sei nach dem Ulmensterben in den 1970er Jahren und dem Abwandern der Fichten nach Norden aktuell eine weitere Gefahr. Ein Pilz, hierzulande „Eschenstängelbecherchen“ genannt, schade den Eschen in Ostasien nicht. In Europa gerate er gerade „außer Rand und Band“.

Ein Pilz bedroht die Eschenbestände

Seit 1992 verbreite er sich von Polen aus über ganz Mittel- und Südeuropa. In Rheinland-Pfalz sei er 2002 aufgetreten. „Er befällt Jung- und Altbestände, und wir gehen davon aus, dass sie absterben. Das würde bedeuten, dass wir ganze Gesellschaften von Bacheschenwäldern verlieren.“ Dabei sei das elastische Eschenholz wertvoll als Furnier für die Möbelindustrie; es diene auch zur Herstellung von Axtstielen. Zu finden sei die Esche im Kreis Ahrweiler meist an feuchten, nährstoffreichen Bachniederungen, auch an der Ahr.

Einen rund 5000 Quadratmeter großen zusammenhängenden Bestand am Bandorfer Bach beobachtet er regelmäßig und mit Sorge. „Derzeit verändert er sich wenig. Gott sei Dank. Aber Bäume, die abgestorben sind, müssen wir ernten“, sagt er und verweist auf welke Blätter, abgestorbene Äste und ganze Kronen ohne Laub neben Exemplaren, die noch völlig intakt aussehen. Der Pilz bildet auf den vorjährigen Blättern, die auf dem Boden liegen, seine Fruchtkörper aus. Er hinterlässt Sporen, die sich an noch nicht verholzten Trieben festsetzen. Diese sterben dann ab.

Aktuell stellt Haase auch eine um etwa zwei Monate verfrühte Verfärbung des Buchenlaubs fest – auch das wohl eine Folge der Trockenheit. Generell bezeichnet er den Zustand des Waldes im Forstamtsgebiet aber als „relativ gesund. Es ist jetzt nicht, dass ich mir unbedingt Sorgen machen müsse, außer bei Esche und Fichte halt“. Er hoffe, dass sich resistente Arten herausbilden, die überleben. Wenn nicht, könnte der Wald an der Ahr im Zukunft ganz anders aussehen: Er könnte mit Libanon-Zedern aufgeforstet werden. In den Versuchsanstalten gebe es längst entsprechende Tests.