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Hygiene-Ampel: Grünes Licht für saubere Küchen

Hygiene-Ampel : Grünes Licht für saubere Küchen

Die Hygiene-Ampel für Gaststätten findet im Rhein-Sieg-Kreis viele Freunde, aber auch Kritiker. Saubere Restaurants und Kneipen seien das eine, findet NGG-Mann Ernst Busch, es gebe aber auch "Sozial-Schmuddel".

Rhein-Sieg-Kreis. Die Hygiene-Ampel kommt - und zwar bundesweit. Die Verbraucherschutzminister der Länder haben Ende vergangener Woche beschlossen, dass ab 1. Januar 2012 an jeder Gaststätte aushängen muss, welche Note die Lebensmittelkontrolleure dem Betrieb bei ihrem letzten Kontrollbesuch gegeben haben. Wie auf einer Ampel können die Verbraucher dann am roten, gelben oder grünen Licht ablesen, wie sauber es in Küche, Keller und sonstigen Räumen des Lokals zugeht.

Gut für Gäste, die schon immer am liebsten einen Blick in die Küche geworfen hätten, bevor sie sich in einem Restaurant an den Tisch setzen. Mehr Aufwand, so fürchtet der Landkreistag und fordert, dass das Land die Kommunen nicht auf den Kosten einer solchen Regelung sitzen lassen darf. Während die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kritisiert, dass der Kunde auf diese Weise "nur die halbe Wahrheit" erfährt.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Transparenz für die Gäste"Saubere Restaurants und Kneipen im Rhein-Sieg-Kreis seien das eine, findet NGG-Mann Ernst Busch, es gebe aber auch "Sozial-Schmuddel". Und meint damit, dass neben der Hygiene auch die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie auf den Prüfstand müssten, wo Sozialstandards nicht eingehalten würden oder Dumpinglöhne an der Tagesordnung seien.

Noch recht zugeknöpft stehen dagegen die Kreisveterinäre dem Thema Hygiene-Ampel gegenüber, die erst konkreter wissen wollen, was in der Praxis auf sie zukommt. Ein Gesetzesentwurf, so sagt Kreissprecherin Rita Lorenz, sei schließlich erst nach der Sommerpause zu erwarten. Bis dahin laufe alles wie bisher mit den Kontrollen.

Was bedeutet, dass die Häufigkeit, in der ein Lokal unter die Lupe genommen wird, von der "Risikobewertung" abhängt. Ein bundesweites Vorgehen, das laut Lorenz seit zwei Jahren gilt. Die Häufigkeit richte sich zum Beispiel danach, ob ein Betrieb Hackfleisch oder andere sensible Waren verarbeite. Die reguläre Staffelung für die Kontrollen bezieht sich, anders als die Ampel, übrigens nicht nur auf Gaststätten, Bringdienste und Imbisse, sondern auch auf Metzgereien oder Bäcker.

Die bekommen turnusmäßig alle eineinhalb Jahre Besuch in der Backstube, während beim Metzger der Kontrolleur zwei Mal im Jahr vorbei kommt. Bei Gaststätten ist das bisher ein Mal im Jahr der Fall. Gibt es Mängel, folgt eine Nachuntersuchung, ähnlich wie beim TÜV. Ein Drittel der Betriebe in NRW haben die Kontrolleure im vergangenen Jahr nach Angaben der Gewerkschaft NGG beanstandet.

Gar nichts verbergen kann der Siegburger Gastronom Harry Goltz. In seinem Café im Stadtmuseum ist die Küche ohnehin offen und für alle Gäste einsehbar. Aber auch wenn er sich keine Sorgen macht, bei der Hygiene-Ampel schlecht abzuschneiden, hält er die Art der Bewertung für wenig ansprechend für die Gäste: "Wäre nicht das umgekehrte System besser? In anderen Ländern wird mit positiven Zeichen gearbeitet." Zum Beispiel mit einem lachenden Smiley für ein sauberes Lokal. Lande eine Gaststätte dagegen im roten Bereich der Ampel, müsse man sich fragen, warum sie nicht geschlossen werde, findet Goltz.

NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel, in dessen Haus die Pläne für die Ampel geschmiedet wurden, geht davon aus, dass "der Druck auf schwarze Schafe" steigt. Zugleich Grund zur Sorge für Landkreistag-Hauptgeschäftsführer Martin Klein, schließlich gehe es da für manchen Wirt um die Existenz. Schon heute seien Kontrollen in Problembetrieben nur unter Polizeischutz möglich.

Die Hygiene-AmpelAb 1. Januar 2012 soll die Hygiene-Ampel bundesweit an allen Gastronomie-Betrieben Pflicht sein und die Ergebnisse der letzten Lebensmittelkontrolle anzeigen. Auf einer Skala von 0 bis 80 Punkten wird darauf die Hygiene in dem Betrieb bewertet. Je weniger Punkte ein Lokal hat, desto sauberer ist es. Von 0 bis 40 Punkte zeigt die Ampel, von manchen auch Barometer genannt, Grün. Von 41 bis 60 Punkte reicht der gelbe Bereich der Skala. Ab 61 Punkten zeigt die Ampel Rot. In der vergangenen Woche haben die Verbraucherschutzminister der Länder sich auf die bundesweite Regelung geeinigt.