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Bornheimer Humboldt-Gymnasium: In der internationale Klasse lernen 20 Kinder Deutsch

Bornheimer Humboldt-Gymnasium : In der internationale Klasse lernen 20 Kinder Deutsch

Auch wenn die 20 Kinder unterschiedliche Kenntnisse haben und drei von ihnen noch nicht lesen und schreiben können, ist die Unterrichtssprache Deutsch. Schulleiter Christian Dubois nennt das ein "Sprachbad": Die Schüler sollen direkt in die deutsche Sprache eintauchen.

Beilsan übt heute den Genitiv. "Das ist das iPhone der Journalistin", liest das 15-jährige Mädchen aus dem syrischen Homs einen der Sätze aus ihrem Buch vor. "Ich möchte auch gerne Journalistin werden", sagt sie. Seit dem Sommer besucht Beilsan die 8. Klasse am Bornheimer Alexander-von-Humboldt-Gymnasium (AvH), nachdem sie zuvor ein halbes Jahr Deutsch gelernt hat - in der Internationalen Klasse. Gestartet ist dieses besondere Schulangebot im Oktober 2014 mit vier Mädchen und Jungen. Inzwischen sind es 20, vorwiegend Flüchtlingskinder, die lernen, sich auf Deutsch zu verständigen.

Zwischen zehn und 15 Jahre alt sind die Schüler, die aus Serbien, Albanien und dem Kosovo sowie aus Georgien, Rumänien, England und Thailand stammen. Auch wenn sie alle unterschiedliche Kenntnisse haben und drei von ihnen noch nicht lesen und schreiben können, ist die Unterrichtssprache Deutsch. Schulleiter Christian Dubois nennt das ein "Sprachbad": Die Schüler tauchten so direkt in die Sprache ein.

Zusätzliche Ausbildung für die beiden Lehrerinnen

Die beiden Lehrerinnen Vera Ecks (40) und Astrid Becher-Mayr (58), die beide eine zusätzliche Ausbildung haben, um Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten, leiten die Internationale Klasse. Damit sie besser auf den unterschiedlichen Kenntnisstand der Kinder eingehen können, erhalten sie Unterstützung von Oberstufenschülern und ehrenamtlichen Sprachpaten wie Elka Walter.

Die 72-jährige frühere Berufsschullehrerin lernt gerade außerhalb des Klassenraums mit drei Kindern. "Morgen, Morgen", rufen die zwei Jungen und ein Mädchen freudig eines der wenigen Wörter, das sie schon können, und die Seniorin strahlt. "Ich habe keine Enkel - ich habe hier meine Enkelkinder", sagt sie und betont, wie viel Spaß ihr die Arbeit mit den Schülern mache.

Im Klassenraum selbst gibt es drei Tischgruppen. An einer üben vier Kinder gerade in ihren Heften, in der anderen Ecke des Raumes kümmert sich ein Schülerpraktikant um eine zweite Gruppe und am größten Tisch spricht Lehrerin Becher-Mayr mit den Kindern Sätze wie "Ich gehe in die Bäckerei", "sie geht in den Supermarkt". Lernmaterial wird teils über das Bildungs- und Teilhabepaket finanziert. Unterstützung kommt laut Vera Ecks auch vom Förderverein der Schule und der Caritas.

Ziel sei ein ausreichend großer Wortschatz für das Alltagsleben

Ziel sei es, dass die Schüler das Sprach-Level B 1 erreichen, das heißt einen ausreichend großen Wortschatz für das Alltagsleben erwerben, in Ansätzen komplexe Texte lesen können und die Grundgrammatik beherrschen, erklärt Ecks. Im Sinne der Integration besuchen die Kinder gelegentlich auch den Fachunterricht einer Regelklasse, und mit dem Sprach-Level B 1 wechseln sie ganz in die Klasse.

So wie Beilsan, die seit etwa einem Jahr in Deutschland ist und mit ihren Eltern und Geschwistern in Hersel lebt. "In Chemie habe ich noch nichts verstanden", gibt sie offen zu, auch wenn sie schon gut Deutsch spricht. "Aber die Schüler in meiner neuen Klasse helfen mir", sagt die 15-Jährige, die ihre Großeltern und ihre Freunde, die noch in der Heimat sind, vermisst. "Aber die Leute hier sind nett, es gibt viele, die mir helfen."

"Es ist schon berührend, wie sich die Schüler einbringen und wie herzlich sie die Kinder aufnehmen", sagt Dubois. Einen Schüler der Internationalen Klasse habe das AvH schon an die Europaschule und einen ans Berufskolleg vermittelt. Knapp zehn Kinder ständen nun auf einer Warteliste für die Klasse. Laut Dubois würde das AvH gerne eine zweite starten. "Eine wichtige Voraussetzung wäre aber, dass es personelle Unterstützung gibt", betont der neue Schulleiter. Denn bislang fange das Kollegium den Einsatz der beiden Deutschlehrerinnen auf. "Es ist eine echte Herausforderung, und ich bin stolz auf die Leistung der Kollegen, die ich hier vorgefunden habe", so Dubois.

Kinder in Notunterkunft

Für die 23 Mädchen und Jungen in der zur Erstaufnahmestelle des Landes umfunktionierten Turnhalle der Johann-Wallraf-Grundschule in Bornheim startet das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium voraussichtlich am kommenden Montag ein Bildungs-Angebot.

10 bis 15 Lehrkräfte wollen den Kindern ab dem Grundschulalter zwei Mal in der Woche für eineinhalb Stunden ein musikalisches, handwerkliches, sportliches und sprachnahes Programm im AvH bieten. Solange die Kinder in der Notunterkunft wohnen und noch nicht einer Kommune zugewiesen wurden, besteht für sie noch keine Schulpflicht.