Kampf um Gesamtschule in Alfter geht weiter

ALFTER · "Ich finde es gut, dass wir schon so viele sind. Ich glaube daran, dass die Schule kommt. Mein Anmeldezettel bleibt hier." Wie die Viertklässlerin Maria Konstantinidou von der Anna-Grundschule haben sich am Mittwoch nicht alle Alfterer Eltern und Kinder entschieden, nachdem am Dienstagabend in der Aula der Hauptschule Oedekoven der Zwischenstand des vorgezogenen Anmeldeverfahrens bekannt gegeben wurde.

Danach waren an vier Tagen 82 Alfterer Kinder für die geplante Gesamtschule in Alfter angemeldet worden, 100 müssen es für den Errichtungsbeschluss sein. Bis Mittwochmittag zogen nun elf der Interessenten ihre Anmeldung beim stellvertretenden kommissarischen Schulleiter Daniel Mays für ihr Kind zurück, um es zunächst an einer anderen Gesamtschule zu versuchen.

"Wir sind aber nach wie vor guter Dinge", berichtete Mays. Denn nicht nur bei einer Absage wollen diese Eltern ihr Kind erneut in Alfter anmelden. Alle versicherten nach Angaben von Mays darüber hinaus: "Wenn mein Kind das Zünglein an der Waage ist, stehen wir bereit." Die Eltern hinterließen dem stellvertretenden Schulleiter deshalb Handynummer und E-Mail-Adresse.

So soll Kontakt gehalten werden, wenn die Anmeldeverfahren an den anderen Gesamtschulen abgeschlossen und die Entscheidungen gefallen sind. Am selben Vormittag nahm Mays zudem eine weitere Anmeldung entgegen, eine weitere wurde ihm in Aussicht gestellt. Auch drei der 15 Anmeldungen aus dem Bonner Raum wurden inzwischen zurückgenommen, um am Mittwoch die letzte Anmeldemöglichkeit an einer Bonner Gesamtschule zu nutzen.

Bei einer Absage können aber auch diese Eltern ihr Kind erneut in Alfter anmelden. Die Zahl der Anmeldungen aus Bonn zählt für den Errichtungsbeschluss allerdings nicht. Bis Samstag, 25. Februar, 12 Uhr, läuft das Anmeldeverfahren in Alfter noch. "Ich hoffe, dass wir bis dahin die erforderliche Zahl zusammenbekommen", sagte Bürgermeister Rolf Schumacher.

Entscheidend wird in den nächsten Tagen sein, wie viele Kinder aus Alfter noch hinzukommen, die auf eine Aufnahme an der Bornheimer Europaschule oder der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Bonn-Tannenbusch hoffen, aber dort abgelehnt werden. Aufgrund der Erfahrungswerte früherer Jahre wird damit gerechnet, dass etwa die Hälfte der rund 30 Alfterer Interessenten dort eine Absage erhalten. In Tannenbusch ging das Anmeldeverfahren am Mittwoch zu Ende, die Post mit den Zu- und Absagen soll am 23. Februar verschickt werden.

An der Europaschule läuft das Anmeldeverfahren noch bis zum 22. Februar, die Bescheide gehen aber erst am 27. Februar heraus. Damit Eltern noch den letzten Anmeldetermin in Alfter nutzen können, steht die kommissarische Leiterin der Gesamtschule Alfter, Martina Borkenhagen, in engem Kontakt mit Europaschulleiter Christoph Becker. "Die Gründung einer Gesamtschule ist immer ein Krimi", meint die Pädagogin. "An Eltern, die eine Gesamtschule in Alfter wollen, kann ich nur appellieren, dabei zu bleiben."

Zuversicht verbreitete Monika Traudisch von der Alfterer Bildungsinitiative abi. "Diese Schule ist schon fast da. Die kommt." Die Gesamtschulrektorin im Ruhestand hat langjährige Erfahrungen mit den Anmeldeverfahren in der Europaschule und weiß, dass dort nicht alle Alfterer Kinder aufgenommen werden können. Das ist auch Thomas Zerres bewusst, Schulpflegschaftsvorsitzender der Grundschule in Alfter.

"Es wird leichter sein, hier in Alfter noch 18 Anmeldungen zu bekommen als einen Platz an der Europaschule", sagte er mit Blick auf den Zwischenstand am Dienstagabend. Er plant deshalb, zusammen mit den Pflegschaftsvorsitzenden der Grundschulen in Oedekoven und Witterschlick in der nächsten Woche noch einen Informationsbrief an die Eltern der Alfterer Viertklässler zu verteilen.

Martina Salchow, Vorsitzende der Alfterer Elterninitiative, die seit fünf Jahren für eine Gesamtschule in Alfter wirbt, wertete das Interesse aus Alfter und Umgebung mit insgesamt 97 Anmeldungen als positiv. Sie sieht die Gemeinde in der Pflicht, dem Elternwillen unabhängig von der Herkunft nun gerecht zu werden. Dafür vermisst sie allerdings einen Plan B.

Deshalb hat auch sie den Anmeldeschein für ihre Tochter wieder abgeholt und sie an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule angemeldet. Salchow rechnet sich dort gute Chancen aus, weil dort bereits zwei Geschwisterkinder zur Schule gehen. "Mir war das Risiko zu groß, dass wir zehn Tage bibbern und dann ohne einen Gesamtschulplatz dastehen." Sie sei aber bereit, jederzeit zurückzukehren, wenn in Alfter die Anmeldezahl in Richtung 100 gehe. "Alfter ist nach wie vor meine erste Wahl."

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