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Verein "Ausbildung statt Abschiebung" beim Bundespräsidenten: Herzblut für Flüchtlingskinder

Verein "Ausbildung statt Abschiebung" beim Bundespräsidenten : Herzblut für Flüchtlingskinder

Wenn sich Karin Edda Ahrens für ein Anliegen einsetzt, dann zu hundert Prozent. Und dann platzt der 67-Jährigen ab und zu schon mal der Kragen. Etwa wenn sie von Verhandlungspartnern "die Rechtslage auf den Kopf gestellt" sieht. Und wenn ihrer Meinung nach "die Arbeit von kleinen Trägern freier Jugendhilfe nicht genügend anerkannt" wird.

"Kürzlich hatte ich in der Sitzung einer Bonner Partei wieder einmal den Eindruck, dass sich einige Fraktionsmitglieder immer noch fragen: Wer ist eigentlich AsA?" Ahrens ist seit 2011 Vorsitzende des Vereins Ausbildung statt Abschiebung (AsA), der für junge unbegleitete Flüchtlinge sorgt. Die Flüchtlingshilfe ist aktuell bundesweit politisches Kernthema, die Arbeit von AsA ist in aller Munde.

Morgen wird Ahrens mit Mitarbeitern des Vereins in Berlin auf Schloss Bellevue einer der wenigen Bonner Vertreter beim Bürgerfest des Bundespräsidenten sein. Eigentlich kann die 67-Jährige dann fast gleich an der Spree bleiben: Am 1. Oktober zeichnet Joachim Gauck die Bonnerin mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus.

Wer ist also AsA, wer ist die Frau, die mit AsA-Geschäftsführerin Carmen Martinez Valdés die Fäden zieht? Ahrens ist in Baden-Württemberg aufgewachsen und arbeitete 48 Jahre lang im Verwaltungsdienst, ab 1972 beim Verteidigungsministerium in Bonn. Der pensionierten Beamtin kann also niemand, was Verwaltung betrifft, ein X für ein U machen. Ihre Wissen und ihre Zähigkeit stärken AsA enorm. "Der Verein setzt sich für die vollständige Verwirklichung der Rechte von Kindern und Jugendlichen auf Bildung und Ausbildung ein, wie sie in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben sind", erläutert Ahrens, die sich zuvor schon bei der Arbeiterwohlfahrt, im Tierschutz sowie in den Vereinen Sterntaler und Frauen in Not engagierte.

Die Zielgruppe geflohener Kinder sei mit besonderen Schwierigkeiten belastet, sagt Ahrens. "Die Lebenssituation dieser durch Fluchterlebnisse traumatisieren Kinder und Jugendliche habe ich erst bei AsA begriffen, sie hat mich unheimlich betroffen gemacht." Der Verein sei im vergangenen Jahrzehnt zu einem wichtigen Baustein der sozialen Arbeit in Bonn geworden und betreue mit drei Mitarbeitern und mehr als 60 Ehrenamtliche über 150 junge Flüchtlinge, sagt die Frau, die 1992 zuerst mit Herzblut in die Lokalpolitik einstieg. Sie war von 1994 bis 1999 für Soziales und Migration im Rat der Stadt Bonn sowie bis 2005 im Integrationsbeirat. Als Leiterin des Arbeitskreises Migration setzte sie ebenfalls Zeichen.

Das Erstellen von Anträgen und Resolutionen zur Situation von minderjährigen Alleingereisten sowie der Abschiebungsstopp während der Schul- oder Ausbildungszeit wurden ihre Herzensanliegen. Mithin war der Einstieg bei AsA 2003 folgerichtig.

Junge Flüchtlinge zu Ämtern und Rechtsanwälten zu begleiten, das Amt eines Vormundes für sie zu übernehmen, so sieht Ahrens Alltag nun seit Jahren aus. Daneben organisiert sie Veranstaltungen, Vorstandssitzungen, Mitgliederversammlungen und sucht Sponsoren, um die Vereinskosten zu finanzieren. Auch an den Wochenenden sei sie mindestens fünf Stunden pro Tag dafür aktiv. Und wo tankt die 67-Jährige wieder Kraft? Ahrens lächelt ihrem Hund Blue Sky zu. Mit dem sei sie drei Stunden täglich auf erholsamer "Gassitour". Damit ihr Himmel auch bei der einen oder anderen Niederlage im Kampf für die jungen Flüchtlinge immer blau bleibt.

Der Verein

Der Verein Ausbildung statt Abschiebung (AsA) wurde 2001 als Anlaufstelle für junge Flüchtlinge gegründet. Derzeit betreuen Carmen Martinez Valdés, Leiterin der AsA-Geschäftstelle an der Godesbergstraße 51, und ihre Mitarbeiter mehr als 150 junge Flüchtlinge im Alter von 14 bis 27 Jahren. 64 dieser jungen Menschen - überwiegend aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Guinea, dem Iran, Eritrea oder etwa dem Kongo - sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden, Stiftungsgeldern und Mitgliedsbeiträgen sowie Zuschüssen der Stadt Bonn.

Mehr Infos im Internet unter www.asa-bonn.org