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Flüchtlingskinder besuchen Sea Life: Große Fische, kleine Menschen

Flüchtlingskinder besuchen Sea Life : Große Fische, kleine Menschen

"Da ist der Hai!" Die kleine Loaai staunte. Mit Allen, Mohamed, Malinda, Vladimir, Cuitesa, Aya, Amela, Mardiola, Aldi, Kldjona, Ferdi, Dafas, Rogin, Nurgin und vielen anderen Kindern aus den Asylunterkünften der Stadt Königswinter schaute sie sich jetzt große und kleine Fische im Sea Life an.

Insgesamt 45 Mädchen und Jungen hatte Sabine Bembenek abgeholt, um ihnen eine Freude zu bereiten. "In den vergangenen Tagen war so viel Negatives zur Flüchtlingsproblematik zu hören, da möchten wir ein Zeichen setzen", sagte die 47-Jährige aus Heisterbacherrott. Der Eintritt im Sea Life war frei für die Besucher, die aus Syrien, dem Irak, Albanien oder dem Kosovo stammen.

"Und Busreisen Decker aus Oberdollendorf war sofort bereit, die Kinder kostenlos zu fahren", erzählte Sabine Bembenek. "Guck mal, Leuchtquallen", rief Mardiola. Den durchsichtigen Ohrenquallen im Sea Life gaben die Kinder nämlich gleich einen neuen Namen. "Der Hai schläft", meinte Loaai. Allen gefielen die dicken blauen Fische am besten. Und Ferdi fand den Fisch in Orange am schönsten. "Wisst ihr, was das ist?", fragte Sabine Bembenek. "Eine Krake!"

Im Streichelzoo des Sea Life zeigte Mitarbeiterin Alev den Kindern, wie sie die Tiere im Becken berühren dürfen. "Der Seestern darf nicht an den Spitzen angefasst werden, da sind seine Augen, und nicht in der Mitte. Ihr könnte zart über die Arme streichen." Und einige Mädchen und Jungen trauten sich dann auch.

Damit keines der Kinder verloren ging, wachte am Schluss der Gruppe Michael Busalt, der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Dottendorf, über die Jungen und Mädchen.

"Die Jungen und Mädchen besuchen alle einen Kindergarten oder eine Schule, einige haben nächste Woche Schuleinführung", erzählte Bembenek. "Ich wollte helfen, als die vielen Flüchtlinge in Deutschland und auch in Königswinter eintrafen, aber ich kam da nicht weiter mit meinem Angebot." Sie fuhr deshalb selbst zu den Unterkünften und knüpfte auf Willkommensfesten Kontakte. Die Repräsentantin von InterNations sprach Unternehmen an und baute über Xing und Facebook eine Gruppe auf. "In zwei Wochen waren wir 200 Unterstützer."

Sie sammeln Kleidung, Spielzeug, alles, was gebraucht wird. Sabine Bembenek transportiert das dann zu den Hausmeistern oder zur Stadt. "Wir suchen dringend einen Lagerraum", berichtete die engagierte Helferin. Sie hatte eine weitere Idee: "Nach einer Rundmail kauft jede Mutter jede Woche beim Einkauf ein Gläschen Babynahrung und Windeln für die Flüchtlinge. Das bringen wir dann zur Unterkunft am Palastweiher."

Auch einen Fahrdienst von derzeit acht Leuten für Flüchtlinge baute Bembenek auf. Die Personalchefin, die derzeit ein sechsmonatiges Studium zur Wirtschaftsjuristin absolviert, möchte auch eine Gruppe gründen, die Patenschaften für Flüchtlinge übernimmt. "Die Stadt schaut dann, was zusammenpasst." Jetzt sahen erst einmal die Kinder den Fischen zu, wie sie sich im großen Becken tummelten. Sabine Bembenek erklärte Loaai und Amela: "Der hier unten hat sich im Sand eingegraben. Wenn er hungrig wird, kommt er raus."

Die Kleinen wussten auch gleich, wer im Becken zusammengehört: "Das ist der Vater, das ist die Mutter, und das sind die Kinder." Vor der Rückfahrt gab es für die Gäste noch ein Getränk vom Sea Life. Und sie tauschten sich über ihre Eindrücke aus der Welt der Fische aus.