Dramatisches Nachwuchsproblem an Ahr und Rhein: Hotels und Gaststätten kämpfen mit Fachkräftemangel

Dramatisches Nachwuchsproblem an Ahr und Rhein : Hotels und Gaststätten kämpfen mit Fachkräftemangel

Der Gastrobranche an Ahr und Rhein bereitet der akute Fachkräftemangel große Sorgen. Hunderte von Betrieben sind in akuter Personalnot.

Die Situation dürfte sich zuspitzen: Wenngleich auch die 40 Neu-Fachkräfte aus Hotellerie und Gastronomie mit strahlenden Gesichtern in feierlichem Rahmen ihre Abschlusszeugnisse überreicht bekamen, so zeigt die Zahl der nun ins Berufsleben gestarteten Ex-Azubis auf, dass es ein dramatisches Nachwuchsproblem gibt. Lange ist es noch nicht her, da übergab die Industrie- und Handelskammer pro Abschlussjahrgang mehr als 100 Absolventen den Gesellenbrief.

Gerade einmal fünf neue Restaurantfachleute gibt es nun im gesamten Kreis Ahrweiler, acht neue „Fachkräfte im Gastgewerbe“, 15 neue Hotelfachleute und zwölf neue Köche – zu wenig, um die für das Ahrtal und die Rheinschiene so wichtige Dienstleistungsbranche in eine sichere Zukunft zu begleiten. Hunderte von Betriebe sind in akuter Personalnot. Dagmar Lorenz, Mitglied der IHK-Vollversammlung: „In der Branche herrscht ein Fachkräftemangel, so dass Betriebe gut daran tun, Marketing in eigener Sache zu betreiben, um geeignete Nachwuchskräfte zu gewinnen.“

Wenngleich auch die Bereitschaft in den rund 200 Gastrobetrieben im Kreis groß ist, jungen Menschen einen Ausbildungsplatz zu bieten, so fällt es zunehmend schwer, überhaupt geeignete Bewerber zu finden. Häufig scheitert es an der mangelhaften Qualifikation für einen Beruf in der Gastro-Branche, oft sind es die unregelmäßigen und sich hin und wieder bis in die Nacht hinein streckenden Arbeitszeiten oder auch die teilweise inakzeptablen Bezahlungen, die im Gegenzug die potenziellen Auszubildenden abschrecken, sich für einen Beruf im Hotel- und Gaststättengewerbe zu entscheiden. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Der schwieriger gewordene Gast.

Eine Auffälligkeit, die es auch in anderen Branchen gibt. Beispielsweise in Arztpraxen. Arzthelfer haben keine Lust mehr, als dauerhafte Empfänger von Meckereien über etwaige lange Wartezeiten oder Zwei-Klassenmedizin herhalten zu müssen. Ähnlich ist es im Gastrobereich: Die Gäste kommen vielfach mit zu hohen Erwartungshaltungen und ausgeprägtem Anspruchsdenken. Nörgeleien über als unzureichend empfundene Dienstleistungen sorgen für Verdruss beim Personal.

„Unterkünfte und Restaurants werden häufig nach guten Bewertungen in den entsprechenden Internetportalen ausgewählt. Das ist eine zusätzliche Herausforderung, denen sich die Auszubildenden im Gastgewerbe zu stellen haben“, berichtet IHK-Geschäftsführer Bernd Greulich.

Im regionalen IHK-Ausbilderarbeitskreis für den Kreis Ahrweiler diskutiere man regelmäßig die Möglichkeiten zur Nachwuchsgewinnung, so Greulich. „Für das Gastgewerbe haben wir auch eine spezielle Veranstaltungsreihe, wo wir aktuelle Herausforderungen behandeln. Zudem bietet die IHK Akademie in Koblenz in ihrem Gastronomischen Bildungszentrum attraktive Weiterbildungsgänge und Zusatzqualifizierungen.“ Ein durchschlagender Erfolg ist bislang allerdings nicht in Sicht.

Greulich: „Durch die Wahlmöglichkeiten, die Jugendliche heute haben, streben viele in Ausbildungsstellen mit geregelten Arbeitszeiten und guten Verdienstmöglichkeiten.“ Damit hat nicht nur das Gastgewerbe zu kämpfen, sondern auch viele andere Branchen wie etwa die Krankenpflege, der Einzelhandel oder das Handwerk. Außerdem: Die Weiterbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Gastgewerbe sind vielen Jugendlichen nicht bekannt. Das bestätigt auch die Dehoga-Landesgeschäftsstelle: „Wer in der Branche bleibt, wird nie ohne Arbeit sein.“

Der Lehrstellenmarkt hat sich längst gedreht. „Früher gab es auf wenige Ausbildungsstellen viele Bewerber. Heute ist es umgekehrt, auf viele Lehrstellen kommen wenige Bewerber. Da haben die Jugendlichen Wahlmöglichkeiten und wählen vermeintlich attraktivere Berufe. Das Gastgewerbe muss sich deshalb noch stärker als Arbeitgeber mit interessanten Perspektiven präsentieren“, rät der IHK-Geschäftsführer.

Alarmiert zeigte sich auch Kreisbeigeordneter Horst Gies, der den Auszubildenden zur Zeugnisübergabe gratulierte: „Die Gewinnung motivierter und gut qualifizierter Fachkräfte wird immer schwieriger.“ Gies weiß um die Wichtigkeit der Hotel- und Gastrobranche im Kreis Ahrweiler: Sie ist ein Motor des regionalen Wirtschaftslebens, der gewaltig ans Stottern geraten könnte.

Nur zwanzig Hotel- und Gastrobetriebe waren es im gesamten Kreis, die die jetzt fertigen Fachkräfte ausgebildet haben. Vanessa Aigner (Seehotel Maria Laach), Larissa Ott (Lindner Nürburgring Congress Hotel), Johannes Klink (Steigenberger Bad Neuenahr) und Janet Hamerich, die in einem externen Ausbildungsbetrieb tätig war, wurden für besondere Prüfungsleistungen ausgezeichnet.